Der DAX kommt aus dem Rhythmus. Nach drei Rekordtagen in Folge und einem Allzeithoch bei 25.900 Punkten am Montag ging es am Mittwoch kurz nach Handelsstart um 1,1 Prozent auf 25.194 Zähler abwärts. Noch deutlicher traf es den MDAX, der 1,5 Prozent auf 32.127 Punkte verlor.
Zwei Belastungsfaktoren kommen zusammen. Zum einen setzt sich die Schwäche bei KI-Aktien fort, die bereits am Dienstag für Gewinnmitnahmen gesorgt hatte. Der südkoreanische KOSPI, zuletzt Symbolfigur der KI-Rally, brach binnen zweier Handelstage um mehr als 5 Prozent ein und markiert damit den tiefsten Stand seit Mitte Mai. Auch der US-Halbleiterindex SOX kämpfte zuletzt nur mit Mühe um seine 50-Tage-Linie.
Iran-Konflikt flammt wieder auf
Zum anderen sorgt die Lage im Nahen Osten für neue Nervosität. Nach Angriffen des Iran auf mehrere Tanker in der Straße von Hormus reagierte das US-Militär mit Gegenschlägen auf iranische Ziele. Die USA setzten zudem die Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft — steigende Ölpreise sind die unmittelbare Folge.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht darin keine grundsätzliche Abkehr vom Friedensprozess, wohl aber „eine Entwicklung in die falsche Richtung“. Die Unsicherheit komme zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Gerade hatten die Märkte begonnen, geopolitische Risiken und die damit verbundenen Inflationssorgen auszupreisen.
Dünner Terminkalender verstärkt die Nervosität
Hinzu kommt die Jahreszeit selbst. Mit fortschreitender Sommerpause fehlt es laut Stanzl an triftigen Kaufargumenten — der Terminkalender ist derzeit vergleichsweise leer. Charttechniker hatten bereits vor dem jüngsten Rücksetzer vor einem überkauften Markt gewarnt, während Stanzl auf die zuletzt schwachen Handelsumsätze verwies.
Positive Einzelmeldungen können die Stimmung derzeit kaum drehen. Der Logistikkonzern DHL hob am Dienstag seine Jahresprognose an und rechnet nun mit einem operativen Ergebnis von mehr als 6,5 Milliarden Euro statt zuvor 6,2 Milliarden Euro — das Quartalsergebnis war im Jahresvergleich um 29 Prozent gestiegen. Die Aktie reagierte mit einem moderaten Plus, konnte den Gesamtmarkt aber nicht stützen.
Ob der DAX die Marke von 25.000 Punkten als Unterstützung verteidigt, dürfte in den kommenden Handelstagen maßgeblich von der Entwicklung in der Straße von Hormus und der Reaktion der Ölpreise abhängen. Ein Abklingen der Spannungen könnte die Rekordjagd rasch wieder aufleben lassen.
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