Ein Kurseinbruch von mehr als 18 Prozent bei einem DAX-Schwergewicht, gleichzeitig ein Leitindex, der sich kaum bewegt — die Berichtssaison zeigt am Donnerstag ihre ganze Zerrissenheit. Während Adidas einen der schwärzesten Handelstage seit Jahren erlebt, hält der DAX seine Marke von 25.500 Punkten mühelos. Der Leitindex gewann am Nachmittag 0,2 Prozent auf 25.515 Zähler und bleibt damit nur wenige Prozent vom Rekordhoch entfernt.
Zahlenreigen zerrt an Einzelwerten
Der eigentliche Kurstreiber ist die laufende Berichtssaison. Nach starken Vorlagen von Microsoft und Meta am Vorabend richten Anleger den Blick auf die europäischen Zahlenvorlagen — mit gemischtem Ergebnis. Adidas bricht wegen unerwartet hoher operativer Kosten ein, trotz robuster Wachstumsdynamik im zweiten Quartal.
Symrise dagegen überzeugt und klettert an die DAX-Spitze, der Duft- und Aromenhersteller bestätigte seine Jahresziele nach einem trägen Start. MTU Aero Engines hob dank eines starken Wartungsgeschäfts die Prognose für den freien Barmittelzufluss leicht an, blieb kursseitig aber nahezu unverändert. Siltronic sprang um elf Prozent, nachdem sich eine Erholung im Wafer-Geschäft andeutete. Knorr-Bremse erhöhte den Jahresausblick, verlor trotzdem 5,8 Prozent — die neuen Mittelfristziele bis 2030 boten Analysten zufolge zu wenig Substanz. Kion und Nemetschek büßten nach ihren Berichten 6,6 beziehungsweise 9,4 Prozent ein.
Inflation zieht an, Wachstum überrascht positiv
Auf der Makroseite liefert der Tag ein widersprüchliches Bild. Die deutschen Verbraucherpreise legten im Juli nach dem Auslaufen des Tankrabatts sprunghaft auf 2,8 Prozent zu. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel sank dagegen leicht von 2,5 auf 2,4 Prozent — für Volkswirte ein Hinweis darauf, dass der zugrunde liegende Preisdruck nachlässt.
Parallel dazu übertraf die deutsche Wirtschaft die Erwartungen: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal um 0,2 Prozent, erwartet worden waren lediglich 0,1 Prozent. Kalenderbereinigt legte die Wirtschaftsleistung im Jahresvergleich um 0,9 Prozent zu. Der robuste Export hielt die Konjunktur trotz gedämpfter Stimmung und der Unsicherheit rund um den Nahost-Konflikt am Laufen.
Fed hält still, Iran-Konflikt bleibt Belastung
Die US-Notenbank beließ ihren Leitzins am Vorabend erwartungsgemäß in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent und vermied jede Festlegung auf den weiteren Kurs. Für den DAX brachte die Entscheidung kaum Impulse, zumal die geopolitische Lage angespannt bleibt: Als Reaktion auf einen iranischen Angriff auf US-Truppen im Nahen Osten griff das US-Militär in der Nacht erneut Ziele im Iran an.
Das jüngste Rekordhoch des Leitindex stammt vom 6. Juli bei 25.900 Punkten. Solange die Berichtssaison ohne größere Ausreißer nach unten verläuft, bleibt dieser Bereich das nächste Ziel — Adidas zeigt an diesem Donnerstag allerdings, wie schnell einzelne Enttäuschungen die Stimmung kippen können.
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