Ein abgesagter Militärschlag reicht offenbar, um den deutschen Leitindex auf ein neues Allzeithoch zu katapultieren. Der DAX kletterte am Montag erstmals über die Marke von 26.000 Punkten und markierte im Tageshoch rund 26.029 Zähler. Der Auslöser kam nicht aus Frankfurt, sondern aus Washington.
Trump rudert zurück, Öl fällt kräftig
US-Präsident Donald Trump hat einen offenbar geplanten Großangriff auf den Iran über das Wochenende abgesagt und stattdessen von „Rahmenbedingungen für einen Deal“ gesprochen. Die Tonlage war deutlich weicher als in den Wochen zuvor. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sollen laut Ankündigung noch am Montagnachmittag stattfinden, Details zu Ort und Teilnehmern blieben zunächst offen.
Die Ölmärkte reagierten prompt: Brent-Rohöl verlor rund 5 Prozent und rutschte auf etwa 83 Dollar je Fass. Sinkende Energiepreise dämpfen die Inflationssorgen und nehmen Druck von den Notenbanken, die Leitzinsen weiter anzuheben. Genau das kam dem DAX zugute, der mit seinem Schwerpunkt auf zyklische Industriewerte besonders sensibel auf die Ölpreis-Entwicklung reagiert.
Hinzu kommt Rückenwind von der Berichtssaison. Nach überwiegend soliden Zahlen großer US-Technologiekonzerne hat sich das Vertrauen in KI-Investitionen zuletzt gefestigt, was auch europäischen Standardwerten half. Die DZ Bank sieht den Aufwärtstrend im DAX deshalb als intakt an und hält 27.500 Punkte zum Jahresende für erreichbar — vorausgesetzt, es bleibt bei der geopolitischen Entspannung und die Gewinnschätzungen bestätigen sich.
Rüstung und SAP gefragt, Beiersdorf unter Druck
Unter den Einzelwerten liefen Rüstungsaktien besonders gut: Hensoldt gewann rund 7,7 Prozent, Rheinmetall zog um 3,8 Prozent an. SAP legte nach starken Cloud-Zahlen von Amazon und Microsoft um 4,6 Prozent zu. Deutsche Telekom stieg um 4,3 Prozent, obwohl Berichte über mögliches Scheitern einer Fusion mit der US-Tochter T-Mobile die Runde machten.
Gegen den Trend musste Beiersdorf nach einer Prognosesenkung 3,3 Prozent abgeben. Der Konzern rechnet nun mit rückläufigem Umsatz im niedrigen einstelligen Prozentbereich und einer EBIT-Marge von mindestens 11,8 Prozent — deutlich unter dem bisherigen Konsens von 13,3 Prozent. Zurückhaltender zeigten sich auch Ausrüster von KI-Rechenzentren wie Siemens Energy, deren Aktie leicht nachgab. Anleger warten hier auf die Quartalszahlen am Mittwoch.
Die Berichtssaison bleibt in dieser Woche der zentrale Taktgeber: Rund die Hälfte der DAX-Konzerne legt Zahlen vor, den Auftakt machen am Dienstag Bayer, Continental, Fresenius Medical Care und Zalando.
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