Der DAX startet mit einem kleinen Plus in den Juni — und das trotz neuer Gefechte zwischen den USA und dem Iran über das Wochenende. Dass der Index dabei kaum zuckt, sagt einiges über die aktuelle Marktpsychologie aus.
Hoffnung überwiegt, Ölpreis mahnt
Am Montagmittag notiert der DAX rund 0,3 bis 0,4 Prozent fester, mit Kursen um die 25.195 Punkte. Das Allzeithoch vom 13. Januar bei 25.507 Punkten liegt damit noch rund 300 Punkte entfernt. Zum Vergleich: In der vergangenen Woche war der Index in der Hoffnung auf eine US-Iran-Einigung bis auf 25.438 Punkte vorgedrungen, bevor er sich wieder zurückzog.
Das Wochenende brachte neue Eskalation. Das US-Militär bombardierte eigenen Angaben zufolge Radar- und Drohnenkontrollzentren im Iran, Teheran antwortete mit einem Vergeltungsschlag. Trotzdem überwiegt an den Märkten das Narrativ eines möglichen Friedensabkommens. Marktbeobachter verweisen auf Signale, dass ein Rahmenabkommen zur Verlängerung der seit Anfang April geltenden Waffenruhe in Reichweite liege — was der Markt offenbar bereits teilweise einpreist.
Der Ölpreis gibt allerdings ein anderes Signal: Brent kletterte am Vormittag um mehr als drei Prozent. Ein dauerhaft erhöhter Ölpreis würde die Inflationserwartungen wieder befeuern — und damit den Spielraum der EZB und der Fed einengen.
Technologiewerte stützen, breite Masse schwächelt
Innerhalb des Index zeigt sich ein uneinheitliches Bild. SAP und Infineon führen die Gewinnerliste an, Infineon profitiert von der globalen KI- und Halbleiter-Euphorie. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur treibt auch Siemens Energy und Siemens. Goldman Sachs hat Siemens Energy zudem auf ihre europäische Überzeugungsliste gesetzt und sieht den Konzern als strukturellen Profiteur steigender Strombedarfe durch KI-Rechenzentren.
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Am anderen Ende stehen Rheinmetall, Bayer und HENSOLDT. Letztere verlieren fast vier Prozent — trotz einer optimistischen Prognose für den freien Cashflow in diesem Jahr, die auf beschleunigte Rüstungsbeschaffung in Deutschland zurückgeführt wird. Rüstungswerte als Ganzes kommen damit nach den starken Vormonaten unter Druck.
Was die Woche bringt
Auf der Datenseite richtet sich der Blick auf mehrere Termine: Am Dienstag veröffentlicht die Eurozone Inflationsdaten, bei denen ein Anstieg der Kernrate auf rund 2,4 Prozent erwartet wird. Mittwochabend erscheint das Beige Book der US-Notenbank, das Hinweise auf Preisdruck und Arbeitsmarkttrends liefern wird. Den Abschluss macht der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag — die Erwartungen der Banken reichen von 65.000 bis 100.000 neuen Stellen, nach deutlich stärkeren Vormonaten.
Charttechniker sehen nach wie vor Potenzial. Gelingt dem DAX der Ausbruch über das Allzeithoch, könnte der nächste Aufwärtstrendkanal bei rund 26.700 Punkten das Ziel sein. Scheitert der Index erneut an der Zone zwischen 25.400 und 25.507 Punkten, dürften Gewinnmitnahmen folgen.
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