Nachdem der deutsche Leitindex am Freitag mit 26.618,74 Punkten ein neues Allzeithoch markiert hatte, setzten zum Wochenbeginn Gewinnmitnahmen ein. Eine Eskalation im Nahen Osten sowie falkenhafte Signale aus der US-Geldpolitik dämpften die Stimmung am Parkett. Gestern verlor der DAX 1,1 Prozent und schloss bei 26.281,49 Punkten. Trotz dieses Rücksetzers weist der Index seit Jahresbeginn weiterhin eine positive Bilanz von 7,3 Prozent auf.
Geopolitische Risiken treiben den Ölpreis
Die Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran im Persischen Golf belastete das Marktgeschehen maßgeblich. Medienberichten zufolge griff das US-Militär iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak in der Straße von Hormus an.
Der Iran reagierte darauf mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien. Diese militärische Eskalation weckte Sorgen vor einer dauerhaften Beeinträchtigung der globalen Ölversorgung, da die Straße von Hormus eine zentrale Route für den weltweiten Energietransport darstellt.
In der Folge sprang der Preis für die Sorte Brent Rohöl deutlich an und notierte zeitweise bei über 91 US-Dollar pro Barrel. Analysten weisen darauf hin, dass eine geopolitische Risikoprämie von zehn bis zwölf US-Dollar pro Barrel derzeit den Preis stützt. Der Anstieg der Energiekosten wirkt sich unmittelbar auf die Inflationserwartungen aus und verunsichert Investoren, die auf eine baldige Entspannung der Teuerungsraten gehofft hatten.
Geldpolitische Signale und Inflationsdaten im Fokus
Zusätzlicher Druck kam von der Zinsfront. Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte in Jackson Hole, dass das Inflationsziel von zwei Prozent „fest und unverrückbar“ bleibe. Er betonte, dass die Notenbank noch Arbeit vor sich habe, falls sich die Kerninflation nicht eindeutig dem Ziel nähert.
Laut dem CME FedWatch-Tool wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September mittlerweile auf etwa 60 Prozent taxiert. Auch für die Eurozone wird in der kommenden Woche mit einem Zinsschritt der EZB gerechnet.
Gleichzeitig veröffentlichte das Statistische Bundesamt vorläufige Daten zur deutschen Inflation. Die Verbraucherpreise stiegen im August um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Während dieser Wert leicht unter den Analystenerwartungen von 3,0 Prozent lag, trieben vor allem die Energiepreise mit einem Plus von 10,5 Prozent die Teuerung.
Experten der Helaba wiesen darauf hin, dass die Inflation trotz der leichten Beruhigung im Vergleich zum Vormonat auf einem Niveau verharrt, das den Spielraum für Zinssenkungen einschränkt.
Impulse durch Einzelwerte und Konjunkturdaten
Trotz des negativen Gesamttrends gab es bei einzelnen Titeln positive Nachrichten. Das Raumfahrtunternehmen OHB verzeichnete einen deutlichen Kurssprung, nachdem ein Großauftrag für das Satellitenkommunikationssystem IRIS bekannt wurde.
Der Vertrag mit dem Betreiber SES umfasst die Lieferung von 18 Satellitenplattformen und hat ein Volumen von rund einer Milliarde Euro. Parallel dazu stützte Mercedes-Benz den Sektor durch die Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms im Umfang von bis zu einer Milliarde Euro.
Auf der konjunkturellen Ebene lieferte das DIW-Konjunkturbarometer einen Lichtblick. Der Indikator stieg im August auf 96,4 Punkte, was darauf hindeutet, dass die deutsche Wirtschaft langsam wieder Tritt fasst.
Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu, gestützt durch kräftige Auftragseingänge in der Industrie und Höchstwerte bei den Exporten. Dennoch mahnen Ökonomen, dass die geopolitischen Spannungen und die hohen Energiepreise weiterhin signifikante Abwärtsrisiken für die Erholung darstellen.
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