D-Wave Quantum bekommt in dieser Woche viel Anerkennung. An der Börse hilft das kaum. Die Aktie schließt am Freitag bei 17,59 Euro, ein Minus von 5,17 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Wochensicht steht ein Verlust von 11,63 Prozent zu Buche.
Auszeichnungen bringen keine Kursstütze
Die Woche beginnt eigentlich vielversprechend. Das Marktforschungsinstitut IDC stuft D-Wave im „Worldwide Quantum Computing 2026 Vendor Assessment“ als „Leader“ ein. Nur ein weiteres Unternehmen erreicht diese Kategorie.
Die Zahlen dahinter klingen stark. Kunden haben mehr als 200 Millionen Probleme über D-Waves Quantensysteme berechnen lassen. Die Nutzung der Advantage2-Plattform steigt im Jahresvergleich um 314 Prozent, der Hybrid-Solver Stride legt binnen sechs Monaten um 114 Prozent zu.
Der Markt honoriert das nicht. Am 7. Juli fällt die Aktie um 6,58 Prozent. Händler führen den Rückgang auf eine breite Schwäche im gesamten Quantencomputing-Sektor zurück, nicht auf unternehmensspezifische Nachrichten.
Kurz darauf meldet D-Wave zusätzliche staatliche Unterstützung. Die US-amerikanische National Science Foundation gewährt dem Unternehmen einen Zuschuss von 1,57 Millionen Dollar über das National Quantum Virtual Laboratory-Programm. Das Geld fließt in das ERASE-Projekt, das fehlertolerante Quantencomputer entwickeln soll und von der Yale University geleitet wird. CEO Alan Baratz betont, der Zuschuss unterstreiche die nationale Bedeutung des Vorhabens.
Ein neuer Rivale aus Europa drängt an die Börse
Der eigentliche Belastungsfaktor der Woche kommt von außen. Das finnische Unternehmen IQM Quantum Computers startet am 2. Juli unter dem Ticker IQMX an der Nasdaq. Es ist das erste europäische Quantencomputing-Unternehmen an einer großen US-Börse.
IQM bringt handfeste Argumente mit. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben weltweit 23 Quantencomputer verkauft, mehr als jeder andere Hersteller. Nach dem Börsengang verfügt IQM über eine Kassenposition von 337 Millionen Euro für die nächste Wachstumsphase.
Analysten werten den Börsengang als zusätzliche Bedrohung für D-Wave und Rigetti. Der Wettbewerb im Sektor verschärft sich, gleichzeitig bekommen Anleger mehr Auswahl unter reinrassigen Quantencomputing-Werten. Bemerkenswert: IQM weist für 2025 einen Umsatz von 31 Millionen Euro aus. Das ist eine ungewöhnlich konkrete Geschäftszahl in einem Sektor, in dem die meisten Konkurrenten Verluste und kaum Umsätze melden.
Der ganze Sektor gerät unter Druck
D-Waves Schwäche ist kein Einzelfall. Im Juni verlieren alle drei großen US-notierten Quantencomputing-Werte deutlich: IonQ 25 Prozent, Rigetti 24 Prozent, D-Wave 21 Prozent. Die Stimmung kippt schnell, nachdem die Kurse zuvor im Jahresverlauf stark gelaufen waren.
Die Bewertungen bleiben trotz der Korrektur hoch. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei IonQ bei rund 109, bei Rigetti bei 836 und bei D-Wave bei 791. Solche Multiplikatoren setzen hohe Erwartungen an künftiges Wachstum voraus.
Auf Unternehmensebene wirft der jüngste Quartalsbericht weiter Schatten. Der Umsatz im ersten Quartal sinkt auf 2,86 Millionen Dollar, ein Rückgang von 81 Prozent zum Vorjahr. Der Rückgang ist allerdings vor allem ein Basiseffekt: Im Vorjahresquartal hatte ein einmaliger Systemverkauf über 12,6 Millionen Dollar den Vergleichswert nach oben gezogen.
Positiver sieht es bei den Auftragseingängen aus. Diese steigen auf 33,40 Millionen Dollar, ein Plus von fast 2.000 Prozent. Getragen wird das Wachstum von einem 20-Millionen-Dollar-Deal mit der Florida Atlantic University und einer 10-Millionen-Dollar-Vereinbarung mit einem Fortune-100-Unternehmen für Quantencomputing-as-a-Service. Der bereinigte EBITDA-Verlust weitet sich jedoch deutlich aus, von minus 6,1 Millionen auf minus 32,8 Millionen Dollar. Die operativen Kosten nach GAAP klettern um 125 Prozent.
Die Aktie notiert inzwischen rund 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 20,70 Euro und etwa 55 Prozent unter dem Jahreshoch von 38,48 Euro aus dem Oktober 2025. Der RSI von 39 signalisiert keine akute Überverkauft-Situation, deutet aber auf anhaltend schwache Dynamik hin.
Der nächste Quartalsbericht Anfang August dürfte zur Weichenstellung werden. Dann zeigt sich, ob die starken Auftragseingänge tragfähig sind oder ob der Markt die Aktie stärker an den langen Zeithorizont bis zur kommerziellen Reife von Quantencomputern anpasst, den Kritiker seit Monaten betonen.
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