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Deutsche Rohstoff Aktie: Prognose-Sprung, Kurs bleibt skeptisch

Deutsche Rohstoff hebt EBITDA-Prognose auf bis zu 310 Mio Euro an, doch der Aktienkurs zeigt sich skeptisch und notiert deutlich unter dem Rekordhoch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • EBITDA-Prognose mehr als verdoppelt
  • Aktienkurs bleibt unter Rekordhoch
  • Niedrige Hedgingquote erhöht Ölpreisrisiko
  • Bohrprogramm in Wyoming läuft an

Die Deutsche Rohstoff AG hat ihre EBITDA-Prognose für 2026 mehr als verdoppelt. Der Aktienkurs honoriert das kaum. Die Aktie notiert bei 78,20 Euro, gut ein Drittel unter dem Rekordhoch von 117,80 Euro aus dem Juni. Diese Lücke zwischen starken Zahlen und schwachem Kurs ist der Kern der Geschichte.

Die entscheidende Frage: Wie stark hängt der Gewinn am Ölpreis?

Der Absicherungsgrad der Produktion entscheidet über den weiteren Kursverlauf. Bei der Entwicklung von 10 Bohrungen liegt die Hedgingquote für 2026 unter 30 Prozent. Bei mehr als 20 Bohrungen sinkt sie auf etwa 20 Prozent.

Der Großteil der Produktion bleibt damit ungeschützt gegenüber Preisschwankungen. CEO Jan-Philipp Weitz begründet das bewusst dünne Hedgebuch damit, dass der Konzern so voll von steigenden Ölpreisen profitieren kann. Die Kehrseite: Fällt der Preis, trifft das Ergebnis fast ungebremst. Die Deutsche Rohstoff hat ihre Prognose für 2026 explizit an ein Ölpreisszenario gekoppelt. Damit hängt die Frage, ob die Aktie ihr Bewertungsniveau vom Frühjahr zurückholt, direkt am Ölpreis WTI.

Bullisches Szenario: Prognose-Sprung und volle Bohrpipeline

Die operative Entwicklung spricht für die Aufwärtsthese. Die Deutsche Rohstoff hob ihre EBITDA-Prognose für 2026 auf 290 bis 310 Millionen Euro an – zuvor lag die Spanne bei 115 bis 135 Millionen Euro.

Zwei Treiber stehen hinter diesem Sprung. Erstens das massiv ausgeweitete Bohrprogramm der US-Tochter 1876 Resources, angetrieben von den gestiegenen Ölpreisen. Zweitens der Teilverkauf von Aktien an Almonty Industries, der rund 100 Millionen Euro Ertrag brachte.

Bei einem optimistischeren Preisszenario sieht das Unternehmen noch mehr Potenzial. Das EBITDA könnte dann sogar zwischen 320 und 340 Millionen Euro liegen. Das operative Ergebnis würde damit im laufenden Jahr höher ausfallen als der Umsatz.

Die operativen Daten aus Wyoming stützen diese Erwartung. Vier neue Bohrungen auf dem Dillon/Billings Pad förderten bereits drei Wochen nach Produktionsstart zusammen rund 6.000 Barrel Öl pro Tag. Die Beteiligung an Almonty liefert zudem eine zweite Ertragsquelle unabhängig von der Kernproduktion – und hat bereits realisierte Buchgewinne beigesteuert.

Bärisches Szenario: Hohe Prämie, hohes Preisrisiko

Das Gegenargument setzt genau an der Kehrseite des dünnen Hedgebuchs an. Ohne nennenswerte Absicherung schlägt ein fallender Ölpreis fast eins zu eins auf Umsatz und EBITDA durch.

Die stark angehobene Prognose basiert zudem auf einem höheren Ölpreis als zuvor kalkuliert. Die Deutsche Rohstoff rechnet in ihrem neuen Basisszenario für 2026 mit einem WTI-Preis von 75 US-Dollar, vorher waren es 60 US-Dollar. Bleibt der Ölpreis unter diesem Niveau, wäre die aktuelle Konsenserwartung zu hoch angesetzt.

Der Kurs zeigt diese Unsicherheit bereits. Er liegt 12,91 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 89,79 Euro. Die 30-Tage-Volatilität von 53,31 Prozent annualisiert signalisiert ein deutlich erhöhtes Schwankungsrisiko.

Hinzu kommt die Investitionsseite. Das ausgeweitete Bohrprogramm erfordert laufend hohe Kapitalausgaben. Ob sich diese Ausgaben lohnen, zeigt sich erst mit der tatsächlichen Produktion der neuen Bohrungen.

Ausblick: 200-Tage-Linie als Haltemarke

Solange der Kurs über dem 200-Tage-Durchschnitt von 70,09 Euro bleibt, spricht der mittelfristige Trend weiter für eine intakte Aufwärtsbewegung seit dem Tief von 38,50 Euro im August 2025. Aktuell liegt der Abstand bei 11,58 Prozent – ein Puffer, der noch Spielraum lässt, aber nicht unbegrenzt.

Fällt der Ölpreis spürbar unter das im Basisszenario unterstellte Niveau, dürfte die frisch angehobene EBITDA-Prognose unter Druck geraten. Der bereits laufende Rückgang vom Allzeithoch könnte sich dann fortsetzen.

Der nächste konkrete Prüfstein kommt aus dem Betrieb selbst: Die Produktion aus dem laufenden Bohrprogramm in Wyoming und Ohio soll im weiteren Verlauf des dritten Quartals 2026 näher bezifferbar werden. Bis dahin bleibt die Aktie in erster Linie eine Wette darauf, ob sich der Ölpreis auf dem für die Prognose unterstellten Niveau stabilisiert.

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