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D-Wave Quantum Aktie: Auftragsbestand explodiert, Umsatz bricht ein

D-Wave Quantum steigert Buchungen deutlich, verzeichnet aber höhere Verluste und weniger Umsatz. Der CFO-Abgang erhöht die Unsicherheit.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Buchungen steigen auf 35,5 Millionen Dollar
  • Quartalsumsatz bleibt nahezu unverändert
  • Operativer Verlust erreicht 54,7 Millionen Dollar
  • Finanzchef Markovich geht am 2. September

D-Wave Quantum steckt in einer Phase, die für Anleger schwer auszuhalten ist. Die Aktie hat sich seit dem Hoch im Oktober 2025 mehr als halbiert, allein seit Jahresanfang steht ein Minus von 38 Prozent zu Buche. Für mich verdichten sich die jüngsten Nachrichten zu einem Muster: Das operative Geschäft wächst an der falschen Stelle, während sich an der Spitze des Unternehmens gerade personelle Lücken auftun.

Der Auftragsbestand wächst, der Umsatz nicht

Die Zahlen zum zweiten Quartal, die D-Wave am 6. August vorgelegt hat, zeigen ein zerrissenes Bild. Der operative Verlust hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, von 26,5 Millionen auf 54,7 Millionen Dollar, während der Quartalsumsatz mit rund 3,1 Millionen Dollar praktisch stagnierte.

Wer nur auf die Auftragsseite blickt, könnte begeistert sein: Die Buchungen im ersten Halbjahr 2026 sprangen um 1.120 Prozent auf 35,5 Millionen Dollar, die noch nicht als Umsatz verbuchten Auftragsbestände (Remaining Performance Obligations) kletterten um 668 Prozent auf 40,7 Millionen Dollar. Das ist beeindruckend – aber es bleibt eben ein Versprechen auf die Zukunft, kein Beleg für heutige Ertragskraft.

Der Halbjahresumsatz sank sogar um 67 Prozent auf 5,9 Millionen Dollar, weil im Vorjahr ein einmaliger Systemverkauf über 13,7 Millionen Dollar für Rückenwind gesorgt hatte.

Positiv ist aus meiner Sicht die Verschiebung der Kundenstruktur: 67,7 Prozent des Halbjahresumsatzes kamen von kommerziellen Kunden, gegenüber nur 16,0 Prozent im Vorjahr. Fast die Hälfte des Umsatzes stammte von Forbes-Global-2000-Konzernen, ein Sprung von 7,5 auf 48,5 Prozent.

Wer der These folgt, dass Quantencomputing sich schrittweise aus der Forschungsnische in reale Unternehmensanwendungen bewegt, findet hier ein Indiz dafür. Doch die Kasse schmilzt: Die liquiden Mittel sanken zum 30. Juni auf 546,2 Millionen Dollar, ein Drittel weniger als vor einem Jahr – zu über 90 Prozent eine Folge der Übernahme von Quantum Circuits.

Führungswechsel zur Unzeit

Ausgerechnet in dieser Phase verkündete D-Wave am 25. August, dass Finanzchef John Markovich nach fünf Jahren zum 2. September in den Ruhestand geht. Übergangsweise übernimmt Greg Golkov, bisher SVP Finance, den Posten kommissarisch.

Der Markt reagierte prompt: Innerhalb einer Woche verlor die Aktie 16,6 Prozent. Für mich ist das ein nachvollziehbares Signal von Unsicherheit, weniger ein Urteil über die strategische Ausrichtung.

Wenige Tage zuvor, am 17. August, hatte D-Wave mit Kevan P. Krysler, aktuell CFO bei Carbon Robotics, einen erfahrenen Finanzmann in den Aufsichtsrat geholt. Das lässt sich als Versuch lesen, die Finanzkompetenz im Kontrollgremium zu stärken – ausgerechnet dann, wenn an der operativen Spitze eine Lücke entsteht.

Auf der Technologieseite gibt es unterdessen handfeste Fortschritte: NTT DOCOMO hat am 18. August eine zweite produktive Quantenanwendung von D-Wave in seinem Mobilfunknetz ausgerollt, zur Optimierung von Tracking Area Lists.

Zudem erhielt das Unternehmen im August 300.000 kanadische Dollar vom National Research Council of Canada zur Entwicklung von Graph-Embedding-Algorithmen, die in das Ocean-SDK einfließen sollen. Solche Meldungen zeigen: Die Technologie findet Abnehmer, wenn auch bislang in überschaubaren Dimensionen.

Mein Fazit

Zacks Research stufte die Aktie am 21. August von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurück – ein Schritt, der zur insgesamt vorsichtigeren Stimmung passt. Charttechnisch notiert das Papier mit einem RSI von 37,9 nahe überverkauftem Terrain, unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 17,00 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,80 Euro.

Unterm Strich sehe ich D-Wave als Wette auf eine ferne technologische Zukunft, die sich zunehmend gegen eine unmittelbare finanzielle Gegenwart behaupten muss. Der explodierende Auftragsbestand spricht für die langfristige These, der wachsende operative Verlust und der Führungswechsel an der Finanzspitze sprechen für Vorsicht.

Bis die Buchungen tatsächlich in Umsätze übersetzt werden, dürfte die Aktie volatil bleiben – die 30-Tage-Volatilität von 107 Prozent liefert dafür schon jetzt einen Beleg. Der Blick auf die Zahlen zum dritten Quartal, angesetzt für den 5. November, wird zeigen, ob Golkov als kommissarischer CFO für Stabilität sorgen kann.

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Diskussion zu D-Wave Quantum

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.