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D-Wave Quantum vor der Bewährungsprobe: Trägt der Buchungsboom die Bewertung?

BMO Capital Markets stuft D-Wave auf Kauf hoch und setzt ein Kursziel von 35 US-Dollar. Analysten sehen im Schnitt weiteres Potenzial.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • BMO rät zum Kauf von D-Wave
  • Kursziel von 35 US-Dollar gesetzt
  • Institutionelle Anleger stocken auf
  • Buchungen steigen um 1.120 Prozent

Ausgangslage

D-Wave Quantum sprang am Freitag um 8,5 Prozent und schloss bei 17,50 Euro. Auslöser war eine neue Einstufung von BMO Capital Markets, das die Aktie mit einem Kursziel von 35 US-Dollar zum Kauf empfiehlt. Der Konsens mehrerer Analysehäuser liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 36,27 US-Dollar – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Zugleich meldeten mehrere institutionelle Vermögensverwalter, darunter Wealthfront Advisers und Great Lakes Advisors, im zweiten Quartal 2026 neue oder aufgestockte Positionen im Volumen von jeweils mehreren Hunderttausend bis über zwei Millionen US-Dollar.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: D-Wave hatte zuvor mit einem Buchungssprung von 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr sowie mit einer zweiten Produktionsanwendung bei NTT DOCOMO für Aufsehen gesorgt. Die Frage, vor der Anleger jetzt stehen: Trägt dieses Momentum die Bewertung, oder preist der Markt bereits mehr ein, als das operative Geschäft derzeit liefert?

Die entscheidende Frage

Der Knackpunkt ist die Kluft zwischen Auftragseingang und tatsächlichem Umsatz. Während die Buchungen explodieren und die verbleibenden Leistungsverpflichtungen um 668 Prozent zulegten, blieb der ausgewiesene Quartalsumsatz mit gut drei Millionen US-Dollar unter der Analystenerwartung. Für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 6,16 Milliarden Euro ist das eine schmale Umsatzbasis.

Entscheidend wird sein, ob sich die gemeldeten Buchungen in den kommenden Quartalen in tatsächliche Fakturierung übersetzen – oder ob die Lücke zwischen Vertragswert und Cashflow bestehen bleibt. Genau daran bemisst sich, ob die von BMO ausgerufene Kurszielspanne realistisch ist oder ob die Aktie eine reine Erwartungsprämie trägt.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die operative Dynamik: Der massive Anstieg der Buchungen und der Leistungsverpflichtungen deutet auf eine wachsende Nachfrage nach Quantencomputing-Anwendungen hin, die sich mit Verzögerung in Umsatz niederschlagen könnte.

Die zweite Produktionsanwendung bei NTT DOCOMO signalisiert, dass D-Wave über reine Pilotprojekte hinaus in produktive Einsätze vordringt – ein Reifegrad, den viele Wettbewerber im Quantensektor noch nicht erreicht haben.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die aktuelle technische Erholung – die Aktie liegt derzeit rund 57 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 11,12 Euro – erst der Anfang einer nachhaltigeren Neubewertung sein. Institutionelle Zukäufe mehrerer Vermögensverwalter im zweiten Quartal stützen dieses Bild zusätzlich.

Bärisches Szenario

Dagegen steht ein ernstzunehmendes Risiko: D-Wave verfehlte im zweiten Quartal sowohl bei Umsatz als auch beim Ergebnis je Aktie die Konsensschätzungen.

Ein Verlust je Aktie unterhalb der Erwartung bei gleichzeitig verfehltem Umsatzziel zeigt, dass die Monetarisierung der Buchungen noch nicht angekommen ist. Hinzu kommt, dass Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 26,2 Millionen US-Dollar verkauften – ein Signal, das der bullischen Institutionenstory widerspricht und Anleger zur Vorsicht mahnen sollte.

Auch die Bewertung selbst ist ambitioniert: Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 7 gegenüber rund 3,1 in der US-Software-Branche lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Die Aktie bleibt zudem mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 104 Prozent hochgradig schwankungsanfällig, was kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlich macht, selbst wenn die langfristige Story intakt bleibt.

Ausblick

Kurzfristig entscheidet der 50-Tage-Durchschnitt von 17,98 Euro über die technische Richtung: Solange sich der Kurs in dessen Nähe hält, bleibt die Erholung vom Jahrestief intakt. Fällt die Aktie nachhaltig darunter zurück, würde das die frische Kaufdynamik nach dem BMO-Votum infrage stellen.

Fundamental bleibt der Buchungs-zu-Umsatz-Übergang der zentrale Katalysator: Bestätigen die kommenden Quartalszahlen, dass sich die explodierenden Auftragsbestände in tatsächlichen Umsatz verwandeln, dürfte das bullische Szenario mit Kurszielen von 35 bis über 36 US-Dollar an Substanz gewinnen.

Bleibt die Lücke zwischen Buchungen und Fakturierung dagegen bestehen und mehren sich Insiderverkäufe, drohen die ambitionierten Bewertungsmultiplen zum Belastungsfaktor zu werden. Der nächste Quartalsbericht wird zeigen, welches der beiden Szenarien an Boden gewinnt.

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Diskussion zu D-Wave Quantum

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.