Fast eine Milliarde Dollar. So viel haben Insider bei D-Wave, IonQ und Rigetti seit Mitte Juli 2021 an eigenen Aktien verkauft. Eine Analyse von Motley Fool vom 22. Juli beziffert die Summe auf gut 988 Millionen Dollar – und wirft neues Licht auf die Quantencomputer-Branche, die an der Börse seit Monaten für Aufsehen sorgt.
D-Wave-Aktien kosten am Donnerstag 15,32 Euro, ein Plus von 0,99 Prozent zum Vortag. Der Kurs bleibt damit weit entfernt von seinem 52-Wochen-Hoch bei 38,48 Euro aus dem Oktober 2025 – aktuell liegt er 60 Prozent darunter. Wer die Aktie im Juli 2024 kaufte, sitzt trotzdem auf einem Kursgewinn von fast 1.500 Prozent. Genau dieser Wertzuwachs hat Firmeninsidern reichlich Gelegenheit gegeben, Gewinne zu realisieren.
CEO Baratz verkauft für fast eine Million Dollar
D-Wave-CEO Alan Baratz gehörte zuletzt zu den Verkäufern. Eine Form-4-Meldung vom 19. Juli zeigt: Baratz veräußerte 52.320 Aktien im Wert von rund 976.000 Dollar, bewertet zum Transaktionskurs vom 14. Juli.
Die Meldung stellt klar, worum es sich handelte. Es war ein sogenannter Sale-to-Cover-Verkauf – keine freie Marktentscheidung, sondern ein Pflichtverkauf zur Deckung der Steuerlast aus vestenden RSUs. Ein Hinweis auf eine veränderte Einschätzung des Managements zum eigenen Unternehmen lässt sich daraus nicht ableiten. Nach dem Verkauf hält Baratz weiterhin rund 3,2 Millionen Aktien direkt, darunter 1.137.257 noch nicht vestete Restricted Stock Units.
Auch eine weitere Insiderin bewegte sich am Markt. Sophie C. Ames reichte eine Form-144-Meldung ein, mit der sie den Verkauf von bis zu 3.070 Aktien über J.P. Morgan Securities an der NYSE ankündigt, handelbar ab dem 20. Juli. Bereits am 20. Mai hatte Ames 23.025 D-Wave-Aktien verkauft.
Verluste trotz Wachstum
Die Verkäufe fallen in eine Phase, in der D-Wave finanziell noch weit von der Profitabilität entfernt ist. Zum Zeitpunkt der Juli-Meldung wies das Unternehmen einen Zwölfmonatsumsatz von 12,4 Millionen Dollar aus – bei einem Nettoverlust von 368 Millionen Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet 5,43 Milliarden Euro.
Bemerkenswert ist der geringe Anteil der Insider am Unternehmen selbst. Zusammengerechnet halten alle gemeldeten Insider nur 0,88 Prozent der Aktien. Die Verkäufe einzelner Führungskräfte verändern diese ohnehin kleine Basis kaum.
Charttechnisch zeigt die Aktie Schwäche. Der RSI steht bei 36,5 und nähert sich überverkauftem Terrain. Auf 30-Tage-Sicht verlor die Aktie 30,31 Prozent, auf Jahressicht steht ein Minus von 32,37 Prozent zu Buche.
Börsenwechsel und Zahlen stehen bevor
Die Verkäufe der Insider fallen in eine ohnehin ereignisreiche Woche für D-Wave. Das Unternehmen wechselt sein Listing von der NYSE zur Nasdaq – der Handel unter demselben Ticker soll nach Börsenschluss am 24. Juli beginnen und ab dem 27. Juli an der neuen Börse starten.
Kurz darauf folgt der nächste Prüfstein. Anfang August legt D-Wave seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Sale-to-Cover-Transaktionen im Zuge von RSU-Vestings sind in der Tech-Branche gängige Praxis und für sich genommen kein Alarmsignal. Das Volumen der Insiderverkäufe über die gesamte Quantencomputer-Branche hinweg, das sich der Milliardengrenze nähert, dürfte bei einigen Anlegern dennoch die Frage aufwerfen, wie viel vom aktuellen Bewertungsniveau durch tatsächliches Geschäft gedeckt ist.
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