Ein Deal mit AT&T ließ die Aktie am Montag um fast 20 Prozent nach oben schießen. Am Dienstag ist davon kaum noch etwas übrig. D-Wave Quantum notiert bei 15,30 Euro, ein Minus von 10,53 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 17,10 Euro. Die Geschwindigkeit, mit der die Kursgewinne wieder verschwinden, zeigt: Diese Aktie lebt von Nachrichten, nicht von Substanz.
AT&T-Euphorie hält keinen Tag
Der Deal selbst ist real. D-Wave und AT&T haben eine kommerzielle Vereinbarung geschlossen, die Quantencomputing in die Netzwerkoperationen des Telekomkonzerns bringen soll. Kein Gerücht, sondern ein bestätigter Vertrag.
Trotzdem reichte die Nachricht nur für einen einzigen guten Handelstag. Schon am Dienstagmorgen setzten Anleger auf Gewinnmitnahmen, verstärkt durch ein schwaches Marktumfeld — die Nasdaq-Futures gaben um 0,92 Prozent nach. Die komplette Monday-Rally war damit binnen 24 Stunden gelöscht. Das ist ein Muster, das sich bei D-Wave in den vergangenen Monaten wiederholt: Einzelne Vertragsmeldungen treiben den Kurs kurzfristig, ohne die fundamentale Bewertung dauerhaft zu verändern.
Die entscheidende Frage: Werden aus Aufträgen Umsätze?
Am 6. August, vor US-Börsenöffnung, veröffentlicht D-Wave die Zahlen zum zweiten Quartal. Diese Quartalsvorlage dürfte darüber entscheiden, in welche Richtung die Aktie als Nächstes läuft.
Im ersten Quartal hatte D-Wave Auftragseingänge von 33,4 Millionen Dollar gemeldet, getragen von einem Systemverkauf über 20 Millionen Dollar an die Florida Atlantic University und einem weiteren Deal über 10 Millionen Dollar mit einem Geschäftskunden. Die Kernfrage lautet: Taucht dieses Bestellvolumen im zweiten Quartal tatsächlich als Umsatz auf? Optionshändler rechnen mit einem Kursausschlag von 17,46 Prozent in eine der beiden Richtungen nach den Zahlen — deutlich mehr als der durchschnittliche Ausschlag von 5,07 Prozent, den D-Wave in den vergangenen vier Quartalen nach Zahlenvorlagen gezeigt hat. Der Markt erwartet also eine Grundsatzentscheidung, keine Randnotiz.
Bullen-Szenario: Große Namen, breitere Investorenbasis
Für Optimisten liefert die AT&T-Partnerschaft genau das, was D-Wave bisher fehlte: einen Referenzkunden mit Markennamen. Der Effekt strahlte auch auf Konkurrenten aus — IonQ legte nach Bekanntwerden des Deals um 7,8 Prozent zu, auch Rigetti Computing und Quantum Computing Inc. profitierten.
Strukturell hat sich zudem etwas verändert. D-Wave wechselte sein Listing von der NYSE zur Nasdaq, der Handel unter dem bekannten Ticker QBTS läuft dort seit dem 27. Juli. Das könnte den Zugang für bestimmte Investorengruppen erleichtern.
Auch von der Analystenseite kommt Rückenwind. Benchmark nahm die Coverage am 27. Juli mit einem Kaufrating und einem Kursziel von 30 Dollar auf, Mizuho bestätigte sein Outperform-Rating mit einem Ziel von 35 Dollar. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 33,02 Euro — mehr als das Doppelte des aktuellen Kurses. Diese Diskrepanz zeigt: Ein Teil der Wall Street glaubt weiterhin an die langfristige Story, auch wenn der Kurs kurzfristig einbricht.
Bären-Szenario: Verluste wachsen, Charttechnik kippt
Die Gegenseite verweist auf die Lücke zwischen gemeldeten Aufträgen und tatsächlich verbuchtem Umsatz — und auf ein Chartbild, das sich spürbar eingetrübt hat. Bereits im März fiel der 50-Tage-Durchschnitt unter den 200-Tage-Durchschnitt, ein sogenanntes Todeskreuz. Solche Formationen bremsen Erholungsversuche häufig so lange, bis der Kurs die wichtigen Durchschnittslinien zurückerobert. Aktuell liegt D-Wave 23,52 Prozent unter dem 50-Tage-Schnitt und 22,19 Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt — beide Linien wirken damit eher als Widerstand denn als Unterstützung.
Auch operativ bleibt viel Arbeit. Der operative Verlust sprang im ersten Quartal auf 54,7 Millionen Dollar, nach 11,3 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten erwarten für das Gesamtjahr 2026 weiterhin einen Verlust von 25 Cent je Aktie, für das zweite Quartal 8 Cent je Aktie. Profitabilität rückt damit nicht näher.
Hinzu kommt ein raueres Makroumfeld. Erhöhte US-Staatsanleiherenditen und die Erwartung einer länger restriktiven Fed-Politik belasten spekulative Technologiewerte überproportional — trotz ungebrochener Begeisterung für KI- und Quantenthemen. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 93,05 Prozent sind Tagesausschläge von 10 Prozent oder mehr, wie heute gesehen, keine Ausnahme, sondern eher die Regel.
Ausblick: Der 6. August wird zur Weichenstellung
Solange das Umsatzwachstum den gemeldeten Auftragseingängen hinterherhinkt, dürfte D-Wave hochreaktiv auf einzelne Vertragsnachrichten bleiben — mit der Tendenz, Kursgewinne rasch wieder abzugeben, wie die vergangenen zwei Handelstage gezeigt haben.
Bestätigt der Quartalsbericht am 6. August, dass sich die Auftragsbücher in echtes Umsatzwachstum übersetzen und die Verluste wie erwartet schrumpfen, könnte sich die Aktie stabilisieren und beginnen, die Lücke zum Analystenziel von 33,02 Euro zu schließen. Enttäuscht der Umsatz dagegen relativ zur Auftragslage, oder verschärft sich der Makrodruck auf spekulative Technologiewerte weiter, dürfte ein erneuter Test des 52-Wochen-Tiefs bei 11,12 Euro aus dem März drohen. Der 6. August, vor US-Marktöffnung, liefert damit das bislang klarste Signal, ob die aktuelle Auftragsdynamik trägt oder nur auf dem Papier existiert.
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