Zwei US-Kanzleien prüfen mögliche Wertpapierverstöße bei D-Wave Quantum. Pomerantz LLP und Kessler Topaz Meltzer & Check LLP haben Ende vergangener Woche Investorenuntersuchungen eingeleitet, die sich auf die Quartalszahlen vom 6. August und den CFO-Abgang vor gut einer Woche stützen. Beide Kanzleien prüfen, ob Unternehmen und einzelne Führungskräfte gegen Kapitalmarktrecht verstoßen haben.
Auslöser der Prüfungen ist die Kombination aus einem verfehlten Quartalsergebnis und dem überraschenden Rückzug des bisherigen Finanzchefs. D-Wave hatte im Sommer einen Umsatz von 3,08 Millionen Dollar gemeldet, während Analysten mit 4,03 Millionen Dollar gerechnet hatten. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 0,10 Dollar und damit über der Erwartung von 0,08 Dollar.
Insider-Verkäufe als Prüfgegenstand
Nach Medienberichten haben Insider in den vergangenen 90 Tagen mehr als eine Million Aktien verkauft, darunter Transaktionen der Unternehmensspitze und eines Vorstandsmitglieds. Ob diesen Verkäufen vorab festgelegte Handelspläne oder steuerlich bedingte Pflichtveräußerungen zugrunde lagen, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor.
Die Kanzleien führen die Verkäufe im Zusammenhang mit dem Kursrückgang nach der Quartalsmeldung und dem CFO-Wechsel als Teil ihrer Prüfung an, ohne dass daraus bereits ein rechtlicher Befund folgt.
Der Aktienkurs bewegt sich seit den Ereignissen in einer schwierigen Phase. Am Montag schloss das Papier bei 14,40 Euro, nach den jüngsten Wochen mit deutlichem Abwärtsdruck. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36 Prozent zu Buche, ein Zeichen dafür, dass die Verunsicherung der Anleger über die operative Entwicklung und die laufenden Prüfungen bislang nicht nachgelassen hat.
Institutionelle Anleger bleiben investiert
Parallel zu den negativen Schlagzeilen zeigen sich einzelne institutionelle Investoren unbeeindruckt. The Manufacturers Life Insurance Company hat Anfang September rund 204.700 Aktien im Wert von etwa 4,9 Millionen Dollar erworben.
Ein solcher Zukauf steht im Kontrast zur Verkaufswelle bei Insidern und deutet darauf hin, dass langfristig orientierte Anleger die operativen Fortschritte des Unternehmens höher gewichten als die kurzfristigen Turbulenzen.
Tatsächlich verweisen Kommentare zum zweiten Quartal auf eine wachsende kommerzielle Basis: Geschäftskunden stellten demnach 62,4 Prozent des Quartalsumsatzes, das Abonnementgeschäft mit Quantencomputing-Diensten wuchs um 50 Prozent auf 1,9 Millionen Dollar, und die Buchungen im ersten Halbjahr legten um 1.120 Prozent zu.
Die noch abzuarbeitenden vertraglichen Verpflichtungen belaufen sich auf 40,7 Millionen Dollar, wovon rund 57 Prozent innerhalb der kommenden zwölf Monate fällig werden sollen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Auf der einen Seite stehen die laufenden Rechtsprüfungen und die enttäuschenden Quartalszahlen, auf der anderen eine wachsende Auftragsbasis und punktuelle institutionelle Zukäufe. Ob die eingeleiteten Untersuchungen zu belastbaren Vorwürfen führen, ist derzeit offen — die Kanzleien befinden sich noch in der Prüfungsphase, ohne dass bislang eine Klage eingereicht wurde.
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