Ein Erholungstag mit vielen Nebengeräuschen: Der DAX klettert am Freitag um 0,7 Prozent auf 24.935 Punkte und mact damit einen Teil der Vortagesverluste wett. Der Antrieb kommt gleich aus mehreren Richtungen — von entspannten Zöllen bis zu einer Gewinnüberraschung bei einem Rückversicherer.
Brüssel gibt Entwarnung bei US-Zöllen
Die EU-Kommission bewertet die neuen US-Zölle gegen 60 Handelspartner überraschend positiv. Sie ersetzen die bisherigen temporären Abgaben von 10 Prozent und gelten künftig pauschal auch für EU-Exporte in dieser Höhe. Zollbefreiungen für Flugzeuge, Generika sowie Kork und Diamanten bleiben bestehen, wie ein Kommissionssprecher mitteilte. Die Begründung der US-Seite, wonach die EU unzureichend gegen Zwangsarbeit vorgehe, wies Brüssel scharf zurück. SPD-Handelsausschuss-Chef Bernd Lange zeigte sich von der konkreten Ausgestaltung positiv überrascht — sie falle besser aus als beim ursprünglichen Turnberry-Abkommen.
SAP treibt, VW bremst
Den größten Einzelbeitrag zur Erholung liefert SAP: Die Aktie springt nach Quartalszahlen um 5,4 Prozent. Das Wachstum beim Cloud-Auftragsbestand beschleunigte sich entgegen den Befürchtungen einer Verlangsamung, auch wenn das operative Ergebnis unter dem Analystenkonsens blieb.
Bei Volkswagen sieht das Bild anders aus. Der Konzern verdiente im zweiten Quartal mit 1,54 Milliarden Euro rund ein Drittel weniger als im ohnehin schwachen Vorjahreszeitraum. Vorstandschef Oliver Blume kappte deshalb den Umsatzausblick für 2026 — statt eines Plus von bis zu 3 Prozent rechnet er nun bestenfalls mit stabilen Erlösen, im schlechtesten Fall mit einem Rückgang um 3 Prozent. Die Auslieferungen in China brachen um mehr als ein Drittel ein. Die VW-Vorzugsaktie fiel um 2,2 Prozent und war damit DAX-Schlusslicht.
Munich Re sorgte dagegen für eine positive Überraschung: Der Nettogewinn stieg auf rund 2,2 Milliarden Euro, deutlich über den von Analysten erwarteten 1,8 Milliarden. Geringe Großschäden und ein starkes Kapitalanlageergebnis trieben das Resultat. Vorstandschef Christoph Jurecka sieht den Konzern damit auf gutem Weg zum Jahresziel von 6,3 Milliarden Euro Überschuss.
Auch Adidas erholte sich von den frühen Verlusten, notierte aber weiter im Minus — belastet vom schwachen Ausblick eines US-Konkurrenten. Atoss Software überzeugte hingegen mit zweistelligem Wachstum und bekräftigten Zielen bis 2027.
Die endgültigen Zahlen von Munich Re stehen am 7. August an. Bei Volkswagen dürfte der Blick als Nächstes auf die für Anfang kommender Woche angesetzte Zahlenvorlage von Audi fallen — dort zeichnet sich laut Finanzchef Arno Antlitz bereits eine gesenkte Margenprognose ab.
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