Innerhalb weniger Tage hat D-Wave Quantum zwei staatliche Finanzierungszusagen eingesammelt. Das treibt den Kurs — und zeigt, wie ernst die USA das Thema Quantencomputing inzwischen nehmen.
Zweite Förderrunde für Qubit-Fertigung
D-Waves Tochtergesellschaft Quantum Circuits hat eine zweite Jahresförderung für das SQFab-Projekt erhalten. Das Kürzel steht für „Improved Materials for Superconducting Qubits with Scalable Fabrication“. Den Zuschlag erteilt hat NORDTECH, ein regionaler Konsortium für Halbleiterforschung, im Rahmen des Microelectronics Commons-Programms.
Das Programm läuft über das Naval Surface Warfare Center Crane Division. Ziel ist es, den Sprung von der Laborforschung zur industriellen Fertigung zu schaffen. Im ersten Projektjahr hat D-Wave wichtige Meilensteine bei Design und Charakterisierung von Quantenkomponenten erreicht. Jetzt geht es um dielektrische Materialien, Grenzflächenkontrolle und dichte Packaging-Lösungen — alles mit dem Ziel, mehr Qubits bei längeren Kohärenzzeiten zu ermöglichen.
100 Millionen Dollar vom Handelsministerium
Nur fünf Tage zuvor hatte D-Wave eine noch größere Zusage erhalten. Am 21. Mai unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit dem US-Handelsministerium über vorgeschlagene 100 Millionen Dollar aus dem CHIPS and Science Act.
Die Bedingungen sind ungewöhnlich: Die Regierung würde keine Barüberweisung leisten, sondern Aktien im Gegenwert von 100 Millionen Dollar erhalten. Das Kapital soll die Skalierung von Annealing- und Gate-Modell-Systemen in Forschungszentren in Florida, Connecticut und Kanada beschleunigen. Das erklärte Ziel: ein 100.000-Qubit-Annealing-System und ein 10.000-Qubit-Gate-Modell-System.
Kurs mit Tempo, aber auch Risiken
Der Markt hat auf die Nachrichten reagiert. Allein in den vergangenen sieben Tagen legte die Aktie rund 62 Prozent zu. Der RSI liegt bei 70 — technisch bereits im überkauften Bereich. Die annualisierte Volatilität beträgt derzeit fast 144 Prozent, was das Papier klar als hochspekulativ einordnet.
Operativ lieferte D-Wave im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 Rekord-Buchungen von 33,4 Millionen Dollar. Der Umsatz blieb allerdings hinter einigen Markterwartungen zurück.
Konferenz und nächste Schritte
Am 18. Juni findet in London die Nutzerkonferenz Qubits Europe 2026 statt. Dort will D-Wave Praxisanwendungen und technische Updates zur Dual-Plattform-Strategie vorstellen.
Kurzfristig entscheidend bleibt die Finalisierung der CHIPS-Act-Förderdokumente. Erst wenn die Absichtserklärung in einen unterschriebenen Vertrag mündet, wird aus dem 100-Millionen-Versprechen harte Finanzierungsrealität.
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