David gegen Goliath im europäischen Finanzsektor: Die Börsenlandschaft ist zweigeteilt. Auf der einen Seite steht die Deutsche Börse AG, ein vertikal integrierter Koloss mit einem tiefen Burggraben. Auf der anderen Seite lauert Euronext, der agile Herausforderer, der durch smarte Zukäufe ein pan-europäisches Netzwerk geschmiedet hat.
Heute, am Freitag den 13. Februar 2026, spitzt sich die Lage zu. Die Deutsche Börse hat ihre Bücher geöffnet und Rekordzahlen präsentiert, während Euronext kurz vor dem eigenen Zahlenwerk steht. Anleger stehen vor der Wahl: Setzen sie auf die massive Sicherheit der Frankfurter oder auf die Margen-Power der Pariser? Ein Blick in den Maschinenraum beider Konzerne.
Ungleiche Gewichte: Wer dominiert den Ring?
Der Größenunterschied könnte kaum drastischer sein. Die Deutsche Börse bringt stolze 39,4 Milliarden Euro auf die Waage. Sie ist die „Festung“, die dank ihres Clearing-Geschäfts (Clearstream) auch dann Geld verdient, wenn an den Märkten Panik herrscht. Euronext wirkt mit 12,4 Milliarden Euro Börsenwert dagegen fast leichtgewichtig.
Doch Größe ist nicht alles. Während die Deutsche Börse Aktie bei 209,60 Euro nahe dem Allzeithoch konsolidiert, hat Euronext (aktuell 120,40 Euro) in der letzten Woche bereits 3 % zugelegt. Der Markt wittert hier eine Aufholjagd.
Die Festung Frankfurt: Warum der Riese glänzt
Die Deutsche Börse spielt ihre Macht voll aus. Die gestern veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 lassen wenig Wünsche offen. Der Umsatz hat die psychologisch wichtige Marke von 6 Milliarden Euro durchbrochen. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Strategie.
- Die Geldmaschine läuft: Ein EBITDA von über 3,5 Milliarden Euro zeigt, wie profitabel das Geschäftsmodell ist.
- Dividenden-Alarm: Mit einem Vorschlag von 4,20 Euro je Aktie und einem 500-Millionen-Euro-Aktienrückkaufprogramm werden Aktionäre für ihre Treue fürstlich entlohnt. Das lockt konservative Investoren an.
- Mehr als nur Handel: Durch die Integration von SimCorp hat sich der Konzern unabhängiger von reinen Transaktionsgebühren gemacht. Daten und Analytik sorgen für stabil wiederkehrende Einnahmen.
Der Effizienz-Meister: Wo Euronext punktet
Euronext hält mit einer anderen Waffe dagegen: Disziplin. Das Unternehmen operiert als föderales Modell über sieben europäische Märkte hinweg und gilt als Kosten-Killer der Branche.
- Margen-König: Hier schlägt der Herausforderer den Platzhirsch. Mit einer EBITDA-Marge von fast 64 % arbeitet Euronext effizienter als die Deutsche Börse. Jeder Euro Umsatz bringt hier mehr Gewinn.
- Günstigere Bewertung: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 18 ist die Aktie etwas günstiger zu haben als das deutsche Pendant (KGV 19,6). Der Markt hat die Synergien aus der Clearing-Expansion noch nicht vollständig eingepreist.
- Unabhängigkeit: Euronext hat sich erfolgreich vom reinen Aktienhandel gelöst und expandiert stark in den Stromhandel und Datendienste.
Der direkte Zahlen-Vergleich
Wer liefert die besseren Fundamentaldaten? Hier der direkte Schlagabtausch:
| Kennzahl | Deutsche Börse (DB1) | Euronext (ENX) | Der Unterschied |
|---|---|---|---|
| Börsenwert | ~39,4 Mrd. € | ~12,4 Mrd. € | DB1 ist 3,2x größer |
| Umsatz (FY/TTM) | 6.026 Mio. € | ~1.750 Mio. € | DB1 dominiert beim Volumen |
| EBITDA (Gewinn) | 3.512 Mio. € | ~1.100 Mio. € | DB1 mit höherem Absolut-Gewinn |
| EBITDA-Marge | ~58,3 % | ~63,9 % | Euronext ist profitabler (+5,6 Pkt) |
| KGV (Bewertung) | 19,6x | 18,2x | Euronext ist günstiger |
| Dividendenrendite | 2,0 % | 2,0 % | Unentschieden |
Wachstum oder Sicherheit: Die Entscheidung
Die Weichen für den Rest des Jahres 2026 werden jetzt gestellt. Für die Deutsche Börse wird es schwerer, den gewaltigen Tanker weiter organisch wachsen zu lassen. Investoren achten nun penibel darauf, ob die teuren Zukäufe (wie SimCorp) wirklich die versprochenen Synergien liefern.
Euronext steht dagegen vor einer Bewährungsprobe. Am 18. Februar kommen die Zahlen. Gelingt der Beweis, dass die Rückführung des italienischen Clearing-Geschäfts reibungslos geklappt hat? Wenn ja, könnte die Aktie neu bewertet werden und die Lücke zur Deutschen Börse schließen.
Fazit: Der Riese behält die Oberhand
In diesem Duell gibt es einen Punktsieger, aber keinen K.O.
Die Deutsche Börse ist aktuell die bessere Wahl für das Sicherheitsbedürfnis in einem volatilen Marktumfeld. Die Zahlen liegen auf dem Tisch, die Dividende ist sicher, das Geschäftsmodell ist eine Festung. Sie ist das „Basis-Investment“ für jedes Depot.
Euronext bleibt die spannende Wette auf Effizienz und Aufholpotenzial. Wer etwas mehr Risiko verträgt und auf eine Neubewertung nach den Quartalszahlen spekuliert, findet hier mehr Kurspotenzial. Doch bis dahin gilt: Die Sicherheit des Riesen schlägt die Verheißung des Herausforderers.
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