Die 26.000-Punkte-Schwelle bleibt ein hartes Pflaster für den deutschen Leitindex. Zur Handelsmitte notiert der DAX bei 25.916 Punkten, ein Minus von 0,4 Prozent. Auslöser ist ausgerechnet ein Rohstoff, der in den vergangenen Wochen aus dem Fokus geraten war.
Öl treibt die Nervosität
Brent-Rohöl nähert sich der runden Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Händler machen dafür Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien verantwortlich — Riad hat daraufhin die Förderung in mehreren Anlagen nahe der Grenze zum Jemen gestoppt. Auch der Preis für US-Öl WTI und der europäische Gaspreis ziehen kräftig an.
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hält laut Marktbeobachtern die Inflationssorgen wach. Das dürfte dazu führen, dass die Märkte höhere Zinsen für längere Zeit einpreisen — der Ölpreis fungiert damit einmal mehr als Fieberthermometer für die Aktienmärkte. Parallel dazu wächst die Zurückhaltung vor dem EZB-Zinsentscheid am Donnerstag, bei dem eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent inzwischen weitgehend als eingepreist gilt.
Zur Belastung kommt politische Unsicherheit hinzu: Ein historischer Wahlerfolg der AfD bei einer Landtagswahl sorgt für zusätzliche Nervosität im Markt. Der MDAX hält sich mit 32.425 Punkten dagegen moderat im Plus, der EuroStoxx 50 gibt um 0,2 Prozent nach.
Fresenius trotzt dem Trend
Während der Gesamtmarkt schwächelt, sticht ein Wert klar heraus: Fresenius-Aktien legen um rund vier Prozent zu und führen den DAX an. Die UBS hat die Papiere mit einem Kursziel von 56 Euro zum Kauf empfohlen — Analyst Graham Doyle hält die Sorgen um das US-Geschäft mit dem Biosimilar Tyenne für überzogen und kalkuliert die Belastung für das operative Konzernergebnis auf lediglich 0,3 Prozent. Er sieht in der jüngsten Schwäche eine Einstiegschance und verweist auf die defensiven Qualitäten des Medizinkonzerns.
Bei Infineon geht es dagegen nach einer Abstufung durch Morgan Stanley um fast vier Prozent nach unten — die Experten sehen kaum noch Auftrieb für die Markterwartungen im Chipsektor. Kaufempfehlungen der Citigroup verhelfen dagegen Kion und Nordex zu Kursgewinnen, Kion avanciert mit einem Plus von fast sieben Prozent zum größten Gewinner im MDAX.
Der DAX hatte am 28. August erst sein Allzeithoch markiert, auf Schlusskursbasis bei 26.569,99 Punkten. Seit Jahresbeginn steht damit nur noch ein Plus von gut drei Prozent — im Vergleich zu den großen europäischen Indizes eine der schwächeren Bilanzen. Ob sich das bis Jahresende ändert, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Lage am Ölmarkt in den kommenden Wochen entwickelt.
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