D-Wave Quantum steht operativ zwischen zwei Welten: Das vierte Quartal verfehlte die Erwartungen bei Umsatz und Ergebnis, zugleich setzt das Unternehmen mit einer großen Übernahme und deutlich anziehenden Bookings ein Signal nach vorn. Genau diese Mischung treibt die Aktie aktuell in beide Richtungen. Wie belastbar ist der Optimismus, wenn die aktuellen Zahlen noch haken?
Q4 verfehlt Erwartungen – Licht und Schatten
Die Zahlen für das vierte Quartal (veröffentlicht vor US-Börsenstart am 26. Februar) fielen unter den Analystenschätzungen aus. D-Wave meldete einen bereinigten (Non-GAAP) Verlust von 0,09 US-Dollar je Aktie bei 2,8 Mio. US-Dollar Umsatz. Erwartet worden waren -0,06 US-Dollar je Aktie und rund 3,7 Mio. US-Dollar Umsatz.
Ganz ohne positive Aspekte blieb das Update aber nicht. Der Jahresumsatz 2025 stieg um 179% auf 24,6 Mio. US-Dollar, die Bruttomarge lag bei etwa 83%. Zudem verringerte sich der Nettoverlust im vierten Quartal auf 42,3 Mio. US-Dollar, nach 86,1 Mio. US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Zusätzlichen Druck brachte allerdings der Auftragseingang: Die Q4-Bookings lagen bei 13,4 Mio. US-Dollar, ein Rückgang um 27% gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen verweist darauf, dass Umsätze und Bookings rund um neue Systemversionen schwanken können – der Rückgang dürfte die Stimmung dennoch gebremst haben.
Aktie schwankt – Makro bremst Wachstumswerte
Trotz des Doppelfehlers reagierte die Aktie zunächst freundlich und legte vorbörslich um mehr als 3% zu. Die Erholung hielt jedoch nicht: Am Donnerstag rutschte das Papier um 7,75% ab, begleitet von allgemeiner Unsicherheit und erhöhter Volatilität.
Bereits im Februar hatte die Aktie 11,5% verloren. Der Text ordnet das in eine schwächere Phase für Tech-Werte ein: Investoren positionierten sich vorsichtiger bei KI- und anderen stark wachstumsabhängigen Titeln, zusätzlich belastete ein heißer als erwarteter Inflationsbericht zum Monatsende.
Auch der US-Arbeitsmarktbericht spielte eine Rolle. Laut Bureau of Labor Statistics gingen 92.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft verloren, erwartet worden waren -50.000. Höhere Inflation könnte Zinssenkungen der Fed verzögern – ein Gegenwind, der typischerweise besonders Wachstumsaktien trifft.
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Übernahme und Bookings: Der strategische Hebel für 2026
Der wichtigste Schritt des Jahres ist die geplante Übernahme von Quantum Circuits Inc.: Am 7. Januar kündigte D-Wave eine Fusionsvereinbarung zu einem Kaufpreis von 550 Mio. US-Dollar an – davon 300 Mio. US-Dollar in D-Wave-Stammaktien und 250 Mio. US-Dollar in bar.
Strategisch geht es um eine Plattform-Erweiterung: D-Wave will seine Annealing-Technologie mit der fehlerkorrigierten Gate-Model-Entwicklung von Quantum Circuits zusammenbringen, um die Zeit bis zu einem skalierbaren, fehlerkorrigierten Gate-Model-Quantencomputer zu verkürzen. Genannt werden dabei Dual-Rail-Qubits mit integrierter „Erasure Detection“, die 90% der auftretenden Fehler identifizieren sollen; zudem werden Gate-Fidelities von über 99,9% genannt.
Auch kommerziell soll der Schritt Reichweite bringen. CEO Alan Baratz sagte, das Gate-Model ermögliche es, den adressierbaren Gesamtmarkt „im Wesentlichen zu verdoppeln“.
Parallel dazu zeigen die Bookings zum Jahresstart ein anderes Bild als im Q4: Im Januar erzielte D-Wave über 30 Mio. US-Dollar an Bookings. Bis zum 25. Februar lagen die Q1-Bookings seit Jahresbeginn bei mehr als 32,8 Mio. US-Dollar. Laut Baratz berichtet das Unternehmen als Bookings nur Aufträge, die nicht storniert werden können.
Zum Bewertungsrahmen: D-Wave wird nach den jüngsten Kursbewegungen mit rund 6,9 Mrd. US-Dollar Börsenwert angegeben und mit etwa dem 157-Fachen der erwarteten künftigen Umsätze bewertet. Zum 31. Dezember 2025 lagen Barmittel und marktfähige Wertpapiere bei 884,5 Mio. US-Dollar.
Zum operativen Ausblick nennt das Unternehmen eine Dual-Platform-Strategie und verweist auf „außergewöhnlichen Schwung“ – unter anderem wegen der Bookings, der Übernahme und eines QCaaS-Unternehmensvertrags im achtstelligen Bereich. Als erster Baustein der beschleunigten Roadmap ist ein initiales Dual-Rail-System geplant, das 2026 allgemein verfügbar sein soll.
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