D-Wave Quantum steigt seit einer Woche fast im Tagestakt. Am Dienstag legten die Aktien um 9,19 Prozent auf 18,95 Euro zu. Über sieben Handelstage summiert sich das Plus auf 33,78 Prozent — und ausgerechnet jetzt, kurz vor den Quartalszahlen am Donnerstag, wird der Kurs richtig heiß.
Den Auslöser lieferte die Investmentbank Wedbush. Sie startete die Coverage von D-Wave am Montag mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 40 US-Dollar. Die Aktie sprang daraufhin binnen weniger Stunden um über 10 Prozent.
Wedbush setzt auf Meilensteine statt Umsatz
Analyst Matt Bryson begründet seine Einschätzung ungewöhnlich offen. Quantencomputing-Firmen definierten sich nicht über Umsatz und Gewinn, sondern über das Lösen technischer und physikalischer Forschungsprobleme entlang ihrer Technologie-Roadmap, so Bryson. Die Branche werde sich seiner Einschätzung nach wandeln: weg von kapitalintensiven, Cash-verbrennenden Projekten im Venture-Stil, hin zu Unternehmen mit staatlichen Forschungsgeldern und wachsendem Kundenstamm.
Das 40-Dollar-Kursziel für D-Wave impliziert ein Kurspotenzial von rund 100 Prozent gegenüber dem Niveau vor der Ankündigung. Wedbush vergab dasselbe Kursziel auch für Rigetti Computing, IonQ bekam sogar 75 Dollar. Die gesamte Sektor-Prominenz profitiert also von der bullishen Einschätzung — kurz vor der Berichtssaison ein deutliches Signal.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
So optimistisch die Analysten-Einstufung klingt: Die Bilanz von D-Wave bleibt die eines jungen, verlustreichen Unternehmens. Bei einer Marktkapitalisierung von 5,81 Milliarden Euro stehen gerade einmal 12,4 Millionen Dollar Umsatz der vergangenen zwölf Monate gegenüber. Profitabel ist das Unternehmen nicht.
Analysten erwarten für dieses Jahr eine Verdreifachung des Umsatzes auf 42 Millionen Dollar. Reichen wird das trotzdem nicht: Für 2026 rechnen sie mit einem Verlust von 138 Millionen Dollar, für 2027 sogar mit 176 Millionen Dollar. Immerhin bei der Liquidität sieht es entspannter aus — mit 588 Millionen Dollar auf der Bank dürfte D-Wave bis mindestens 2030 durchhalten, spätestens 2031 wird das Geld allerdings knapp, ohne dass bis dahin Profitabilität in Sicht wäre.
Der Widerspruch zwischen Bewertung und Geschäft zeigt sich auch im Wachstumstempo. D-Wave steigerte den Umsatz 2025 zwar um 179 Prozent, absolut waren das aber nur rund 25 Millionen Dollar. Ein Beleg dafür, wie früh die kommerzielle Quantenindustrie tatsächlich noch steht.
Sektorweite Erholung nach Juli-Einbruch
Die Wedbush-Einstufung trifft auf eine breitere Erholungsbewegung. Quantencomputing-Aktien wie Rigetti und D-Wave haben sich im August nach einem heftigen Rückgang im Juli wieder gefangen. Die Sorge um die Kluft zwischen Marktbewertung und tatsächlichem Geschäft bleibt aber bestehen — Wedbush wettet letztlich auf zukünftige Meilensteine, nicht auf heutige Bilanzen.
Aktuell notiert die Aktie mit 18,95 Euro rund 2,19 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 19,37 Euro. Von ihrem 52-Wochen-Tief bei 11,12 Euro aus dem März hat sie sich um 70,34 Prochte erholt. Zum bisherigen Jahreshoch von 38,48 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen aber immer noch über die Hälfte des Kurses.
Am Donnerstag vor US-Börsenstart legt D-Wave die Zahlen zum zweiten Quartal vor. CEO Alan Baratz und CFO John Markovich stellen sich anschließend den Fragen der Analysten. Die Optionsmärkte preisen bereits eine deutliche Kursbewegung rund um den Termin ein — die Wedbush-Wette bekommt damit schon in wenigen Tagen ihren ersten echten Test.
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