Der Berliner Lieferdienst Delivery Hero ist zum Spielball zweier Schwergewichte geworden. Der niederländische Großaktionär Prosus erwägt, seine Beteiligung auszubauen. Das Ziel: einen Übernahmeversuch von Uber abwehren. Die EU-Kommission hat Prosus dafür mehr Zeit gegeben.
Regulatorische Auflage als Zankapfel
Die Vorgeschichte ist entscheidend. Im August 2025 genehmigte die EU-Kommission die Übernahme von Just Eat Takeaway.com durch Prosus – unter einer Auflage. Prosus musste seinen damaligen Anteil von 27,4 Prozent an Delivery Hero drastisch reduzieren. Branchenkreise gehen von unter 10 Prozent aus. Zudem darf Prosus keine Stimmrechte ausüben und keine Vorstände entsenden.
Prosus hat bereits verkauft. Im April 2026 gingen 4,5 Prozent an Uber – zum Preis von 20 Euro je Aktie, rund 270 Millionen Euro. Im Mai folgten weitere 5 Prozent an Aspex Management für 22 Euro je Aktie, Erlös: rund 335 Millionen Euro. Prosus hält noch etwa 16,8 Prozent.
Uber nutzte die Gelegenheit. Der US-Konzern stockte auf rund 19,5 Prozent auf und wurde zum größten Einzelaktionär. Ein Übernahmeangebot von 33 Euro je Aktie hatte Delivery Hero jedoch abgelehnt.
Neue Flexibilität durch Fristverlängerung
Am 29. Mai 2026 gewährte die EU-Kommission Prosus eine Fristverlängerung für den Anteilsabbau. Das eröffnet neue Optionen. Prosus-CEO Fabricio Bloisi hatte die Verkaufsauflage zuvor öffentlich als „großen Fehler“ kritisiert. Nun könnte Prosus seine Position vorübergehend sogar ausbauen, um Ubers Einfluss zu kontern.
Die Finanzkraft dafür ist da. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 steigerte Prosus den Umsatz um 57 Prozent auf 9,7 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn wuchs um 84 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow erreichte mit 1,5 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert.
Die Delivery-Hero-Aktie notiert bei 36,00 Euro, ein Mini-Minus von 0,44 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 57,6 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 14,61 Euro hat sich der Kurs vollständig gelöst. Mit einem RSI von 54,6 liegt die Aktie in neutraler Zone – nach der Rallye ein Zeichen für Konsolidierung.
Die Volatilität von über 44 Prozent zeigt: Der Machtkampf zwischen Prosus und Uber wird die Aktie weiter treiben. Der nächste Knackpunkt ist die Frage, ob Prosus tatsächlich nachkauft – und wie die EU-Kommission darauf reagiert.
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