Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der deutsche Leitindex hat am Dienstagnachmittag seine 100-Tage-Linie hinter sich gelassen. Am Montag war er noch zeitweise knapp über 25.500 Punkte geklettert, am Ende aber darunter geblieben. Ein Selbstläufer ist die Erholung dennoch nicht.
Vorsicht vor Fed, EZB und Big Tech
Zum Handelsstart hatten sich die Anleger noch zurückgehalten, der DAX gab zeitweise leicht auf 25.392 Punkte nach. Am Nachmittag drehte er ins Plus und notierte zuletzt bei rund 25.490 Punkten, ein Aufschlag von 0,3 Prozent. Das Umfeld bleibt dünn: Marktbeobachter sprechen von einem Dreiklang aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und fragiler KI-Fantasie.
Die Woche hat es in sich. Am Mittwoch legen Alphabet und Microsoft Zahlen vor, die US-Notenbank Fed entscheidet über die Zinsen. Am Donnerstag folgen Amazon und die EZB, am Freitag die Bank of Japan. „Diese Kombination hat das Potenzial, die Risikobereitschaft der Anleger deutlich zu verändern“, sagt IG-Analyst Salah-Eddine Bouhmidi.
An den Zinsen selbst dürfte sich wenig ändern. Erwartet wird, dass Fed und EZB die Leitzinsen bestätigen. Im Fokus steht daher der Ausblick, denn hohe Energiepreise nähren die Inflationssorgen. Die Rendite der zehnjährigen Benchmarkanleihe und der Ölpreis gaben zuletzt leicht nach, was dem Markt etwas Rückhalt gab.
Mercedes und Beiersdorf belasten, Porsche gefragt
Am Aktienmarkt dominierten die Quartalsberichte. Mercedes-Benz kappte wegen des schwierigen Umfelds in China und höherer Kosten im Schlussquartal die Gewinnziele. Das EBIT soll nun nur noch auf Vorjahresniveau liegen, zuvor war ein deutlicher Anstieg in Aussicht gestellt. Die Aktie schloss als DAX-Schlusslicht mit einem Minus von 3,7 Prozent und nähert sich dem tiefsten Stand seit sechs Jahren.
Beiersdorf verlor rund drei Prozent. Der Umsatz im dritten Quartal blieb stabil, den gesenkten Jahresausblick bestätigte der Konzern. Enttäuscht hat vor allem die Klebstoffsparte Tesa. Ein Analysehaus sieht in der Konsumzurückhaltung ein Warnsignal für die ganze Branche, Henkel gab im Sog leicht nach.
Besser lief es bei Porsche. Die Aktie legte zeitweise 4,7 Prozent zu. Die Profitabilität traf die Erwartungen, der Jahresausblick wurde bestätigt. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einem ordentlichen Quartal. Im Technologiesektor erholten sich zudem Siemens Energy, Infineon und SAP.
Was jetzt zählt
Der Weg über die Trendmarke ist geschafft, ihre Verteidigung steht noch aus. Ein Schlusskurs oberhalb der 100-Tage-Linie nach den Zinsentscheiden am Mittwoch und Donnerstag würde das Signal bestätigen. Enttäuschen die US-Techwerte oder die Notenbanker, könnte der Index schnell wieder unter die Marke von rund 25.500 Punkten rutschen.
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