D-Wave Quantum hat in den vergangenen Wochen mehrere positive Unternehmensnachrichten vermelden können – an der Börse schlägt sich das bislang kaum nieder. Die Aktie des Quantencomputing-Spezialisten notiert am heutigen Freitag bei 14,67 Euro und legt um 1,8 Prozent zu, bleibt damit aber auf Monatssicht deutlich im Minus.
CHIPS-Act-Vereinbarung als jüngster Baustein
Am Dienstag hat D-Wave die endgültige Vereinbarung mit dem US-Handelsministerium über eine Förderung von bis zu 100 Millionen US-Dollar aus dem CHIPS and Science Act unterzeichnet. Im Gegenzug erhält die US-Regierung eine Minderheitsbeteiligung ohne Kontrollrechte an dem Unternehmen.
Die Mittel sollen die Entwicklung eines Annealing-Systems mit 100.000 Qubits sowie eines Gate-Modell-Systems mit 10.000 Qubits unterstützen, das 100 logische Qubits ermöglichen soll, die mehr als eine Million Operationen ausführen können.
D-Wave ist eines von drei Unternehmen – neben Rigetti und Quantinuum –, die im Rahmen dieses Förderpakets insgesamt 300 Millionen US-Dollar an Forschungs- und Entwicklungszuschüssen erhalten.
Die Förderzusage reiht sich in eine Serie von Meldungen ein, die D-Wave in den vergangenen Wochen platziert hat, ohne dass sich daraus bislang ein nachhaltiger Kursimpuls ergeben hätte. Seit der Finalisierung der Vereinbarung vor drei Tagen hat die Aktie um 1,8 Prozent zugelegt – ein moderater Effekt angesichts der Größenordnung der zugesagten Fördersumme.
Personalwechsel an der Finanzspitze
Vor gut einer Woche hatte D-Wave zudem den Rückzug von Finanzchef John Markovich zum 2. September bekanntgegeben. Sein Ausscheiden sei nicht auf Meinungsverschiedenheiten über die Geschäftsführung, den Betrieb oder die Finanzberichterstattung zurückzuführen, teilte das Unternehmen mit.
Interimistisch übernimmt Greg Golkov, Senior Vice President Finance, die Position als amtierender CFO. Golkov bringt nach Unternehmensangaben mehr als 25 Jahre Erfahrung in Finanzen und Rechnungswesen mit und leitet seit Mai 2023 die Bereiche Buchhaltung, SEC-Berichterstattung, Finanzplanung, Treasury und Steuern bei D-Wave. Seit dieser Ankündigung hat die Aktie um 3,1 Prozent zugelegt.
Kooperation mit NTT Docomo bereits im August bestätigt
Bereits Mitte August hatte der japanische Netzbetreiber NTT Docomo mitgeteilt, eine zweite auf D-Wave-Technologie basierende Quantenanwendung in den produktiven Betrieb überführt zu haben.
Die Anwendung senkte den Angaben zufolge die Zahl der Standortregistrierungssignale zur Tagesspitzenzeit um 65,3 Prozent und reduzierte zugleich die Paging-Signale um 7,0 Prozent, was die Netzwerklast verringerte und die Betriebseffizienz verbesserte.
Der Erfolg unterstreicht, dass D-Wave über reine Forschungsprojekte hinaus bereits kommerzielle Anwendungen im Telekommunikationssektor in den Praxiseinsatz bringt.
Kursverlauf spiegelt Nachrichtenflut nicht wider
Trotz der Häufung positiver Meldungen aus Förderpolitik, Kundenbeziehungen und operativem Geschäft bleibt die Aktie seit Jahresbeginn um 35 Prozent im Minus. Auch auf Sicht der vergangenen 30 Tage steht ein Rückgang von 18 Prozent zu Buche.
Die Diskrepanz zwischen der Nachrichtenlage und der Kursentwicklung deutet darauf hin, dass Anleger die einzelnen Meldungen bislang eher isoliert bewerten, statt sie als Bestätigung einer übergeordneten Wachstumsstory zu interpretieren.
Die im August gemeldeten Quartalszahlen mit einem kräftigen Anstieg der Auftragseingänge hatten die Aktie ebenfalls nicht nachhaltig stützen können – seither steht ein Minus von 7,0 Prozent zu Buche.
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