Eine Wochenbewegung von fast 58 Prozent — und dahinter steckt mehr als Euphorie. D-Wave Quantum hat eine Absichtserklärung über 100 Millionen Dollar aus dem US-CHIPS and Science Act unterzeichnet. Der entscheidende Haken: Washington würde dafür Aktionär.
Bundesregierung als Miteigentümer
Das US-Handelsministerium plant, im Rahmen des CHIPS-Programms neun Absichtserklärungen über insgesamt 2,013 Milliarden Dollar zu vergeben. D-Waves Anteil von 100 Millionen Dollar ist für die Weiterentwicklung von Annealing- und Gate-Modell-Quantencomputern vorgesehen — konkret für höhere Qubit-Zahlen, niedrigere Fehlerraten und verbesserte Kohärenz.
Die Finanzierungsstruktur ist ungewöhnlich. Das Handelsministerium würde als Bedingung eine nicht-kontrollierende Minderheitsbeteiligung erhalten. D-Wave würde dafür neue Stammaktien im Wert von 100 Millionen Dollar ausgeben. Das ist kein klassischer Zuschuss — es ist eine Kapitalerhöhung zugunsten des Staates.
Für bestehende Aktionäre bedeutet das: Bundesunterstützung für das Technologieprogramm auf der einen Seite, Verwässerung auf der anderen. Die endgültige Auszahlung hängt noch von der Unterzeichnung definitiver Vertragsdokumente ab.
Ehrgeizige Hardware-Ziele
Mit dem Kapital will D-Wave ein 100.000-Qubit-Annealing-System und ein 10.000-Qubit-Gate-Modell-System entwickeln. Das Unternehmen gibt an, dass das Gate-Modell-System bei 10.000 physischen Qubits kommerzielle Reife erreicht und damit 100 logische Qubits ermöglicht.
Die Entwicklungsarbeit soll an drei Standorten stattfinden: einem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Boca Raton, Florida, sowie bestehenden Standorten in New Haven, Connecticut und Burnaby, British Columbia. IBM erhält aus demselben Programm rund eine Milliarde Dollar für eine supraleitende Wafer-Foundry, GlobalFoundries 375 Millionen Dollar für sichere Foundry-Kapazitäten.
Starke Buchungen, schwache Umsätze
Das Kursfeuerwerk trifft auf ein gemischtes Quartalsbild. Im ersten Quartal 2026 meldete D-Wave Auftragseingänge von 33,4 Millionen Dollar — ein Anstieg von knapp 2.000 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz brach dagegen um 81 Prozent auf 2,9 Millionen Dollar ein.
Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen lagen zum 31. März bei 42,4 Millionen Dollar, nach 6,4 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Die Liquiditätsposition ist mit rund 588 Millionen Dollar in Cash und marktfähigen Wertpapieren komfortabel.
Die Aktie notiert aktuell bei 25,82 Euro und hat seit ihrem 52-Wochen-Tief von 11,32 Euro mehr als 128 Prozent zugelegt. Mit einem RSI von 70 und einer annualisierten Volatilität von über 148 Prozent ist die Bewegung technisch bereits überhitzt.
Da der US-Aktienmarkt am Montag wegen Memorial Day geschlossen bleibt, haben Anleger bis Dienstag Zeit, die Rallye neu zu bewerten. Der nächste konkrete Prüfstein ist die Unterzeichnung der endgültigen Förderdokumente — erst dann wird klar, zu welchen genauen Konditionen Washington Aktionär wird.
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