Der DAX startet erholt in den Dienstag. Nach dem turbulenten Montag — einer Tagesspanne von rund 400 Punkten rund um die 25.000er-Marke — notiert der Leitindex gegen Mittag bei etwa 25.260 Punkten, knapp ein Prozent über dem Vortagesschluss.
KI treibt, Geopolitik bremst
Der stärkste Kurstreiber des Tages kommt aus dem Chip-Sektor. Infineon-Aktien klettern um rund 6,5 Prozent auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 — getrieben von der KI-Euphorie, die zuletzt auch den US-Markt auf Rekordniveau gehoben hat. Auslöser war die Ankündigung des niederländischen Chipkonzerns STMicroelectronics, sein Umsatzziel für das Rechenzentrumsgeschäft nach oben zu schrauben. Infineon hat damit in diesem Jahr bereits rund 127 Prozent an Wert gewonnen.
Marktanalyst Timo Emden bringt das Dilemma des deutschen Marktes auf den Punkt: Während die KI-Fantasie an der Wall Street Anleger regelrecht elektrisiere, überwiege diesseits des Atlantiks die Skepsis. Ein vergleichbares Zukunftsthema fehle dem DAX.
Bayer unter Druck, DHL im Aufwind
Das Schlusslicht des Tages ist Bayer mit einem Minus von rund 5,5 Prozent. Hintergrund: Die Zuständigkeit für den Widerstand gegen den Glyphosat-Vergleich in den USA ist von einem Bundesgericht in Missouri zu einem Gericht in Kalifornien gewandert. Dort sitzt Bundesrichter Vince Chhabria — bekannt als ausgesprochener Kritiker der Vergleichsstrategie des Leverkusener Konzerns.
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Positiv sticht DHL Group heraus, plus 3,0 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch. Kepler Cheuvreux sprach eine Kaufempfehlung aus und argumentiert, der Markt unterschätze das Gewinnpotenzial im Expressgeschäft.
Nahost bleibt das Hauptrisiko
Trotz der freundlichen Stimmung ist die Nervosität nicht weg. US-Präsident Trump bestätigte zwar laufende Gespräche mit dem Iran und erklärte, Israel und Hisbollah zu einer Deeskalation gebracht zu haben. Fortschritte in Richtung einer dauerhaften Friedensvereinbarung bleiben aber aus. Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht den DAX zwar in einer „bullischen Flagge“ kurz vor dem Rekordhoch — betont aber: Die Straße von Hormus und ihr möglicher Wiedereröffnungszeitpunkt bleiben das zentrale Risiko für die Weltwirtschaft.
Hinzu kommt ein makroökonomischer Gegenwind: Die Eurozone-Inflation stieg im Mai auf 3,2 Prozent und liegt damit deutlich über dem EZB-Ziel. Marktbeobachter rechnen nun fest damit, dass die EZB bei ihrer Sitzung nächste Woche den Leitzins um 25 Basispunkte anheben wird — ein Szenario, das Risikoassets traditionell belastet.
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