Ein Rekord jagt den nächsten, und trotzdem zittern die Hände am Verkaufsknopf. Der DAX steuert am Donnerstag erneut auf ein Allzeithoch zu, nachdem er bereits am Dienstag mit 26.391 Punkten auf Schlusskursbasis eine neue Bestmarke gesetzt hatte. Am Morgen legte der Index rund 0,3 bis 0,4 Prozent zu und näherte sich der Marke von 26.440 Punkten.
Die gute Stimmung kommt aus Asien. Der südkoreanische Kospi und der japanische Nikkei 225 blieben auf Erholungskurs, und das strahlt auf den europäischen Handel aus. Hinzu kommt eine Verschnaufpause bei den Ölpreisen — Brent notierte knapp unter 89 Dollar je Barrel, nachdem die Sorgen um die Straße von Hormus zuletzt für Auftrieb gesorgt hatten.
Iran widerspricht Trump
Ganz vom Tisch ist das Risiko allerdings nicht. Der Iran wies über seine neue Behörde für die Meerenge Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zurück, wonach die USA die Kontrolle über die Straße von Hormus hätten. Die Blockade bleibe bestehen, bis die iranischen Bedingungen akzeptiert würden, hieß es. Für die Ölmärkte bleibt das ein Unsicherheitsfaktor, auch wenn der Preis am Donnerstag zunächst nachgab.
Unterstützung für die robuste Stimmung liefern zudem US-Konjunkturdaten. Die Verbraucherpreise vom Vortag hatten die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank gedämpft. Allerdings zeigte sich in den Daten auch eine Schattenseite: Die realen Stundenlöhne in den USA sanken auf Jahressicht um 0,2 Prozent, was auf sinkende Kaufkraft der Konsumenten hindeutet. Am Nachmittag richtet sich der Blick auf die US-Erzeugerpreise, die weiteren Aufschluss über den Inflationstrend geben sollen.
Unternehmenszahlen sorgen für Bewegung
Unter der Oberfläche des Index tut sich einiges. Bei den Einzelwerten ragte am Vortag Adyen mit einem Kurssprung von 11 Prozent nach einer erhöhten Umsatzprognose heraus, während Grenke nach durchwachsenen Risikovorsorge-Zahlen 3,4 Prozent verlor. Auch RWE (+1,2 Prozent) und Thyssenkrupp (+1,1 Prozent) bewegten sich nach Geschäftszahlen leicht nach oben.
Charttechnisch bleibt das übergeordnete Bild bullisch, auch wenn kurzfristige Rücksetzer nicht ausgeschlossen sind. Nach dem Rekordversuch bei knapp 26.600 Punkten am Vortag, der wieder abverkauft wurde, könnte sich am Donnerstag ein ähnliches Muster wiederholen — Käufer testen die Bestmarke, ohne sie nachhaltig zu verteidigen. Zusätzlich tritt im SDAX eine Indexänderung in Kraft: Der Raumfahrtkonzern OHB ersetzt den nach der Übernahme durch Worthington Steel von der Börse genommenen Stahlhändler Klöckner & Co.
Für die kommenden Handelstage bleibt die Straße von Hormus der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Bricht der Ölpreis wegen einer Eskalation nach oben aus, dürfte das die Rekordserie schneller stoppen als jede Gewinnmitnahme der vergangenen Tage.
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