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DAX-Zittern zwischen Nahost-Krise und Rückkauf-Fantasie

Trotz geopolitischer Spannungen treiben Aktienrückkäufe die Kurse von Telekom und Heidelberg Materials. Der Übernahmepoker um die Commerzbank bleibt spannungsgeladen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Telekom-Rückkauf treibt Kurs
  • Heidelberg Materials vor Zahlen
  • UniCredit sichert sich Commerzbank-Anteile
  • Siemens Energy unter Gewinndruck

Während der Leitindex nach Angriffen im Nahen Osten um Orientierung ringt, feiern einzelne DAX-Werte ihre eigene Party. Die Deutsche Telekom springt nach frischen Aktienrückkäufen zweistellig prozentual auf Wochensicht nach vorn, während sich der Übernahmepoker um die Commerzbank seinem Höhepunkt nähert. Bei Siemens Energy dagegen sorgt die Ruhe vor den Quartalszahlen für ausgerechnet umso lautere Kursausschläge.

Nach drei Rekordtagen zu Wochenbeginn mit einem Allzeithoch von über 25.900 Punkten hat die Eskalation zwischen dem Iran und den USA für Verunsicherung gesorgt. Der Index pendelt aktuell um die 25.000-Punkte-Marke und sucht nach klarer Richtung. Gleichzeitig zeigt sich: Unternehmensspezifische Nachrichten bestimmen derzeit stärker über Kursgewinne und -verluste als die große geopolitische Lage.

Deutsche Telekom: Rückkaufprogramm zündet Kurswende

Die Telekom-Aktie gehört zu den Wochengewinnern im DAX und notiert aktuell bei 26,17 Euro, nach einem Tagesplus von 3,48 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 3,85 Prozent zu Buche. Auslöser ist die dritte Tranche des laufenden Aktienrückkaufprogramms, die Anfang Juli gestartet ist.

Bis Ende September will der Konzern Aktien im Volumen von bis zu 560 Millionen Euro zurückkaufen, maximal 23,5 Millionen Stück. Der Gesamtrahmen des Programms reicht bis Jahresende und sieht insgesamt zwei Milliarden Euro vor. Weniger frei handelbare Aktien am Markt heben rechnerisch den Gewinn je Aktie – genau darauf dürfte das Kalkül hinter der Maßnahme zielen.

Bemerkenswert ist die Divergenz zur Analystenmeinung: Barclays hatte das Kursziel jüngst von 39,50 auf 36,50 Euro gesenkt, die Einstufung „Overweight“ aber bestätigt. Der Markt scheint das Rückkaufsignal stärker zu gewichten als die Kurszielkürzung. Dabei bleibt die Aktie nach wie vor deutlich unter Druck: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro beträgt fast 24 Prozent, und auf Sicht von 30 Tagen steht noch immer ein Minus von gut 8 Prozent zu Buche. Belastet hatten zuletzt Sorgen um das US-Geschäft – ein sich verschärfendes Wettbewerbsumfeld, Konkurrenz durch Satellitenanbieter im Breitbandgeschäft sowie Spekulationen über eine mögliche Holding-Struktur mit der Tochter T-Mobile US. Der aktuelle Kurssprung wirkt daher eher wie ein punktuelles Erholungssignal als wie ein Bruch mit den strukturellen Belastungsfaktoren.

Heidelberg Materials: Rückkäufe stützen vor den Zahlen

Der Baustoffkonzern legt um 2,71 Prozent auf 170,70 Euro zu und profitiert von einer ähnlichen Dynamik wie die Telekom. Auch hier laufen Aktienrückkäufe – im Umfang von über 30 Millionen Euro –, während die Erwartungen an die Quartalszahlen Ende Juli den Kurs zusätzlich stützen.

Die Deutsche Bank rechnet für das zweite Quartal mit einem organischen Umsatzplus von 4,5 Prozent. Währungseffekte dürften diesen Zuwachs allerdings schmälern, sodass unter dem Strich ein Wachstum von rund 2,4 Prozent verbleibt. In Europa, wo etwa die Hälfte der Umsätze erwirtschaftet wird, dürfte sich das Absatzvolumen kaum verändert haben – vermutlich hat der Konzern hier aber die Preise leicht angehoben, um dem Kostendruck entgegenzuwirken.

Die Jahresbilanz bleibt trotz der jüngsten Erholung schwach: Seit Jahresanfang steht ein Minus von 23,25 Prozent, der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt fast 14 Prozent. Erst vor wenigen Wochen war die Aktie auf ein mehrwöchiges Tief gefallen. Die Kombination aus Rückkäufen und dem bevorstehenden Zahlentermin wirkt nun wie der Auftakt zu einer möglichen Stabilisierung – weniger wie eine spontane Eintagesbewegung.

Commerzbank: UniCredit-Poker bleibt Kurstreiber

Die Commerzbank-Aktie klettert um 2,14 Prozent auf 38,60 Euro und nähert sich damit ihrem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro. Der Kurstreiber bleibt der monatelange Übernahmestreit mit der italienischen UniCredit, der diese Woche einen wichtigen Wendepunkt erreichte.

Nach Ablauf ihres Übernahmeangebots hat sich UniCredit nach eigenen Angaben mehr als 44 Prozent der Anteile gesichert. Bis zum Fristende Anfang Juli wurde die Offerte für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen. Trotz dieses Fortschritts bleibt der Vollzug einer vollständigen Übernahme fraglich – behördliche Genehmigungen stehen noch aus, und die Bundesregierung bezeichnet das Vorgehen der Italiener weiterhin als inakzeptabel.

Aufschlussreich ist zudem die geringe Beteiligung unabhängiger Aktionäre: Institutionelle und private Anleger haben zusammen weniger als 2 Prozent ihrer Aktien angedient. Das Management wertet dies als Beleg für die mangelnde Attraktivität des Angebots. Für Anleger bleibt die Übernahmefantasie damit ein Kurstreiber, denn das rechnerische Umtauschverhältnis liegt derzeit über dem aktuellen Börsenkurs. Die Aktie hat auf Jahressicht bereits 33,10 Prozent zugelegt – ein vollständiger Übernahmeabschluss wird von UniCredit selbst allerdings erst für 2027 in Aussicht gestellt.

Siemens Energy: Quiet Period sorgt für lautes Zittern

Siemens Energy fällt aus der Reihe der Gewinner heraus und gibt heute 2,68 Prozent auf 152,34 Euro ab. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf über 9 Prozent. Ein wesentlicher Faktor ist die bevorstehende Quartalsvorlage: Ausgerechnet in der Phase, in der der Konzern offiziell schweigen muss, wird es an der Börse besonders unruhig.

Die Korrektur reiht sich in einen bereits länger laufenden Trend ein. Nach der kräftigen Rally der vergangenen Monate dürften vermehrt Gewinnmitnahmen eine Rolle spielen, verstärkt durch allgemeine Schwäche im Technologiesektor. Charttechnisch zeigt sich ein gemischtes Bild: Mit einem Abstand von knapp 8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt dominiert kurzfristig die Schwäche, während der Kurs mit einem Plus von rund 6,7 Prozent oberhalb der 200-Tage-Linie weiterhin im langfristigen Aufwärtstrend verbleibt.

Fundamental bleibt die Story intakt. Aus einem einstigen Sanierungsfall mit Windkraft-Altlasten ist ein zentraler Ausrüster für die globale Energiewende geworden, getrieben von Stromnetzen, Gasturbinen und dem Energiehunger neuer Rechenzentren. Gleichzeitig warnen Beobachter vor der ambitionierten Bewertung: Entscheidend wird, wie schnell sich Auftragsbestände in echte Margen verwandeln lassen. Die aktuelle Schwäche liest sich daher eher als technische Verschnaufpause nach einer beeindruckenden Kursrally denn als fundamentaler Bruch der Wachstumsgeschichte – auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von 69,30 Prozent zu Buche.

Sektordynamik im Überblick

  • Telekom-Sektor: Aktienrückkäufe honoriert, strukturelle US-Risiken bleiben bestehen
  • Baustoffbranche: Rückkaufprogramme und Wachstumshoffnungen stützen vor Zahlen
  • Bankensektor: Übernahmepoker dominiert weiterhin die Schlagzeilen
  • Energiewende-Werte: Quiet Period und Gewinnmitnahmen belasten kurzfristig, langfristiger Trend intakt

DAX-Aktien zwischen Kapitalrückführung und Geduldsprobe

Der heutige Handelstag zeigt, wie stark einzelne Unternehmensnachrichten die Kursbewegungen im DAX prägen, während der Gesamtindex nach der jüngsten Nahost-Eskalation selbst nach Orientierung sucht. Die Rückkaufprogramme bei Telekom und Heidelberg Materials belegen, dass Anleger konkrete Kapitalrückführung honorieren, gerade wenn der Gesamtmarkt unsicher bleibt.

Der Commerzbank-Fall dürfte der spannungsreichste Einzeltitel im Index bleiben, solange die finale Entscheidung über die UniCredit-Übernahme aussteht. Bei Siemens Energy wird die anstehende Quartalsvorlage zur entscheidenden Weichenstellung – bis dahin könnten Gewinnmitnahmen die Aktie weiter unter Druck halten. Für die kommenden Wochen dürfte gelten: Nicht der Indexstand, sondern die einzelnen Unternehmenstermine liefern die stärksten Impulse.

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