Vier Verlusttage in Folge, dann die Kehrtwende: Der DAX schließt den Freitagshandel mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 26.130 Punkten. Die Erholung wirkt zerbrechlich. Auf Wochensicht steht trotzdem ein Minus von 1,2 Prozent zu Buche.
Getragen wurde die Freitags-Rally von einer leichten Entspannung am Anleihemarkt. Positive Signale von der Wall Street halfen zusätzlich. Das Handelsvolumen blieb aber unter dem Durchschnitt der vergangenen 30 Tage. Das deutet auf sommerliche Zurückhaltung hin, nicht auf einen breiten Kaufimpuls.
Erholung ohne Überzeugung
Die Sitzung begann verhalten. Der Index pendelte zunächst um die runde Marke von 26.000 Punkten. Erst am Nachmittag setzten verstärkt Käufe ein, nachdem US-Konjunkturdaten die Sorgen vor weiter steigenden Anleiherenditen dämpften.
Zum bisherigen Rekordhoch fehlen dem DAX aktuell 1,7 Prozent. Das Hoch stammt vom 12. August. Der Index bewegt sich damit weiterhin in Reichweite seiner Bestmarke, auch wenn die vergangene Woche gezeigt hat, wie schnell dieser Abstand wieder wachsen kann.
Deutsche Börse an der Spitze, Pharma und Luftfahrt unter Druck
Innerhalb des Index gab es am Freitag klare Gewinner und Verlierer. Die Aktie der Deutschen Börse legte um 1,11 Prozent zu und markierte ein neues 52-Wochen-Hoch bei 282,70 Euro. Analysten erklärten die Stärke mit der robusten Positionierung des Marktplatzbetreibers in volatilen Marktphasen.
Siemens und SAP stützten den Index ebenfalls, mit moderaten Zugewinnen zwischen 0,6 und 0,8 Prozent. Am unteren Ende der Kursliste fanden sich Gesundheits- und Luftfahrtwerte. Qiagen verlor 1,75 Prozent. MTU Aero Engines gab um 1,31 Prozent nach. Auch Bayer konnte sich dem negativen Pharma-Trend nicht entziehen und schloss 1,25 Prozent leichter.
Charttechnik bleibt angespannt
Die runde Marke von 26.000 Punkten bleibt für den DAX die entscheidende Verteidigungslinie. Rutscht der Index in der kommenden Woche darunter, drohen weitere Abgaben. Ein stabiler Verbleib oberhalb dieses Niveaus wäre dagegen die Voraussetzung für einen erneuten Angriff auf das Allzeithoch.
Die technische Lage bleibt damit zweigeteilt. Kurzfristige Erholungssignale stehen einer fragilen Gesamtstimmung gegenüber, die sich schon in der Wochenbilanz zeigt.
Konjunkturdaten und Unternehmenstermine im Blick
Die kommende Handelswoche steht im Zeichen deutscher Konjunkturdaten. Am Montag veröffentlicht die Bundesbank ihren Monatsbericht mit neuen Hinweisen zu den Inflationserwartungen.
Der Dienstag dürfte für DAX-Anleger der wichtigste Tag werden:
- 08:00 Uhr: Zweite Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal 2026. Erwartet wird eine Bestätigung der bisherigen Wachstumssignale.
- 10:00 Uhr: Das ifo-Geschäftsklima für August zeigt, wie die deutsche Industrie auf den jüngsten Kostenschock reagiert.
- Montag: Außerordentliche Hauptversammlung von Deutz.
- Dienstag: Betriebsversammlung von Volkswagen. Konzernchef Oliver Blume will Details zu weiteren Sparmaßnahmen erläutern.
- Dienstag: Quartalszahlen von Dermapharm sowie nachbörslich Berichte von Zoom Video und Intuit in den USA.
Besonders die VW-Betriebsversammlung dürfte Beachtung finden. Blume steht unter Druck, den angekündigten Sparkurs mit konkreten Maßnahmen zu unterlegen. Die ifo-Zahlen am selben Tag könnten zusätzlich zeigen, ob sich die deutsche Industrie von den zuletzt gestiegenen Kosten erholt.
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