Die Kryptomärkte zeigen sich unbeeindruckt vom Wahlerfolg der US-Demokraten bei den Zwischenwahlen. Entgegen anfänglicher Befürchtungen legten die Notierungen von Bitcoin und weiteren Digitalwährungen über Nacht zu. Anleger werten vor allem das Ende der wochenlangen politischen Unsicherheit positiv, obwohl eine demokratische Kongressmehrheit strengere Vorgaben für die Branche erwarten lässt.
Eingepreiste Mehrheiten dämpfen die Marktreaktion
Bitcoin kletterte um 1,55 Prozent auf 78.576,60 Dollar. Unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen war der Kurs kurzzeitig unter 76.000 Dollar abgetaucht, fing sich danach jedoch rasch wieder.
Im weiteren Verlauf erreichte die Leitwährung ein Zwischenhoch bei 78.696 Dollar. Der Gesamtwert aller Kryptowährungen stieg auf 2,62 Billionen Dollar.
Dass eine stärkere Korrektur ausblieb, führen Händler auf die vorangegangene Positionierung zurück. Auf Prognose- und Wettplattformen war ein Stimmenzuwachs der Demokraten im Vorfeld mit Wahrscheinlichkeiten von mehr als 90 Prozent gehandelt worden. Der Wechsel der Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus war damit an den Finanzmärkten weitgehend vorweggenommen.
Kapitalabflüsse verlangsamen sich
Ether verzeichnete über Nacht ebenfalls ein Plus von 1,55 Prozent auf 2.323,14 Dollar. Auch Währungen wie BNB und XRP tendierten moderat fester. Unterstützt wurde die Bewegung von einem schwächeren Dollar, nachgebenden Anleiherenditen und fallenden Rohölpreisen.
Parallel dazu verlangsamte sich das Tempo der Kapitalabzüge aus börsengehandelten Krypto-Fonds. Die Nettoabflüsse aus US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs sanken am Dienstag auf 116 Millionen Dollar, nachdem am Montag noch 399 Millionen Dollar abgezogen worden waren. Bei entsprechenden Ethereum-Produkten ermäßigte sich das Minus am Dienstag auf 85 Millionen Dollar.
Auf der politischen Bühne stellt der Ausgang der Zwischenwahlen die Krypto-Industrie vor neue Herausforderungen. In Schlüsselgremien wie dem Bankenausschuss des Senats dürften künftig wieder Politiker den Ton angeben, die der Digitalbranche traditionell reserviert gegenüberstehen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Initiativen für industriefreundliche Regeln wie der sogenannte CLARITY Act im neuen Kongress auf deutlich höhere Hürden stoßen werden.
