Der DAX versucht sich am letzten Handelstag der Woche an einer Stabilisierung – viel mehr als ein zaghafter Erholungsversuch ist es allerdings nicht. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Tage notiert der Leitindex am Vormittag rund 0,2 bis 0,3 Prozent im Plus bei etwa 25.400 Punkten. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von rund 2,4 Prozent stehen, und vom Rekordhoch Ende August bei 26.618,74 Punkten ist der Index weit entfernt.
Der Grund für die Nervosität sitzt im Nahen Osten. Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus und Gefechte zwischen jemenitischen Huthi-Milizen und saudisch unterstützten Kräften hatten den Brent-Preis in der Nacht bis nahe an die Marke von 110 Dollar getrieben.
Am Freitagvormittag gab er wieder nach, in Richtung 105 bis 106 Dollar – eine Verschnaufpause, keine Entwarnung. Die Kontrolle der Huthi-Rebellen über Teile der Meerenge Bab el-Mandeb sorgt weiter für Sorge um die globale Energieversorgung.
Zinsentscheidungen im Schatten des Ölpreises
Die Europäische Zentralbank hatte tags zuvor mit ihrer zweiten Zinserhöhung des Jahres auf den Ölpreisschock reagiert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach erstmals davon, dass die Inflation über einen „ausgedehnten Zeitraum“ oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels bleiben dürfte – der Markt preist inzwischen mehr als einen weiteren Zinsschritt bis Jahresende ein.
Nun richtet sich der Blick auf die USA. Die am Nachmittag erwarteten Verbraucherpreisdaten für August gelten als letzter wichtiger Indikator vor der Fed-Sitzung kommende Woche. Der Markt preist eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent ein, nachdem sich bereits die Erzeugerpreise beschleunigt hatten.
Einzelwerte zwischen Ausreißern
Im Index selbst sorgten vor allem Unternehmensmeldungen für Bewegung. SAP gab trotz starker Cloud-Zahlen von Oracle erneut nach, während GEA von einer Hochstufung der Investmentbank Barclays profitierte – die Analysten erhöhten das Kursziel von 70 auf 78 Euro und begründeten dies mit dem stabilen Servicegeschäft sowie einer im Branchenvergleich günstigen Bewertung.
Puma verlor nach dem angekündigten Abgang des Vertriebsvorstands, und die MDax-Werte United Internet, 1&1 und IONOS gerieten wegen angekündigter Restrukturierungsprogramme unter Druck.
Der entscheidende Impuls für den Handelsverlauf dürfte aber erst am Nachmittag kommen. Fallen die US-Inflationsdaten schwächer aus als die erwarteten 0,4 Prozent im Monatsvergleich, könnte sich die Erholung des DAX fortsetzen. Ein Wert darüber würde die Zinssorgen neu befeuern – und den Ölpreis endgültig zum bestimmenden Faktor der Woche machen.
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