Der DAX tänzelt an seinem Rekordhoch entlang, während sich im Hintergrund ein ganz anderes Signal verdichtet. Halbleiterwerte katapultieren den Index nach oben, US-Anleiherenditen auf 20-Jahres-Hoch mahnen zur Vorsicht. Zwei Kräfte ziehen an unterschiedlichen Enden – und noch hat die Rekordjagd die Oberhand.
Am Freitagmittag notierte der Leitindex bei rund 25.812 Punkten, ein Plus von 0,8 Prozent zum Vortag. Zeitweise fehlten weniger als zehn Zähler bis zur Bestmarke von 25.900 Punkten aus dem frühen Juli. Auf Wochen- und Monatssicht steht damit ein Zuwachs von zwei bis drei Prozent zu Buche.
Chip-Rallye zieht den Index
Den Ausschlag gaben starke Quartalszahlen der US-Tech-Riesen Microsoft und Amazon, die Sorgen um die Rentabilität der KI-Investitionen zumindest vorübergehend zerstreuten. Infineon sprang um rund sechs Prozent nach oben und führte die Gewinnerliste an, gefolgt von Siemens Energy mit einem Plus von 3,2 Prozent. RWE und Hochtief legten jeweils etwa 2,5 Prozent zu.
Nicht jeder profitierte von der Stimmung. Puma brach um rund sechs Prozent ein, nachdem der Sportartikelhersteller schwache Umsätze im zweiten Quartal gemeldet hatte. Hensoldt gab trotz einer Verdopplung des Auftragseingangs im ersten Halbjahr 2,7 Prozent ab – JPMorgan sieht die Rüstungselektronik-Aktie inzwischen als das am höchsten bewertete Papier seines Analyseuniversums. Im MDAX strich Schaeffler nach einer Zielsenkung wegen der schwachen Autoindustrie 13 Prozent ab.
Konjunkturseitig gab es gemischte Signale. Die deutsche Arbeitslosenquote stieg im Juli saisonbereinigt auf 6,4 Prozent und lag damit über den Erwartungen von 6,3 Prozent. Die Eurozonen-Inflation kletterte im gleichen Monat auf 2,9 Prozent, die Kernrate auf 2,5 Prozent.
Der Renditeschatten über der Rallye
Während der DAX Rekordniveaus streift, brauen sich am Anleihemarkt Risiken zusammen. Die neue Fed unter Kevin Warsh beließ ihren Leitzins zwar unverändert bei 3,75 Prozent, verzichtet aber demonstrativ auf klare Forward Guidance. Drei abweichende Stimmen im Fed-Gremium, die eine Zinserhöhung forderten, verstärkten die Unsicherheit zusätzlich.
Die Folge: Langlaufende US-Renditen kletterten auf den höchsten Stand seit rund zwanzig Jahren, 30-jährige Bonds werfen mittlerweile etwa 5,2 Prozent risikofreien Ertrag ab. Steigende Zinsen wirken wie Gift für Aktienbewertungen und könnten Kapital aus dem Aktienmarkt in Richtung Anleihen umlenken – ein Effekt, der sich bislang aber noch nicht in den europäischen Indizes niedergeschlagen hat.
Charttechnisch bleiben die nächsten Hürden für den DAX bei 25.900 und 26.089 Punkten markiert, während Unterstützungen im Bereich zwischen 25.612 und 25.280 Punkten liegen. Bleibt der aktuelle Kaufdruck bestehen, hätte laut Marktbeobachtern ein Anstieg Richtung 26.000 Punkte technisch freie Bahn.
In der kommenden Woche liefern überarbeitete globale Einkaufsmanagerindizes und am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht neue Anhaltspunkte. Nach der jüngsten Fed-Entscheidung dürften diese Daten aber weniger Gewicht haben als die weitere Entwicklung der US-Anleiherenditen, die vorerst der eigentliche Risikofaktor für die Rekordjagd bleiben.
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