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D-Wave Quantum Aktie: 40,7 Millionen Dollar Auftragsbestand

D-Wave verfehlt Umsatzerwartungen, verzeichnet aber ein massives Auftragsplus von 1.120 Prozent. Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzverfehlung im zweiten Quartal
  • Auftragseingang steigt um 1.120 Prozent
  • Analysten starten mit Kaufempfehlungen
  • Nature-Publikation bestätigt Technologiefortschritt

D-Wave Quantum steckt gerade in einem Widerspruch, der für mich den Kern der Investmentstory ausmacht: Das operative Geschäft wächst mit einer Wucht, die kaum ein anderes Quantencomputing-Unternehmen vorweisen kann – und trotzdem verfehlt die Firma die Umsatzerwartungen der Analysten deutlich. Wer heute auf die Aktie schaut, muss diese beiden Realitäten zusammenbringen.

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal, veröffentlicht am Donnerstag vergangener Woche, sind auf den ersten Blick ernüchternd: 3,08 Millionen Dollar Umsatz statt der erwarteten 4,03 Millionen, ein GAAP-Nettoverlust von 48,0 Millionen Dollar beziehungsweise 0,13 Dollar pro Aktie gegenüber einer Konsensschätzung von 0,10 Dollar Verlust. Das ist unbestreitbar eine verpasste Erwartung, und der Markt hat das auch so bewertet.

Der Buchungsboom als eigentliche Botschaft

Für mich liegt die eigentliche Nachricht aber nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern im Auftragseingang. Im ersten Halbjahr summierten sich die Buchungen auf 35,5 Millionen Dollar – ein Plus von 1.120 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Getragen wurde dieser Sprung maßgeblich von einem 20-Millionen-Dollar-Systemverkauf an die Florida Atlantic University. Zum 30. Juni stand zudem ein Auftragsbestand von 40,7 Millionen Dollar in den Büchern, wovon rund 57 Prozent innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz verbucht werden sollen.

Diese Diskrepanz zwischen Buchungswachstum und Umsatzausweis ist typisch für ein Unternehmen, das gerade den Sprung von Pilotprojekten zu größeren Systemverkäufen vollzieht. Wer daraus schließt, das Geschäftsmodell trage nicht, greift meines Erachtens zu kurz. Wer aber glaubt, der Buchungsboom lasse sich beliebig in Umsatzwachstum übersetzen, unterschätzt die Unsicherheit der Timing-Frage.

Analysten uneins, aber überwiegend zuversichtlich

Die Reaktionen der Analysten in dieser Woche zeichnen ein interessantes Bild. Wedbush Securities nahm die Coverage am Montag mit „Outperform“ und einem Kursziel von 40,00 Dollar auf, mit Verweis auf die duale Plattformstrategie und die kommerzielle Adoption.

Benchmark startete am selben Tag mit „Buy“ und einem Ziel von 30,00 Dollar, unter Verweis auf den massiven Buchungsanstieg. Rosenblatt Securities bekräftigte am Montag nach den Quartalszahlen seine „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 43,00 Dollar.

Bemerkenswert finde ich, dass selbst die kritischeren Stimmen an der grundsätzlichen Kaufeinstufung festhalten – nur die Kursziele werden nach unten korrigiert, wenn die Umsatzseite enttäuscht. Das spricht dafür, dass die Substanz des Geschäfts – Technologie, Kundenbasis, Auftragspipeline – von der Analystengemeinde ernster genommen wird als die kurzfristige Quartalsvolatilität.

Technologie und Partnerschaften untermauern die These

Auf der technologischen Seite liefert D-Wave zusätzliche Argumente. Anfang des Monats veröffentlichte das Unternehmen Forschungsergebnisse im Fachjournal Nature, die für ein Zwei-Qubit-Gate der eigenen Dual-Rail-Erasure-Qubit-Architektur eine Fidelität von 99,9 Prozent und Gate-Zeiten von 500 Nanosekunden belegen. Das ist kein Marketing-Claim, sondern eine peer-reviewte Bestätigung technischer Fortschritte.

Auch auf der Kommerzialisierungsseite tut sich etwas: AT&T erweiterte Ende Juli ein bestehendes Abkommen zum Einsatz der Annealing-Technologie für Netzwerkbetrieb, darunter Techniker-Routing und Ausfallerkennung.

Nasdaq Verafin kooperiert seit Anfang August mit D-Wave an Anwendungen zur Erkennung von Finanzkriminalität. Zudem erhielt das Unternehmen eine Förderung von bis zu 300.000 kanadischen Dollar vom National Research Council of Canada für die Weiterentwicklung von Graph-Minor-Embedding-Algorithmen.

Kursbild spiegelt die Unsicherheit

Der Kurs notiert aktuell bei 17,87 Euro und legt am heutigen Mittwoch um 2,00 Prozent zu. Auf Sicht von zwölf Monaten steht die Aktie mit 12,67 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn aber mit 21,14 Prozent im Minus – ein Beleg dafür, wie volatil die Neubewertung von Quantencomputing-Werten ausfällt.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 40,41 Euro trennen das Papier noch 55,78 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 60,63 Prozent liegt. Diese Bandbreite zeigt: Der Markt hat die Story noch nicht final eingepreist.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für einen langfristig konstruktiven Blick, auch wenn die kurzfristige Volatilität hoch bleiben dürfte. Der Buchungsboom, die Nature-Publikation und die wachsende Kundenbasis von AT&T bis Florida Atlantic University sprechen für ein Unternehmen, das den Sprung von der Forschungsphase in die Kommerzialisierung schafft.

Die verfehlten Umsatzschätzungen und der anhaltende Nettoverlust erinnern aber daran, dass diese Transformation noch nicht abgeschlossen ist – und dass die Bewertung der Aktie diesen Weg bereits ein gutes Stück vorwegnimmt.

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Diskussion zu D-Wave Quantum

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.