Starke Technologie, schwache Kurse. Bei D-Wave Quantum prallen derzeit Zukunftsvisionen auf harte Marktrealitäten. Der gesamte Quantencomputing-Sektor durchlebt einen scharfen Rücksetzer. Investoren ziehen massiv Kapital aus hoch bewerteten Technologietiteln ab.
Rasanter Sektor-Absturz
Am Sonntag verlor D-Wave rund acht Prozent an Wert. Auch Konkurrenten wie IonQ und Rigetti gerieten unter die Räder. Der Grund ist simpel: Gewinnmitnahmen. Die Kurse stiegen zuletzt deutlich schneller als die tatsächlichen Umsätze.
Dieser Trend ruft institutionelle Beobachter auf den Plan. D-Wave bringt derzeit mehr als acht Milliarden US-Dollar auf die Waage. Das entspricht etwa dem 200-Fachen des geschätzten Jahresumsatzes.
Eine enorme Diskrepanz. Analysten erwarten für das laufende Geschäftsjahr Erlöse von knapp 43 Millionen US-Dollar. Im Folgejahr sollen es rund 86 Millionen werden. Die Geduld der Anleger schwindet offensichtlich. Sie schichten Kapital in weniger riskante Werte um.
Millionen-Aufträge und Staatshilfen
Operativ meldet das Unternehmen durchaus Erfolge. Der Auftragsbestand wuchs im ersten Quartal spürbar. D-Wave verkaufte ein System an die Florida Atlantic University für 20 Millionen US-Dollar. Hinzu kommt ein Cloud-Vertrag mit einem Großkunden über zehn Millionen US-Dollar.
Parallel dazu fließen staatliche Fördergelder. D-Wave sicherte sich 1,57 Millionen US-Dollar der National Science Foundation. Das Unternehmen liefert Bauteile für ein Forschungsprojekt der Yale-Universität.
Unter dem sogenannten CHIPS-Gesetz winken dem Konzern 100 Millionen US-Dollar. Die US-Regierung macht massiven Druck. Ein Präsidentenerlass fordert funktionsfähige Quantencomputer für staatliche Labore bis 2028. Ein weiterer Erlass erzwingt neue kryptografische Standards der Bundesbehörden bis spätestens 2031.
Tiefer Fall vom Jahreshoch
Die Aktie schloss am Freitag bei 19,91 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf rund 17 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch ist das Papier mittlerweile fast 50 Prozent entfernt.
D-Wave bleibt ein hochvolatiles Investment. Die Schwankungsbreite der vergangenen 30 Tage liegt bei enormen 92 Prozent. Das weitere Kurspotenzial hängt nun direkt an den Fördergeldern. Fließen die in Aussicht gestellten Regierungsmittel zeitnah, könnte das den Kurs auf diesem Niveau stabilisieren.
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