D-Wave Quantum steht vor einem entscheidenden Termin. Am Donnerstag, 6. August 2026, legt der Quantencomputing-Spezialist vor US-Börsenöffnung seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Die Aktie hat in der vergangenen Woche bereits kräftig vorgelegt und notiert aktuell bei 17,80 Euro, ein Plus von knapp 15 Prozent binnen sieben Tagen.
Diese Rally ist reine Vorschusslorbeere. Noch liegen keine bestätigten Zahlen vor — der Markt positioniert sich auf Basis von Schätzungen und den Ergebnissen des ersten Quartals. CEO Alan Baratz und CFO John Markovich werden am Donnerstagvormittag um 8 Uhr Eastern Time die Telefonkonferenz leiten. Bis dahin bleibt alles Spekulation.
Die entscheidende Kennzahl: Wird aus Auftragseingang echter Umsatz?
Die zentrale Frage für die kommenden Wochen lässt sich klar benennen: Schafft D-Wave den Sprung von explodierenden Auftragsbüchern zu tatsächlich verbuchtem Umsatz? Im ersten Quartal kletterten die Neuaufträge auf 33,4 Millionen Dollar, ein Plus von fast 2.000 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die noch nicht abgerechneten Auftragsbestände stiegen auf 42,4 Millionen Dollar.
Der Umsatz selbst fiel im gleichen Zeitraum jedoch um 81 Prozent auf nur 2,9 Millionen Dollar. Grund war der Wegfall eines großen Systemverkaufs aus dem Vorjahresquartal — ein Einmaleffekt, der die Diskrepanz zwischen Bestellungen und tatsächlichen Einnahmen schlagartig sichtbar machte. Das Management selbst hat die Erwartungen bereits gedämpft: Der Umsatz im zweiten Quartal soll nur moderat über dem ersten liegen, der Großteil der Erlöse wird erst in der zweiten Jahreshälfte verbucht.
Genau diese Lücke zwischen Bestellbuch und Bilanz entscheidet, wie glaubwürdig die aktuelle Kursstärke ist.
Bullen-Szenario: Kommerzielle Kunden ziehen mit
Für Optimisten gibt es handfeste Argumente. Die Verkaufspipeline von D-Wave hat sich im ersten Quartal wertmäßig mehr als verdoppelt, auch die durchschnittliche Deal-Größe legte im gleichen Ausmaß zu. Das Management hat zudem seine Prognose für Systemverkäufe 2026 von einem auf zwei bis drei angehoben.
Ein frischer Katalysator kommt aus dem Telekomsektor: D-Wave hat im zweiten Quartal seine Zusammenarbeit mit AT&T vertieft und parallel die Integration von Quantum Circuits vorangetrieben. Damit stärkt das Unternehmen seine Position sowohl im Annealing- als auch im Gate-Modell-Bereich der Quantentechnologie. Zeigen die Zahlen zum Auftragsbestand erneut dreistelliges Wachstum und wächst der Anteil kommerzieller Kunden weiter, spricht das für eine belastbare Nachfrage — und könnte den Kurs zurück Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 19,35 Euro tragen.
Bären-Szenario: Umsatz bleibt Zufallsprodukt einzelner Großaufträge
Die Gegenposition ist ebenso ernst zu nehmen. Kritiker verweisen darauf, dass D-Waves Umsatz strukturell von wenigen, unregelmäßig getimten Großverkäufen abhängt — ein Muster, das sich im zweiten Quartal wiederholen könnte. Der Einbruch um 81 Prozent im ersten Quartal war genau dafür ein Beleg: Ohne einen einzelnen Großauftrag bricht die Bilanz sofort ein.
Hinzu kommt die Kostenseite. Die bereinigten operativen Verluste haben sich im ersten Quartal deutlich ausgeweitet. Wächst der Kostenblock im zweiten Quartal weiter schneller als der Umsatz, dürfte die Frage nach dem Tempo des Cash-Verbrauchs lauter werden — bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von rund 101 Prozent ohnehin ein sensibles Thema. Der Kursrückgang von knapp 10 Prozent im vergangenen Monat und der Abstand von über 50 Prozent zum 52-Wochen-Hoch zeigen: Der Markt ist bereits vorsichtiger geworden, was die Fortschreibung des Q1-Bestellbooms angeht.
Ausblick: Der 6. August als nächster Prüfstein
Solange sich der Trend bei Auftragseingang und Auftragsbestand aus dem ersten Quartal fortsetzt, spricht einiges für anhaltende spekulative Unterstützung auf dem aktuellen Niveau. Die Aktie notiert rund 60 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 11,12 Euro und nahe ihrem 100-Tage-Durchschnitt — ein Hinweis darauf, dass sich möglicherweise ein Boden gebildet hat.
Zeigen die Zahlen am Donnerstag dagegen eine stockende Pipeline, einen größeren Verlust als erwartet oder einen Rückfall des kommerziellen Umsatzanteils zugunsten unregelmäßiger Behörden- und Forschungsaufträge, dürfte der Kurs Richtung der Marke bei 11,12 Euro aus dem März testen. Der nächste konkrete Auslöser steht fest: die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 samt Ausblick des Managements, veröffentlicht vor US-Börsenöffnung am 6. August.
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