Zwei Rekordtage, ein Kursrutsch von mehr als 1.000 Punkten, und jetzt die Gegenreaktion. Der DAX zeigt sich am Donnerstag stabiler — die Sorgen um den Nahost-Konflikt sind damit aber keineswegs vom Tisch.
Der deutsche Leitindex startete mit einem Plus von rund 0,8 Prozent bei etwas über 25.000 Punkten und baute die Gewinne im Handelsverlauf leicht ab. Damit bleibt er über der psychologisch wichtigen Marke, nachdem er am Montag mit 25.900 Punkten noch ein neues Allzeithoch markiert hatte. Der MDAX legte deutlicher zu und kletterte um 1,4 Prozent auf knapp 32.000 Zähler.
Iran-Eskalation treibt Ölpreis, Fed beruhigt
Auslöser der Talfahrt seit Mittwoch war die erneute Zuspitzung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die USA bombardierten in einer zweiten Nacht in Folge Dutzende Ziele entlang der iranischen Küste, während Irans Revolutionsgarden nach eigenen Angaben US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain attackierten. Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl weltweit, gilt dabei als Irans stärkstes Druckmittel.
Die Ölpreise sind seit Wochenbeginn um gut zehn Prozent gestiegen — ein Anstieg, der Inflationssorgen und Zinsfantasie gleichermaßen befeuert. Immerhin: Zuletzt kam der Preisauftrieb bei rund 79 Dollar je Barrel zum Stillstand. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank bringt die Stimmungslage auf den Punkt: „Monatelang entwickelte sich der Irankonflikt in eine Richtung, die auf ein diplomatisches Endspiel hindeutete. Die Ereignisse der letzten Tage gehen allerdings in die falsche Richtung.“ Das geopolitische Risiko habe spürbar zugenommen.
Stützend wirkte dagegen das über Nacht veröffentlichte Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung. Die Fed-Mitglieder zeigten sich weitgehend einig, die Zinsen vorerst zu belassen und erst bei nachlassendem Inflationsdruck zu senken — keine Überraschung, aber auch kein Störfeuer für die Märkte. Zusätzlich half die behauptete Tendenz an der Wall Street am Mittwoch.
Charttechnik zeigt Verkaufssignale nach überkaufter Lage
Der Rücksetzer der vergangenen Tage folgte auf eine technisch überkaufte Situation: Am Montag war der Index über das obere Bollinger-Band gestiegen, begleitet von Verkaufssignalen in der Slow Stochastik. Der Rückfall unter den gleitenden 20-Tage-Durchschnitt verstärkte dieses Bild. Die längerfristigen Durchschnitte der letzten 50 und 200 Handelstage senden allerdings weiterhin Kaufsignale — ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleiben könnte.
Als erste Hürde auf dem Weg zurück nach oben gilt die Marke von 25.465 Punkten, gefolgt vom Allzeithoch bei 25.907 Zählern. Nach unten markieren 24.553 und 24.038 Punkte mögliche Auffanglinien. Impulse dürften am Nachmittag von den US-Daten zu Erst- und Folgeanträgen auf Arbeitslosenhilfe kommen — ein weiterer Baustein für die Frage, ob sich die Iran-bedingte Verunsicherung an den Märkten rasch wieder auflöst oder festsetzt.
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