Der deutsche Leitindex hat sich zuletzt etwas erholt — Entspannungssignale im Nahost-Konflikt und eine Beruhigung bei den Anleiherenditen gaben Rückenwind. Von Euphorie will an den Börsen dennoch niemand sprechen. Zu frisch sind die Erinnerungen an die jüngsten Zinsschocks von EZB und Fed.
Nahost-Diplomatie bleibt Wackelkandidat
Der Iran hat laut Medienberichten einen neuen Vorschlag zur Wiederaufnahme der Verhandlungen vorgelegt: Die Straße von Hormus könnte binnen sieben Tagen wieder geöffnet werden, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Aus dem Weißen Haus hieß es dazu lediglich, man führe „positive und konstruktive Gespräche“ über Vermittler.
Marktbeobachter sehen bei beiden Seiten grundsätzliches Interesse an einer Entspannung — mit Blick auf die anstehenden US-Zwischenwahlen im November wächst zugleich der politische Druck, hohe Energiepreise in den Griff zu bekommen.
Ganz ausgestanden ist die Lage damit nicht. Der Iran könnte die Situation für eigene, ambitionierte Forderungen nutzen, die von den USA kaum erfüllt werden dürften. Ob und wann es zu einer echten Einigung kommt, bleibt offen.
Inflationsdaten und Notenbanker im Wochenkalender
An den Ölpreis gekoppelt ist die Inflationsentwicklung — und damit der geldpolitische Kurs der Fed. Nachdem die Notenbank Mitte September erstmals seit über drei Jahren wieder den Leitzins angehoben hat, rechnet eine Mehrheit am Markt für Ende Oktober mit einem weiteren Zinsschritt.
Parallel dazu warnt CMC-Markets-Analyst Andreas Lipkow vor einem Stagflationsrisiko: Hartnäckige Inflation und schwaches Wachstum ließen den Notenbanken kaum Spielraum für unterstützende Geldpolitik.
In der kommenden Woche liefern gleich mehrere Länder frisches Datenmaterial. Für den Euroraum wird ein Anstieg der Verbraucherpreise auf 3,6 Prozent im Jahresvergleich erwartet, für Deutschland auf 3,3 Prozent.
In den USA rechnen Ökonomen beim Arbeitsmarktbericht am Freitag mit lediglich 60.000 neuen Stellen, nach 162.000 im Vormonat — die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,1 Prozent verharren. EZB-Präsidentin Christine Lagarde tritt bereits am Montag vor dem Europaparlament auf, Notenbankerin Isabel Schnabel folgt am Mittwoch.
Wenig Unternehmensnews, viel Makro
Konkrete Firmentermine bleiben in der neuen Woche rar. Hornbach legt am Dienstag den vollständigen Quartalsbericht vor, BMW startet am selben Tag eine zweitägige Kapitalmarktveranstaltung. Aus den USA folgen Micron und Nike zur Wochenmitte beziehungsweise am Donnerstag mit Zahlen, jeweils nach US-Börsenschluss. Am Freitag endet zudem die Prüffrist für die Übernahme von Ceconomy durch JD.com.
Für den DAX dürfte damit weniger die Unternehmenssaison als das Zusammenspiel aus Ölpreis, Zinserwartungen und Inflationsdaten den Ton angeben. Bleibt der Ölpreis stabil und fallen die US-Arbeitsmarktzahlen wie erwartet schwach aus, könnte das den Notenbanken zumindest kurzfristig etwas Spielraum verschaffen.
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