Ein Ölpreisschub und neue Warnungen aus der KI-Branche schicken den deutschen Leitindex auf Tauchstation. Der DAX rutschte am Montagvormittag auf sein tiefstes Niveau seit Ende Juli und notierte zuletzt gut 0,5 Prozent im Minus bei rund 25.400 Punkten. Besonders hart trifft es aber nicht den Index selbst, sondern eine ganz bestimmte Aktiengruppe.
Chip-Ausrüster erleiden die größten Verluste
Aixtron, Süss Microtec, Siltronic und Jenoptik verzeichneten Kursverluste von bis zu 10 Prozent. Auch die großen Dax-Werte aus dem Halbleiter- und Technologiesegment gerieten unter Druck: Infineon verlor knapp 9 Prozent, Siemens Energy rund 7 Prozent, Hochtief mehr als 7 Prozent.
Ausgelöst wurde der Abverkauf durch Äußerungen von Anthropic-Chef Dario Amodei. Er warnte, ein KI-Schwarm könnte binnen sechs bis zwölf Monaten in der Lage sein, das gesamte Internet zu übernehmen und Schäden in Hunderten Milliarden Dollar Höhe zu verursachen.
OpenAI-Chef Sam Altman schloss sich der Forderung an, das Entwicklungstempo bei den leistungsfähigsten Modellen zu drosseln. Für Aktien, die zuletzt stark von der KI-Fantasie profitiert hatten, wirkte das wie ein Kaltstart.
Öl und Nahost-Spannungen verschärfen die Lage
Parallel dazu trieben geopolitische Sorgen den Ölpreis nach oben. Saudi-Arabien musste nach Drohnenangriffen der Huthi-Miliz eine wichtige Pipeline abschalten, zusätzlich belastet die ungeklärte Lage rund um die Straße von Hormus die Versorgungssicherheit. Die Brent-Notierung sprang zeitweise auf über 108 Dollar je Barrel, ehe sie sich etwas beruhigte.
Steigende Energiepreise nähren die Sorge vor neuem Inflationsdruck — und damit vor einer restriktiveren Geldpolitik der Notenbanken, deren Zinsentscheidungen in dieser Woche anstehen. Der MDAX traf es noch härter als der DAX: Er fiel auf ein Dreimonatstief und verlor rund 1,5 Prozent.
Nicht alle Werte gaben nach. SAP kletterte um über 3 Prozent und war damit Tagesgewinner im DAX, während Bayer im Vorfeld einer Gerichtsanhörung zum Roundup-Vergleich in Missouri knapp 3 Prozent zulegte. Software-Titel wie Nemetschek profitierten offenbar von der Kapitalflucht aus Chip- und Hardware-Werten.
Die Gerichtsentscheidung zum Bayer-Vergleich fällt nicht am Montag selbst, eine Terminierung steht noch aus. Für den DAX bleibt die zweite September-Hälfte damit ein Feld voller Unsicherheiten — zwischen Ölpreis, Notenbanksitzungen und der Frage, wie tief die KI-Zweifel in den Kursen der Technologiewerte noch nachwirken.
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