Der Pfingstmontag bringt dem DAX gleich zwei Rückenwindfaktoren auf einmal: sinkende Ölpreise und ein neues Gesicht an der Spitze der US-Notenbank. Der Index kletterte am Nachmittag auf rund 25.279 Punkte — das höchste Niveau seit unmittelbar vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar.
Hormus-Hoffnung drückt Brent unter 100 Dollar
Treiber Nummer eins ist die Erwartung eines nahenden Waffenstillstands im Iran-Konflikt. US-Präsident Trump schrieb am Wochenende, ein Rahmenabkommen mit Teheran sei „weitgehend“ ausgehandelt — inklusive einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus für die Handelsschifffahrt. Die Nordsee-Ölsorte Brent rutschte in der Folge um rund 5,5 Prozent auf unter 100 Dollar je Barrel.
Vollständige Entwarnung geben die Märkte allerdings noch nicht. Konkrete Einigung beim iranischen Atomwaffenprogramm fehlt bislang, und Trump selbst mahnte zur Geduld: „Es darf keine Fehler geben.“ Marktanalyst Timo Emden warnte, zu oft hätten sich vermeintliche Fortschritte als kurzlebig erwiesen.
Profiteure des Stimmungswandels sind vor allem zyklische Sektoren. MTU Aero Engines führte die DAX-Liste mit einem Plus von rund 6 Prozent an, Airbus legten knapp über 3 Prozent zu. Auch Lufthansa und TUI profitierten im MDAX deutlich.
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Warsh übernimmt die Fed
Parallel dazu trat Kevin Warsh offiziell das Amt des Fed-Vorsitzenden an. Der 56-Jährige wurde im Weißen Haus von Donald Trump vereidigt — als Nachfolger von Jerome Powell, der als einfaches Board-Mitglied bleibt. Warsh kündigte eine reformorientierte Agenda an, zeigte sich offen für Zinssenkungen und will die Fed-Bilanz deutlich verkürzen.
Der Führungswechsel fällt in ein inflationäres Umfeld: Die US-Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent, unter anderem wegen gestiegener Energiepreise infolge des Kriegs. Sinken die Ölpreise nachhaltig, könnte das den Inflationsdruck abschwächen — und Warsh damit früher Spielraum für Lockerungen geben.
Der heutige US-Feiertag Memorial Day sorgte für dünnen Handel ohne Wall-Street-Impulse. Das DAX-Allzeithoch von 25.507 Punkten, markiert am 13. Januar dieses Jahres, liegt nur noch rund 230 Punkte entfernt. Ob es im Laufe dieser Woche fällt, hängt maßgeblich davon ab, ob den diplomatischen Signalen aus Washington und Teheran tatsächlich belastbare Vereinbarungen folgen.
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