Der DAX zeigt sich robust in einem Umfeld, das eigentlich für Verunsicherung sorgen müsste. Während Anleiherenditen weltweit auf mehrjährige Hochs kletterten und Notenbanken in den USA sowie Japan die Zinsschraube anzogen, bewegte sich der deutsche Leitindex zuletzt stabil im Bereich von rund 25.500 Punkten. Das ist bemerkenswert, denn andere zinssensitive Marktsegmente gerieten deutlich stärker unter Druck.
Konjunkturdaten stützen trotz globalem Gegenwind
Die Woche begann freundlich, verlor zur Mitte aber an Schwung. Steigende Ölpreise und anhaltende Inflationssorgen belasteten zunächst die Stimmung. Die US-Notenbank erhöhte ihren Leitzins erstmals seit Juli 2023 um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, die Bank of Japan zog nach und hob ihren Satz auf 1,25 Prozent an — den höchsten Stand seit rund 31 Jahren.
Trotz dieses restriktiven Zinsumfelds fand der DAX Halt. Verbesserte Konjunkturdaten aus Deutschland wirkten stabilisierend, während die US-Indizes einen Teil ihrer Wochenanfangsgewinne wieder abgaben. Der S&P 500 notierte zuletzt bei rund 7.706 Punkten, der Nasdaq-100 bei etwa 30.470 Punkten — beide auf hohem Niveau, aber mit sichtbarer Schwäche zur Wochenmitte.
Einzelwerte sorgten für Bewegung
Unternehmensseitig lieferte vor allem der Halbleitersektor Impulse. Berichte über mögliche Gespräche zwischen Intel und SK Hynix zu einer gemeinsamen Speicherchip-Produktion in Ohio ließen die Intel-Aktie zeitweise um mehr als fünf Prozent steigen, bevor eine Klarstellung von SK Hynix — es gebe keine verbindlichen Vereinbarungen — einen Teil der Gewinne wieder auffraß.
Aus dem DAX selbst sorgte Infineon für Schlagzeilen. Der Chiphersteller vereinbarte den Verkauf seines Geschäfts mit NOR-Flash- und F-RAM-Speichern an den taiwanischen Konzern Winbond, der Kaufpreis liegt bei rund 1,12 Milliarden Dollar. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Hälfte 2027 erwartet und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
Charttechnisch bewegt sich der Index nach Einschätzung von Elliott-Wellen-Analysten weiterhin in einem langfristigen Aufwärtsimpuls, dessen genaue Zielzonen sich je nach Zählweise deutlich unterscheiden — Ausdehnungsziele reichen bis in den Bereich oberhalb 28.000 Punkte. Solche Projektionen bleiben spekulativ, sie liefern aber ein Bild dafür, wie unterschiedlich der aktuelle Aufwärtstrend interpretiert werden kann.
Für die kommende Woche rückt der Blick auf die US-Notenbank in den Vordergrund: Die am Mittwoch erwarteten PCE-Daten gelten als zentraler Gradmesser für die weitere Zinspolitik der Fed und dürften auch am deutschen Markt für Bewegung sorgen.
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