D-Wave Quantum steckt in einem seltsamen Widerspruch. Wall Street überschlägt sich mit Kurszielen weit über dem aktuellen Niveau. Die Aktie selbst tut sich schwer, diesen Optimismus zu bestätigen.
Am Mittwoch notierte das Papier bei 15,59 Euro, ein moderates Plus von 0,68 Prozent. Vom Rekordhoch aus dem Oktober 2025 bei 38,48 Euro trennen die Aktie fast 60 Prozent. Zwischen der jüngsten AT&T-Rally und einem heftigen Rücksetzer liegt gerade einmal eine Woche.
Analysten überbieten sich mit Kurszielen
Die Investmentbank Benchmark hat die Coverage für D-Wave Quantum neu gestartet, mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 30 US-Dollar. CEO Alan Baratz wertet die Ausweitung der AT&T-Partnerschaft als Beweis dafür, dass die Annealing-Technologie den Sprung vom Proof-of-Concept zur echten Produktionsanwendung schafft. Benchmark startete gleichzeitig auch IonQ und Rigetti Computing mit Kaufempfehlungen, mit Kurszielen von 60 beziehungsweise 25 US-Dollar.
Andere Häuser zogen nach. Stifel bestätigte seine Kaufempfehlung und ein Kursziel von 35 US-Dollar. Rosenblatt hielt an seinem Kursziel von 43 US-Dollar fest, merkte aber an, dass die AT&T-Ankündigung keinerlei Finanzkennzahlen enthielt. Mizuho hob sein Kursziel auf 35 US-Dollar an und verwies auf Fortschritte bei der Produkt-Roadmap.
Insgesamt kommt D-Wave Quantum bei 15 befragten Analysten auf eine „Strong Buy“-Einstufung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 37,05 US-Dollar, die Spanne reicht von 22 bis 45 US-Dollar. Das wäre mehr als das Doppelte des aktuellen Kurses.
Rücksetzer nach der Rally
Der Höhenflug rund um AT&T fand ein jähes Ende. Am 28. Juli fiel die Aktie um 9,4 Prozent, nachdem sie tags zuvor durch die AT&T-Nachrichten und den ersten Handelstag an der Nasdaq kräftig zugelegt hatte. Händler nutzten die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen, ein neuer negativer Auslöser war nicht erkennbar.
Parallel dazu sorgten Insider-Verkäufe für Aufmerksamkeit. Personalchefin Sophie Ames verkaufte am 20. Juli Aktien im Wert von gut 52.000 US-Dollar. Kurz zuvor, am 14. Juli, hatte bereits CEO Alan Baratz gut 52.000 Aktien abgegeben. Das Unternehmen erklärte diesen Verkauf als automatischen Vorgang zur Deckung von Steuerpflichten aus vestenden Restricted Stock Units.
Die Kluft zwischen Kurszielen und Zahlen
Skeptiker stellen die fundamentale Basis der Rally infrage. Die AT&T-Kooperation bleibt bislang explorativ. Ein bestätigter Umsatzeffekt oder eine Produktionsanwendung fehlt noch. Für das zweite Quartal 2026 erwarten Analysten gerade einmal vier Millionen US-Dollar Umsatz.
Bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 6,35 Milliarden Euro rechnen Analysten für das Gesamtjahr 2026 mit nur 43 Millionen US-Dollar Umsatz. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate liegt bei über 480 – ein Wert, den Bären als klares Warnsignal lesen.
Bullische Stimmen halten dagegen: D-Wave verfügt über eine Barreserve von 588,4 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen Buchungen von 33,4 Millionen US-Dollar aus dem ersten Quartal 2026. Diese Kombination gibt dem Unternehmen finanziellen Spielraum, selbst wenn sich kommerzielle Erfolge noch hinziehen.
Der Blick auf den 6. August
Die Aktie notiert derzeit 22 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Diese Distanz zeigt, wie unsicher der Markt die kurzfristige Richtung einschätzt. Genau hier setzt der nächste Termin an.
Am Donnerstag, den 6. August, legt D-Wave Quantum vor Handelsbeginn die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Um 8:00 Uhr Eastern Time folgt die Telefonkonferenz mit dem Management. Diese Zahlen dürften zeigen, ob die AT&T-Partnerschaft tatsächlich erste Umsätze bringt oder ob sie vorerst ein Versprechen bleibt.
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