Kein klarer Trend am Dienstag: Der Shanghai Shenzhen CSI 300 notierte gegen 14:25 Uhr CST bei 4.898,14 Punkten und legte damit verhalten um 0,13 Prozent zu. Der Leitindex durchlief einen volatilen Handelstag, dominiert von einer massiven Lücke zwischen Wachstumssektoren und der schwächelnden Binnennachfrage.
Trotz einer stabilen Industrieproduktion zog der Einzelhandel die Stimmung nach unten. Die offiziellen Daten für Mai zeigen den ersten Rückgang der Einzelhandelsumsätze seit über drei Jahren. Hinzu kommt ein beschleunigter Preisverfall bei Neubauten.
Das machte den Anlegern zu schaffen. Der Index fiel zunächst auf sein Tagestief von 4.879 Zählern, erholte sich aber rasch. Zwischenzeitlich erreichte der CSI 300 sogar 4.908 Punkte. Die Rettung kam von den Technologiewerten und den Sektoren für neue Energien.
Seltene Erden und Tech als Zugpferde
Der Markt spaltete sich heute deutlich auf. Der Index für Seltene Erden legte fast vier Prozent zu, der Bereich Neue Energien gewann 2,9 Prozent – beflügelt von positiven politischen Signalen aus Peking. Die Informationstechnologie zog um 1,5 Prozent an und profitierte von einer regionalen Rally.
Auf der anderen Seite standen die schwergewichtigen Finanz- und Immobilienwerte massiv unter Druck. Der Immobilienindex brach um 2,4 Prozent ein. Einzelwerte wie die Industriekommerzbank China (ICBC) verloren 1,85 Prozent, der Luxusspirituosenhersteller Kweichow Moutai gab um 1,03 Prozent auf 1.258,01 CNY nach.
Damit zeigt sich ein klares Muster: Institutionelle Anleger rotieren aus Konsumtiteln – die heute 1,5 Prozent schwächer schlossen – und setzen stärker auf Hightech-Produktion. Analysten von ING rechnen angesichts der Konsumschwäche mit weiteren Impulsen aus dem Fünfjahresplan.
Technische Hürde bei 4.900 Punkten
Aus charttechnischer Sicht testet der CSI 300 aktuell die psychologisch wichtige Marke von 4.900 Punkten. Der Index notiert rund 2,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.030,52 Zählern, das Mitte Mai erreicht wurde.
Eine zusätzliche Belastung für die Kurse: Der am 15. Juni umgesetzte Rebalance des CSI 300 sorgt für institutionelle Umschichtungen. Das Handelsvolumen lag heute deutlich über dem 20-Tage-Durchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass sogenannte „Bridge Trades“ rund um den Indexumbau noch nicht abgeschlossen sind. Die Neuaufnahme von 19 Werten wie Xiamen Tungsten brachte sichtbar mehr Liquidität in den Markt.
Asiatische Vorgaben ohne klaren Impuls
Die regionale Entwicklung gab wenig Richtung vor. Während Japans Nikkei 225 nach der Zinserhöhung der Zentralbank um 0,8 Prozent auf ein neues Rekordhoch stieg, verlor der Hang Seng Index in Hongkong 1,3 Prozent. Die Abkühlung zeigt, dass die strukturellen Probleme Chinas – insbesondere der Immobilienmarkt – den Standort von anderen asiatischen Märkten abkoppeln.
Im Optionsmarkt für CSI-300-ETFs zeichnete sich ein leichter Anstieg der Absicherungsaktivitäten ab. Händler bereiten sich auf mögliche Schwankungen infolge der enttäuschenden Konjunkturdaten vor. In den letzten Handelsstunden bleibt der Index voraussichtlich in einer engen Spanne, während die Marktteilnehmer auf späte Interventionen oder klärende Aussagen aus Peking warten.
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