Eine Kennzahl, die bis vor kurzem nur Fachpublikum kannte, entscheidet gerade über das Schicksal einer ganzen Aktienkategorie. Die Rede ist vom mNAV, dem Verhältnis von Marktwert zu Nettovermögen bei sogenannten Digital Asset Treasuries. Und DeFi Technologies liefert dafür gerade das Lehrbuchbeispiel.
Die Aktie schloss die Woche bei 0,3660 Euro, nach einem Freitagsminus von 1,67 Prozent. Der Blick auf die längere Frist zeigt das eigentliche Ausmaß: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 43,61 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 84,69 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,45 Euro aus dem August 2025 trennen die Aktie mittlerweile 85,06 Prozent.
Wenn Aktien ausgeben zur Kapitalvernichtung wird
Das Geschäftsmodell der Krypto-Treasuries klang lange verlockend simpel. Firmen geben Aktien oberhalb des Werts ihrer Kryptobestände aus und stecken den Erlös in noch mehr Coins. Dieses Karussell dreht sich aber nur, solange Investoren bereit sind, einen Aufschlag auf den Nettoinventarwert zu zahlen.
Genau das ist gekippt. Nach Angaben von Coinbase Institutional liegt der aggregierte, voll verwässerte mNAV der Branche mittlerweile bei rund 0,7 – der niedrigste Stand seit Juni 2022. Unterhalb der Marke von 1 wird jede neu ausgegebene Aktie zum Verlustgeschäft für die bestehenden Anteilseigner, statt Wert zu schaffen, verwässert sie ihn nur noch.
DeFi Technologies steckt mitten in dieser Neubewertung, auch wenn das Geschäftsmodell eigentlich ein anderes ist. Über die Tochter Valour gibt das Unternehmen Krypto-ETPs aus und handelt damit – ein laufendes Geschäft, das anders als reine Bitcoin-Horter auch operative Erträge erwirtschaftet. Der Markt unterscheidet aktuell trotzdem kaum zwischen den beiden Geschäftsmodellen.
Der Chart bestätigt den Strukturbruch
Die Handelstechnik untermauert die fundamentale Geschichte. Die Aktie notiert 19,13 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und ganze 49,10 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Abstand, der zeigt, wie weit sich der Kurs von seinem mittelfristigen Trend entfernt hat. Zum frischen Jahrestief von 0,3408 Euro vom 24. Juli sind es dagegen nur noch 7,39 Prozent Puffer.
Der RSI von 40,3 signalisiert weder Panik noch Entwarnung. Die Aktie bewegt sich in neutralem bis leicht überverkauftem Terrain, ohne dass sich daraus bereits eine Trendwende ableiten ließe. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 72,32 Prozent bleibt das Papier ohnehin ein Instrument für Anleger mit starken Nerven.
Keine Termine, aber viel Makro-Lärm
Für die kommende Woche steht kein Quartalsbericht und keine Hauptversammlung an, die der Aktie eine eigene Erzählung geben könnte. Damit bleibt der Kurs faktisch Geisel der Bitcoin-Charttechnik. Coinbase-Analysten machen die kurzfristige Richtung an einer einzigen Marke fest: dem 50-Tage-EMA von Bitcoin. Solange die Leitkryptowährung unterhalb ihrer 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnitte notiert, bleibt der Abwärtstrend nach dieser Lesart intakt.
Verschärfend kommt hinzu, dass Marktbeobachter laut Coindesk zunehmend Absicherungen gegen einen Bitcoin-Rückgang auf 60.000 Dollar aufbauen – für August offenbar der meistgehandelte Hedge im Markt. Träfe dieses Szenario ein, geriete der gesamte Sektor krypto-naher Aktien unter neuen Druck, DeFi Technologies eingeschlossen.
Operatives Geschäft läuft, der Kurs hört nicht zu
Was den Fall interessant macht, ist genau diese Kluft zwischen operativer Realität und Kursmechanik. Das ETP-Emissions- und Handelsgeschäft von DeFi Technologies hat auch durch den Abschwung hindurch positive Nettogewinne erwirtschaftet. Reine Treasury-Vehikel dagegen hängen komplett am gedrückten mNAV – ihr gesamtes Investment-Argument steht und fällt mit dieser einen Kennzahl.
Der Markt behandelt DeFi Technologies trotzdem wie ein reines Bitcoin-Beta-Instrument. Der Kurs folgt der technischen Schlacht um Bitcoins gleitende Durchschnitte, nicht den eigenen operativen Kennzahlen des Unternehmens. Diese Entkopplung dürfte sich in der kommenden Woche kaum auflösen.
Zwei Marken bleiben entscheidend. Rutscht die Aktie unter das Jahrestief von 0,3408 Euro, öffnet sich weiteres Abwärtspotenzial. Gelingt dagegen der Sprung zurück über den 50-Tage-Durchschnitt bei 0,4526 Euro, wäre das das erste ernstzunehmende Signal, dass der Verkaufsdruck nachlässt.
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