D-Wave Quantum hat einen weiteren Baustein für die eigene Fehlerkorrektur-Strategie vorgelegt. Das Unternehmen veröffentlichte am Mittwoch in der Fachzeitschrift Nature ein Paper zu einem neuen Zwei-Qubit-Verschränkungs-Gate auf Basis sogenannter Dual-Rail-Erasure-Qubits. Die Technologie stammt aus der Übernahme von Quantum Circuits und nutzt Fluxonium-Bauelemente, um Fehler bereits auf Hardware-Ebene leichter erkennbar zu machen.
Fehlerraten im Promillebereich
Die vorgelegten Werte fallen deutlich niedriger aus als bei vielen bisherigen Ansätzen: Die Erasure-Fehlerrate liegt bei 0,5 Prozent, die Pauli-Fehlerrate bei 0,1 Prozent, während Bit-Flip-Fehler nur mit einer Rate von 10⁻⁶ auftreten. Das Gate selbst arbeitet mit einer Geschwindigkeit von 500 Nanosekunden. D-Wave nennt als nächste Ausbaustufen 181 Qubits bis 2028 und 100 logische Qubits bis 2032 – Zielmarken, die den langfristigen Fahrplan zur fehlertoleranten Quantenverarbeitung markieren, ohne dass es sich um bereits erreichte Ergebnisse handelt.
An der Börse reagierten Anleger zunächst zurückhaltend: Im US-Handel gab die Aktie am Mittwoch um 1,28 Prozent auf 21,54 Dollar nach und stieß nahe der Marke von 21,9 Dollar auf Widerstand. Im deutschen Handel schloss das Papier am Mittwoch bei 18,50 Euro, ein Tagesminus von 2,25 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 18,71 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die Nachrichtendichte der vergangenen Tage insgesamt positiv aufgenommen wurde. Zum 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro, notiert im Oktober 2025, fehlen der Aktie trotz der jüngsten Erholung noch immer 54,23 Prozent.
Nasdaq Verafin und AT&T als kommerzielle Referenzen
Neben dem technischen Fortschritt sorgte D-Wave zuletzt auch mit kommerziellen Kooperationen für Aufmerksamkeit. Zu Wochenbeginn verkündete das Unternehmen eine Vereinbarung mit Nasdaq Verafin zur Entwicklung von Quantencomputing-Anwendungen gegen Finanzkriminalität. Geplant ist zunächst ein Proof-of-Concept, der Betrug, Betrugsmaschen und Geldwäsche adressieren soll. D-Wave-CEO Alan Baratz betonte das Potenzial der Zusammenarbeit für die Finanzbranche.
Bereits Ende Juli hatte AT&T mitgeteilt, die Zusammenarbeit mit D-Wave auszubauen. Der Telekommunikationskonzern setzt Quantencomputing zur Netzwerkoptimierung ein und beziffert die dadurch erreichte Beschleunigung auf das 240-Fache gegenüber klassischen Methoden. Für D-Wave ist die Partnerschaft ein weiterer Beleg dafür, dass sich Kunden aus regulierten Großbranchen – neben dem Finanzsektor nun auch die Telekommunikation – konkret mit dem Einsatz der Quanten-Annealing-Technologie befassen.
Analysten und Konkurrenzumfeld
Die Investmentbank Wedbush hat ihre Coverage für D-Wave mit einem Kursziel von 40 Dollar aufgenommen – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb im Quantencomputing-Sektor intensiv: Konkurrent IonQ meldete für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 80,1 Millionen Dollar, ein Plus von 287 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und hob die Jahresprognose auf 280 bis 290 Millionen Dollar an. Solche Zahlen verdeutlichen, dass die gesamte Branche derzeit stark wächst, gleichzeitig aber auch hohe Verluste in Kauf nimmt – bei IonQ stand ein GAAP-Nettoverlust von 1,87 Milliarden Dollar zu Buche, überwiegend akquisitionsbedingt.
Für D-Wave bleibt die Kombination aus technischem Fortschritt bei der Fehlerkorrektur und wachsender kommerzieller Nachfrage der zentrale Investment-Case. Die Volatilität der Aktie von annualisiert 102,94 Prozent zeigt jedoch, wie stark Kursbewegungen weiterhin von einzelnen Nachrichtenmeldungen getrieben werden.
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