Drei Belastungsfaktoren auf einmal — und der DAX hält dennoch stand. Das sagt einiges über die aktuelle Verfassung des deutschen Leitindex.
Zum Handelsauftakt am Mittwoch bewegte sich der DAX in einem engen Korridor knapp über der 24.400er-Marke. Die Richtung bleibt offen — aus gutem Grund.
Technologie unter Druck, Zinsfantasien schwinden
Bereits am Dienstagabend in New York gerieten KI-Profiteure und Tech-Titel erneut unter Verkaufsdruck. Vor mehreren ausstehenden Mega-Börsengängen hinterfragen Investoren die Bewertungen des Sektors zunehmend kritisch. Das Stimmungsbild zog sich durch die asiatischen Märkte — Japan, Taiwan und Südkorea verzeichneten Kursverluste. In Frankfurt belasten die Tech-Sorgen vor allem SAP, das am Mittwoch zu den schwächsten DAX-Werten zählte.
Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl bringt das Dilemma auf den Punkt: Die Erwartung steigender Leitzinsen in der Eurozone schmälere die Attraktivität von Technologieaktien und setze zyklische, exportabhängige Titel gleichermaßen unter Druck. Seit den starken US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag läuft der globale Aktienmarkt von der Zinsseite her bergab.
Iran-Krieg eskaliert, Öl gibt trotzdem nach
Parallel dazu verschärften sich die Spannungen im Nahen Osten erneut. Das US-Militär bombardierte nach dem Abschuss eines Hubschraubers Luftabwehranlagen im Bereich der Straße von Hormus. Teheran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golfregion und Jordanien, Kuwaits Luftabwehr war im Einsatz. Trotzdem verlor Brent-Rohöl leicht an Wert — ein Zeichen, dass Märkte die Eskalation bislang nicht als Versorgungsrisiko einpreisen. Das dämpft zumindest einen Teil der Inflationssorgen.
US-Verbraucherpreise als Weichensteller
Der eigentliche Prüfstein kommt am Nachmittag: die US-Inflationsdaten für Mai. Ökonomen rechnen mit einem Anstieg auf 4,2 Prozent — das wäre der stärkste Preisauftrieb seit mehr als zwei Jahren. Thomas Altmann von QC Partners warnt, eine negative Überraschung könnte Spekulationen über Zinserhöhungen weiter anheizen und den Druck auf die Fed erhöhen, ihre Präferenz für baldige Zinssenkungen aufzugeben.
Vom Allzeithoch bei gut 25.500 Punkten aus dem Januar trennen den DAX derzeit rund 1.000 Zähler. Ob der Abstand bis zum Jahresende schrumpft, hängt maßgeblich davon ab, welche Botschaft die Inflationsdaten heute Nachmittag liefern — und wie die Fed in der kommenden Woche reagiert.
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