Während an der Wall Street die Nerven blank liegen, zeigt sich der deutsche Leitindex erstaunlich gelassen. Der DAX behauptet sich über der Marke von 26.000 Punkten und scheint sich von den Turbulenzen jenseits des Atlantiks abzukoppeln. Kein Wunder, dass Anleger das als Stärkezeichen werten – schließlich prasseln derzeit gleich mehrere Unsicherheitsfaktoren auf die Märkte ein.
Konjunkturdaten stützen, Geopolitik belastet
Das Statistische Bundesamt hat das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal von 0,2 auf 0,3 Prozent nach oben revidiert. Ein kleiner, aber wichtiger Baustein für die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung. Der ifo-Geschäftsklimaindex am Vormittag dürfte zeigen, ob sich dieser positive Trend fortsetzt.
Gegenläufig wirkt die zugespitzte Lage rund um den Iran. Die USA haben mit der „Operation Economic Outcast“ eine Sanktionsoffensive gestartet, die Teheran finanziell weitgehend isolieren soll – mehr als 60 Personen, Unternehmen und Schiffe stehen im Visier. Hinzu kommen neue Spannungen zwischen den USA und China durch zusätzliche Strafzölle auf chinesische Produkte.
Die Blockade der Straße von Hormus treibt derweil die Gaspreise nach oben, was laut Marktbeobachtern die Margen energieintensiver Branchen in Europa belasten und den Druck auf die EZB für eine restriktivere Geldpolitik erhöhen könnte.
Drei Termine bestimmen die Woche
Der eigentliche Prüfstein liegt aber woanders: bei den Quartalszahlen von Nvidia am Mittwoch. Im Vorfeld ziehen sich Investoren aus dem Halbleitersektor zurück, was auf Werte wie Infineon drückt. Parallel dazu sorgen die steigenden Renditen am US-Anleihemarkt für Nervosität – sie liegen mittlerweile deutlich über den Dividendenrenditen vieler S&P-500-Unternehmen und werden so zur Belastungsprobe für hoch bewertete Aktienmärkte.
Am Freitag folgt dann der Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanktreffen in Jackson Hole. Verlässliche Signale für die Geldpolitik dürften Marktteilnehmer erst nach dessen Rede erhalten – bis dahin bleibt die Positionierung vorsichtig.
Charttechnisch bewegt sich der DAX aktuell in einer engen Spanne zwischen etwa 26.050 und 26.300 Punkten. Ein Ausbruch über 26.445 Punkte könnte laut technischen Einschätzungen den Weg zu neuen Rekordständen bei rund 27.500 Punkten öffnen.
Bricht der Index dagegen unter die Unterstützung bei 25.900 Punkten, drohe eine Korrektur bis in den Bereich von 25.500 Punkten. Bis Mittwoch dürfte der Index seine Richtungssuche fortsetzen – die Nvidia-Zahlen werden zeigen, ob die Ruhe von Dauer ist.
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