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Der Preis von Private Equity: Wie Silver Lake Europas Software neu vermisst

Private-Equity-Übernahmepläne beflügeln europäische Softwarewerte, während rekordhohe KI-Anleiheemissionen die Aktienrisikoprämie schmälern und für Spannungen sorgen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Workday-Übernahmegerüchte beflügeln SAP & Co.
  • Rekord-KI-Anleihen drücken Aktienrisikoprämie
  • Berkshire baut Alphabet-Position deutlich aus
  • Bitcoin-ETFs verzeichnen massive Mittelabflüsse

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Finanzinvestor, der für ein Unternehmen zahlen will, das binnen zwölf Monaten kräftig verloren hat – das ist normalerweise eine Randnotiz. Vergangene Woche wurde daraus der stärkste Kurstreiber für europäische Softwarewerte seit Monaten. Gleichzeitig liefert der Anleihemarkt den Gegenbeweis dafür, dass Bewertungen nicht im Vakuum entstehen: Die Finanzierung der KI-Infrastruktur hat Realrenditen auf Niveaus getrieben, die jede Risikoprämie im Aktienmarkt infrage stellen. Fünf Entwicklungen der vergangenen Handelstage zeigen, wie beide Kräfte ineinandergreifen.

Workday liefert die Bewertungs-Blaupause für Europa

Am Mittwoch vergangener Woche berichteten Medien über Übernahmegespräche zwischen Silver Lake und Workday. Die Aktie sprang daraufhin um 18 Prozent, bei einer Marktkapitalisierung von zuvor rund 43 Milliarden Dollar. Der Effekt schwappte umgehend nach Europa: SAP zog um rund 5 Prozent an, Nemetschek zwischen 8,8 und 10 Prozent, dazu Dassault Systèmes und Sage jeweils rund 4,5 Prozent. Citi sieht europäische Softwarewerte weiterhin unter ihrem historischen Bewertungsdurchschnitt und nennt SAP als Favoriten für eine sektorweite Neubewertung – bei aktuell rund 179 Euro gegenüber einem Mitte August ermittelten fairen Wert von 201,55 Euro. Der eigentliche Punkt liegt nicht im Deal selbst, sondern in der Botschaft dahinter: Sobald ein Finanzinvestor bereit ist zu zahlen, wird die gesamte Sektorbewertung zum Argument. SAP notiert in den vergangenen 30 Tagen rund 29 Prozent höher, Nemetschek legte trotz eines 51-Prozent-Einbruchs auf Zwölfmonatssicht immerhin gut 8 Prozent zu – hier schlägt M&A-Fantasie jede Produktnachricht.

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Der Sprung europäischer Softwarewerte binnen weniger Tage zeigt, wie schnell sich Bewertungen im KI-Umfeld verschieben können. Ein kostenloser Report bündelt zehn Big-Data-Aktien, die von der anhaltenden KI-Investitionswelle profitieren könnten. Report zu Big-Data-Aktien anfordern

Die KI-Anleiheflut untergräbt die Aktienrisikoprämie

Am Montag kletterte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf 5,311 Prozent, den höchsten Stand seit Juni 2007 – nachdem bereits die Auktion vom Donnerstag zuvor bei 5,216 Prozent gelegen hatte, dem höchsten Niveau seit 2001. Entscheidend ist, woher der Anstieg kommt: nicht aus der Inflation, sondern aus der Realrendite, die seit Mitte Juni rund 93 Prozent der Bewegung bei den 30-jährigen Titeln erklärt. Der Grund ist schlicht die Größe der KI-Finanzierung: Amazon, Alphabet, Meta und Oracle haben bis Anfang Juli zusammen 194 Milliarden Dollar an Anleihen platziert, 79 Prozent mehr als im Vorjahr, während Investment-Grade-Unternehmen insgesamt bereits 1,5 Billionen Dollar in diesem Jahr emittiert haben, ein Plus von 36 Prozent. Alphabets 30-jährige Anleihe wurde mit rund 6,4 Prozent gepreist, 1,15 Prozentpunkte über Treasuries, Metas Infrastrukturfinanzierung liegt sogar über 7,5 Prozent. Bank of America rechnet vor, dass diese Emissionswelle allein die 10-jährige Treasury-Rendite um rund 0,3 Prozentpunkte nach oben gedrückt hat. Die Folgen reichen weit über Anleihedepots hinaus: 30-jährige US-Staatsanleihen aus dem Jahr 2020 notieren inzwischen 54 Prozent unter dem Nennwert, die US-Hypothekenzinsen kletterten in der vergangenen Woche auf 6,67 Prozent, und die Gewinnrendite des S&P 500 liegt mit 5,0 Prozent kaum noch über dem, was risikolose Anleihen bieten. Wer derzeit Aktienrisiko eingeht, bekommt dafür praktisch keine Prämie mehr gegenüber dem Rentenmarkt – eine Konstellation, die jede Bewertungsdiskussion in Aktien, ob Software oder Industrie, in ein neues Licht rückt.

Rüstung und Stahl: Auftragsflut trifft auf geteilte Analystenmeinung

Bei Rheinmetall ist der Auftragsfluss unbestritten, die Frage nach nachhaltigen Margen jenseits 2027 spaltet dagegen die Analystenzunft. Jefferies bestätigte am Freitag die Kaufempfehlung, während JPMorgan die Aktie am Montag bei einem Kursziel von 1.350 Euro beließ, aber weiter nur mit „Neutral“ einstuft – Analyst Perry warnt vor Unsicherheiten bei den Umsätzen 2027 bis 2030 und sieht die Ergebnisschätzungen bis 2030 um bis zu 17 Prozent unter dem Konsens. Parallel erhielt der Konzern am Montag einen Bundeswehr-Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für Rettungsstationen, nachdem bereits am Donnerstag ein dänischer Auftrag für das MASS-Täuschkörpersystem für fünf Fregatten bekannt geworden war, inklusive einer Versorgungsvereinbarung über bis zu 21 Jahre. Trotz dieser Newsflut testet die Aktie aktuell ihre 100-Tage-Linie und liegt 2026 bislang rund 21 Prozent im Minus – ein Beleg dafür, dass Auftragsbücher allein die Bewertungsfrage nicht klären.

Ganz anders liest sich die Stahlgeschichte: Bank of America startete Salzgitter am Montag mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 71 Euro, die Aktie sprang daraufhin um 4 Prozent auf 52,50 Euro. Analyst van der Walt sieht 18 Prozent Aufwärtspotenzial beim Ebitda 2027. Gleichzeitig hob die Bank das Thyssenkrupp-Ziel von 18 auf 19 Euro an, nachdem bereits eine Woche zuvor die Kursziele für ArcelorMittal, Voestalpine und SSAB gestiegen waren. Thyssenkrupp selbst markierte am Montag mit 14,05 Euro ein neues Zwölfmonatshoch, nach einem Kursplus von rund 49 Prozent seit Jahresbeginn. Das ist eine zyklische Sektor-Neubewertung, getragen von Transformations- und Kapazitätsargumenten statt von Rüstungsauftragsbüchern – und laut BofA-Zielkurs bei Salzgitter noch nicht ausgereizt.

Berkshire rotiert: Alphabet rauf, Bankenexposure runter

Die jüngste 13F-Offenlegung zeigt eine klare Richtungsentscheidung. Berkshire Hathaway erhöhte seinen Alphabet-Anteil im zweiten Quartal um 83 Prozent auf 106 Millionen Aktien, Wert rund 36,6 Milliarden Dollar zum Ende Juni – damit ist Alphabet die drittgrößte Position hinter Apple (rund 70 Milliarden Dollar) und American Express (rund 52 Milliarden Dollar). Enthalten war ein direkter Zukauf über 10 Milliarden Dollar im Juni, den Warren Buffett eigenen Angaben zufolge selbst initiiert hat, während Nachfolger Greg Abel das operative Portfoliomanagement führt. Im Gegenzug baute Berkshire Bank of America weiter ab – kumuliert über acht Quartale um 53 Prozent reduziert – sowie Capital One um 58 Prozent und stieg vollständig aus Constellation Brands aus. Netto kaufte Berkshire im zweiten Quartal für 19,8 Milliarden Dollar Aktien zu, die aktivste Kaufperiode seit Jahren, bei weiterhin 365,5 Milliarden Dollar Cash-Bestand. Alphabet notiert aktuell bei rund 296 Euro, ein Plus von 70 Prozent auf Zwölfmonatssicht. Damit setzt Buffetts Vehikel prominent auf einen der größten Finanzierer der KI-Infrastruktur – ausgerechnet während dieselbe Finanzierungswelle die Renditen treibt, vor denen sich Berkshire mit dem Rückzug aus zinssensitiven Bankwerten offenbar absichert.

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Zwischen Softwarerallye, Stahl-Neubewertung und Rüstungsaufträgen zeigt sich: Wachstumschancen tauchen aktuell in ganz unterschiedlichen Branchen auf. Ein PDF-Sonderreport von Analyst Mike Rückert stellt fünf Aktien aus Bereichen wie Energie, Gesundheit und Hightech vor, die 2026 zu den Gewinnern zählen könnten. Sonderreport herunterladen

Risikobarometer: Bitcoin verliert Rückenwind, Öl gewinnt ihn, Gold verliert ihn wieder

Drei Signale, ein gemeinsamer Nenner: steigende Renditen verändern, wo Kapital hinfließt. In der Woche vom 10. bis 14. August verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs Nettoabflüsse von rund 390 Millionen Dollar, angeführt von Fidelitys FBTC mit 153 Millionen und BlackRocks IBIT mit rund 129 Millionen Dollar – nach noch 853,5 Millionen Dollar Zuflüssen in der Vorwoche. Bitcoin selbst hielt sich in diesem Zeitraum knapp über 63.000 Dollar. Zusätzlich belastend: Die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des CLARITY Act, der US-Kryptoregulierung schaffen soll, fiel laut Galaxy Research am Donnerstag auf nur noch 10 Prozent – die Kombination aus institutionellen Abflüssen und wegbrechendem regulatorischem Rückenwind dämpft die von Chartanalysten genannten Kursziele von 70.000 bis 76.000 Dollar merklich.

Am Ölmarkt zog der Preis am Dienstag an, nachdem Iran laut einem hochrangigen Vertreter zu einer „vollständig offensiven“ militärischen Haltung übergehen will, da Verhandlungen mit den USA über ein dauerhaftes Kriegsende ins Stocken geraten sind – Washington schloss zugleich eine Verlängerung der Waffenruhe aus. WTI und Brent hatten bereits am Montag mit rund 84,50 beziehungsweise 90,87 Dollar deutlich zugelegt. Gold dagegen rutschte am Dienstag unter 4.400 Dollar je Feinunze, weil steigende Anleiherenditen und ein festerer Ölpreis den sicheren Hafen unattraktiver machten; auch Silber gab nach. Diese Divergenz ist aufschlussreich: Geopolitisches Risiko stützt den Ölpreis, doch der klassische Krisenschutz Gold wird von genau der Renditedynamik ausgebremst, die auch die KI-Anleihewelle antreibt.

Das große Bild

Zwei Kräfte bestimmen derzeit die Bewertung an den Kapitalmärkten, und sie ziehen in unterschiedliche Richtungen. Auf der einen Seite steigert Private Equity mit dem Workday-Zugriff die Fantasie für europäische Softwarewerte – ein Signal, dass selbst gefallene Aktien einen Bewertungsboden haben können, sobald ein zahlungskräftiger Käufer auftaucht. Auf der anderen Seite entzieht die schiere Größe der KI-Anleiheemissionen dem gesamten Aktienmarkt die Risikoprämie: Eine Gewinnrendite von 5,0 Prozent im S&P 500 bei 30-jährigen Staatsanleihen jenseits der 5,3-Prozent-Marke ist eine Rechnung, die nicht mehr zwingend für Aktien aufgeht. Wo diese beiden Kräfte kollidieren, zeigt Berkshires 13F-Offenlegung am deutlichsten: Buffetts Vehikel kauft Alphabet als Nutznießer der KI-Finanzierungswelle zu und verkauft gleichzeitig zinssensitive Bankwerte. Wer Softwareaktien wegen der M&A-Fantasie kauft, sollte diese Gegenrechnung im Anleihemarkt nicht ausblenden – sie entscheidet am Ende, wie viel die aktuelle Neubewertung wert ist.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.