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DAX-Rekordhoch: Merck und Commerzbank glänzen, FMC stürzt ab

DAX erreicht neues Allzeithoch bei 26.266 Punkten. Während Merck und Commerzbank zulegen, brechen FMC und Adidas trotz teils solider Zahlen ein.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • DAX erreicht neues Allzeithoch
  • Merck und Commerzbank legen kräftig zu
  • FMC stürzt trotz starker Zahlen ab
  • Infineon vor Quartalszahlen im Fokus

Der DAX markiert neue Bestmarken – und trotzdem trennen sich an diesem Dienstag die Wege einzelner Schwergewichte drastisch. Während Pharma- und Finanzwerte kräftig zulegen, brechen ausgerechnet Unternehmen mit soliden Zahlen ein. Die Berichtssaison sorgt für ein Bild voller Widersprüche.

Der Leitindex kletterte am Vormittag auf ein neues Allzeithoch von 26.266 Punkten und notiert am Mittag rund 0,7 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs. Von breiter Euphorie ist trotzdem wenig zu spüren. Anleger positionieren sich selektiv, je nachdem, welche Quartalszahlen gerade auf dem Tisch liegen. Das Ergebnis: ein DAX, der als Ganzes Rekorde feiert, während einzelne Mitglieder deutlich unter die Räder kommen.

Merck: Life-Science-Sparte treibt Erholung fort

Merck gehört heute mit einem Plus zu den stärksten Werten im Index und setzt damit einen bereits seit Wochen laufenden Aufwärtstrend fort. Die Aktie notiert aktuell bei 145,95 Euro und liegt damit rund 5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Der Auslöser der Rally liegt einige Wochen zurück: Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern hatte im Mai mit überraschend starken Quartalszahlen überrascht und die Jahresziele angehoben. Verantwortlich dafür war vor allem die Dynamik im Life-Science-Geschäft, das deutlich über den Erwartungen lag. Seither hat sich der Kurs kontinuierlich nach oben gearbeitet und gilt bei vielen Anlegern inzwischen als attraktiv bewertetes defensives Investment innerhalb des Index. Der grundsätzliche Aufwärtstrend seit dem Jahrestief bleibt intakt und wird von der positiven Gesamtmarktstimmung zusätzlich gestützt.

Infineon: Chip-Rally vor den eigenen Zahlen

Der Chiphersteller aus Neubiberg profitiert von einer branchenweiten Erholung, die durch spektakuläre Ergebnisse der US-Speicherchip-Riesen ausgelöst wurde. Samsung Electronics meldete Rekordumsätze bei DRAM- und NAND-Speichern, Micron Technology übertraf mit seinem Gewinn pro Aktie die Konsensschätzung deutlich. Der gesamte Sektor zog daraufhin nach oben.

Heute kommt zusätzlicher Rückenwind vom US-Konkurrenten On Semiconductor, der ebenfalls Umsatz- und Gewinnerwartungen übertraf und damit die branchenweite Nachfragestärke im Rechenzentrumsgeschäft bestätigt. Infineon selbst steht kurz vor der Veröffentlichung eigener Quartalszahlen am morgigen 5. August. Die Konsensschätzung für den Gewinn pro Aktie wurde in den vergangenen drei Monaten bereits sechsmal nach oben korrigiert, JPMorgan bekräftigte zuletzt seine Kaufempfehlung. Trotz der Erholung der letzten Handelstage bleibt die Aktie technisch angeschlagen – sie notiert weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Die morgigen Zahlen dürften darüber entscheiden, ob sich die Rally fortsetzt oder die jüngste Schwächephase zurückkehrt.

Commerzbank: Rückenwind vor dem Quartalsbericht

Die Commerzbank-Aktie profitiert von der insgesamt guten Stimmung im europäischen Bankensektor und der Vorfreude auf die anstehende Berichterstattung. Der Kurs bewegt sich mit 39,52 Euro nah an seinem 52-Wochen-Hoch, das erst kürzlich markiert wurde.

Fundamental steht das Institut nach Jahren der Restrukturierung so gut da wie lange nicht mehr. Im ersten Quartal hatte die Bank mit einem Nettogewinn von 913 Millionen Euro überzeugt, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Daraufhin hob das Management die Jahresprognose für den Nettogewinn von zuvor über 3,2 Milliarden Euro auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Der gescheiterte Übernahmeversuch durch die italienische UniCredit sorgt zusätzlich für Rückenwind, da die Eigenständigkeit der Bank nun als gesichert gilt. Am Donnerstag legt das Institut seine Zahlen zum zweiten Quartal vor – bis dahin dürfte die Volatilität in der Aktie erhöht bleiben.

Fresenius Medical Care: Gute Zahlen, misstrauische Anleger

Der größte Verlierer im heutigen Handel ist paradoxerweise ein Unternehmen, das eigentlich mit guten Ergebnissen aufwarten konnte. Die Aktie brach um 5,86 Prozent auf 41,42 Euro ein, nachdem der Dialysespezialist dank Sparprogramm, höheren Vergütungen und einer Sondererstattung in den USA im zweiten Quartal überraschend viel verdient hatte.

An der Börse überwogen dennoch die Sorgen über enttäuschende Behandlungszahlen in den USA. Ein UBS-Analyst brachte den Kern des Problems auf den Punkt: Das Quartal sei zwar stark ausgefallen, habe aber erheblich von befristeten US-Vergütungsregeln für neue Dialysemedikamente profitiert. Die Sorge der Anleger richtet sich damit weniger auf das aktuelle Zahlenwerk als auf die Nachhaltigkeit des Wachstums, sobald diese Sondereffekte auslaufen.

Das Unternehmen bestätigte immerhin seine Jahresziele mit einem stabilen Umsatz und einem erwarteten Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses im mittleren einstelligen Prozentbereich. Ein angekündigter Führungswechsel im Klinikgeschäft sorgt jedoch für zusätzliche Unsicherheit. Das laufende Spar- und Umbauprogramm zeigt zwar Fortschritte, kann die kurzfristige Verunsicherung der Anleger aber nicht auffangen.

Adidas: Margendruck wirkt nach

Auch Adidas leidet unter den Nachwirkungen enttäuschender Quartalszahlen, die bereits vor einigen Tagen für einen massiven Kurseinbruch gesorgt hatten. Der Titel gibt heute um 2,57 Prozent nach und notiert bei 160,85 Euro – rund 13 Prozent unter dem Niveau vor 30 Tagen.

Ende Juli hatte der Sportartikelhersteller trotz eines Rekordumsatzes die Anleger enttäuscht. Das Problem lag auf der Kostenseite: Die operative Marge fiel spürbar, während sich das Betriebsergebnis nur unterproportional verbesserte. Verantwortlich dafür waren höhere Kosten für Fracht, Beschaffung und US-Zölle sowie stark erhöhte Marketingausgaben im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft. Die Aktie war damals zeitweise um bis zu 17 Prozent eingebrochen. Zwar konnte sich der Titel in den vergangenen Handelstagen etwas erholen, doch die heutige erneute Schwäche zeigt, dass die Verunsicherung anhält. Bernstein bekräftigte dennoch seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 245 Euro – ein Hinweis darauf, dass die Diskussion um die Margenentwicklung noch nicht ausgestanden ist.

Continental: Gewinnmitnahmen nach der Rally

Continental zählt heute zu den schwächeren Werten im Index, obwohl der Reifenhersteller operativ überzeugen konnte. Die Aktie gibt um 1,58 Prozent nach und notiert bei 70,94 Euro, nahe ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Im heute veröffentlichten Halbjahresbericht zeigte sich eine deutliche Profitabilitätssteigerung im Reifengeschäft, getragen von robuster Nachfrage nach Premium-Produkten und anhaltender Kostendisziplin. Das bereinigte EBIT kletterte kräftig und übertraf die Analystenerwartungen ebenso wie die operative Marge. Der Umsatzrückgang ist dabei kein operatives Warnsignal, sondern Folge des im Februar vollzogenen Verkaufs des Geschäftsfelds Original Equipment Solutions.

Der heutige Kursrückgang lässt sich eher als Gewinnmitnahme nach der starken Rally der vergangenen Wochen interpretieren, die durch den milliardenschweren ContiTech-Verkauf an Lone Star Funds ausgelöst wurde und die Aktie zuvor auf ein Jahreshoch trieb. Anleger warten nun auf konkretere Aussagen zur angepassten Jahresprognose, die im Zuge des Konzernumbaus zur reinen Reifenfirma noch aussteht.

Sektordynamik: Was den Index heute bewegt

Die Kursausschläge im DAX lassen sich derzeit auf wenige, klar erkennbare Muster zurückführen:

  • Sondereffekte als Stolperstein: Bei Fresenius Medical Care überschatten Fragen zur Nachhaltigkeit befristeter US-Vergütungsregeln ein eigentlich starkes Quartal.
  • Kostenseite entscheidet: Adidas liefert Rekordumsätze, scheitert an der Börse aber an schrumpfenden Margen durch Fracht-, Beschaffungs- und Zollkosten.
  • Gewinnmitnahmen nach Rallys: Continental und teilweise auch Infineon zeigen, dass starke Vorlaufbewegungen kurzfristig zu Konsolidierung führen können.
  • Vorfreude auf Termine: Commerzbank und Infineon profitieren von hohen Erwartungen an ihre bevorstehenden Berichte.
  • Sektor-Sog: Chip-Werte wie Infineon ziehen von positiven Überraschungen bei internationalen Wettbewerbern Nutzen.

Ausblick: Terminkalender entscheidet über die nächsten Tage

Der heutige Handelstag zeigt, wie stark der DAX derzeit von der laufenden Berichtssaison geprägt wird – mit teils widersprüchlichen Reaktionen selbst auf grundsätzlich solide Zahlen, wie die Beispiele Fresenius Medical Care und Continental verdeutlichen. Einzeltitel-Selektion dürfte in den kommenden Wochen weiter an Bedeutung gewinnen, während der Gesamtindex trotz fehlender breiter Euphorie seinen Rekordkurs fortsetzt.

Mit den Quartalszahlen von Infineon am morgigen Mittwoch und der Commerzbank am Donnerstag stehen bereits die nächsten möglichen Kurstreiber bevor. Wer die aktuelle Marktphase verfolgt, sollte besonders auf die Nachhaltigkeit von Sondereffekten achten – wie im Fall von Fresenius Medical Care – und nicht allein auf oberflächliche Prozentzahlen schauen.

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Dr. Robert Sasse

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Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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