Starke Auftragseingänge, optimistische Analysten und ein prall gefülltes Bankkonto. Bei D-Wave Quantum klaffen Anspruch und Börsenrealität derzeit weit auseinander. Der Finanzchef verkauft Aktien im großen Stil. Die Anleger reagieren prompt und schicken den Kurs auf Talfahrt.
Millionen-Verkauf drückt den Kurs
John M. Markovich trennte sich Anfang Juni von gut 51.000 Aktien. Der Chief Financial Officer erlöste damit rund 1,34 Millionen US-Dollar. Er verkaufte die Papiere zu Durchschnittskursen von über 26 Dollar.
Das Timing sorgt für Unruhe am Markt. Kurz nach den Transaktionen rutschte die Aktie deutlich unter diese Verkaufskurse ab. Aktuell notiert das Papier bei 20,70 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 13 Prozent auf der Anzeigetafel.
Analysten bleiben extrem bullisch
Trotz des jüngsten Kursrutsches halten Wall-Street-Experten an dem Quantencomputer-Spezialisten fest. Die Konsensschätzung lautet fast einstimmig auf „Strong Buy“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei gut 36 US-Dollar.
Das impliziert ein massives Aufwärtspotenzial. Die Realität sieht jedoch deutlich wilder aus. Die annualisierte Schwankungsbreite der Aktie liegt bei extremen 139 Prozent. Ein starker Kontrast zur ruhigen Hand der Analysten.
Warten auf die Umsätze
Die Nervosität am Markt hat handfeste fundamentale Gründe. D-Wave meldete für das erste Quartal starke Buchungen von 33,4 Millionen Dollar. Der verbuchte Umsatz brach parallel dazu aber um 81 Prozent ein. Der Grund für den Rückgang ist simpel. Im Vorjahresquartal profitierte das Unternehmen von einem einmaligen Systemverkauf.
Ein Liquiditätsproblem besteht nicht. D-Wave sitzt auf Barreserven von über 588 Millionen Dollar. Die Herausforderung liegt vielmehr in der Umsetzung. Das Unternehmen muss die vollen Auftragsbücher in zählbare Erlöse verwandeln.
Der nächste Meilenstein steht bereits fest. D-Wave Quantum weist aktuell offene Leistungsverpflichtungen in Höhe von 42,4 Millionen Dollar aus. Rund 54 Prozent dieser Summe fließen in den kommenden zwölf Monaten als Umsatz in die Bilanz. Gelingt diese Umwandlung reibungslos, rücken die ambitionierten Kursziele der Analysten wieder in greifbare Nähe.
