Ein Auftrag der italienischen Armee, ein neues Anti-Drohnen-Geschoss – und trotzdem geht es mit der Aktie weiter bergab. Bei Czechoslovak Group (CSG) klaffen operativer Erfolg und Börsenbewertung derzeit deutlich auseinander.
Die Tochtergesellschaft Fiocchi Munizioni hat am 14. Juli in Italien eine neue Munitionsklasse gegen Drohnen vorgestellt. Die Italienische Armee hat direkt einen ersten Auftrag erteilt – der Einstieg in den heimischen Markt für diese Technologie. Die Aktie reagierte darauf nicht. Am Mittwoch fiel der Kurs um 2,96 Prozent auf 13,51 Euro, nach einem Schlusskurs von 13,92 Euro am Vortag.
Wolfram-Geschosse für Standardgewehre
Das Konzept der neuen Munition ist einfach, aber wirkungsvoll: Ein Projektil für das gängige NATO-Kaliber 5,56×45 mm streut nach dem Verlassen des Laufs Wolfram-Kügelchen. Normale Infanterie-Einheiten können damit kleine Drohnen bekämpfen, ohne auf schwere Spezialwaffen angewiesen zu sein. Die effektive Reichweite gegen Luftziele liegt zwischen 10 und 70 Metern.
Getestet wurde die Munition gemeinsam mit dem italienischen Spezialkräfte-Kommando COFS und dem Kompetenzzentrum für Mini- und Mikro-Drohnenabwehr in Sabaudia. Erste öffentliche Auftritte gab es bereits im Februar auf der Messe Enforce Tac, im April folgte weitere Berichterstattung. Neu ist jetzt die lokale Präsentation in Italien samt Live-Demonstration und dem konkreten Bestellauftrag der Streitkräfte.
Aktie bleibt unter Druck
Der Kursverlauf von CSG seit dem Börsengang in Amsterdam im Januar 2026 liest sich wie eine Achterbahnfahrt. Das Listing bewertete den Rüstungskonzern zunächst mit rund 25 Milliarden Euro und brachte 3,8 Milliarden Euro Emissionserlös ein. In den ersten beiden Handelstagen sprang der Kurs um 31 Prozent nach oben.
Diese Euphorie ist längst verflogen. Ein Leerverkäufer-Bericht vom 4. Mai löste einen Kurseinbruch von 28 Prozent aus, von dem sich die Aktie bis heute nicht erholt hat. Aktuell steht die Marktkapitalisierung bei rund 13,91 Milliarden Euro – gut die Hälfte des ursprünglichen Börsenwerts.
Zum 52-Wochen-Tief von 12,20 Euro, aufgestellt am 26. Juni, hat der Titel noch etwas Abstand: Der aktuelle Kurs liegt gut 10 Prozent darüber. Zum Rekordhoch von 36,05 Euro aus dem Januar fehlen dagegen über 62 Prozent. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 15,29 Euro liegt spürbar über dem aktuellen Niveau – ein Signal, dass der kurzfristige Trend nach unten zeigt.
Die technischen Indikatoren zeichnen ein gemischtes Bild. Der RSI auf 14-Tage-Basis steht bei 42,4 und nähert sich damit neutralem Terrain, nach Wochen mit Abwärtsdruck. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität bleibt mit über 52 Prozent aber hoch – die Aktie bewegt sich also weiterhin heftig, nur eben ohne klare Richtung nach oben.
Rückenwind aus der Politik bleibt bestehen
Der europäische Rüstungssektor profitiert unterdessen von politischen Weichenstellungen, die CSG eigentlich in die Karten spielen sollten. Die NATO-Staaten haben beim Gipfel 2025 in Den Haag zugesagt, bis 2035 jährlich 5 Prozent ihres BIP für Verteidigung auszugeben. Die EU hat mit dem SAFE-Instrument zudem Kreditlinien von bis zu 150 Milliarden Euro für Verteidigungsinvestitionen der Mitgliedstaaten geschaffen, mit Fokus auf europäische Anbieter.
Für CSG bedeutet das: Die Nachfrageseite stimmt, neue Produkte wie die Anti-Drohnen-Munition treffen einen wachsenden Markt. Der Auftrag aus Italien zeigt, dass die operative Entwicklung des Unternehmens weitergeht, während die Aktie noch immer die Nachwirkungen des Leerverkäufer-Berichts vom Mai verdaut.
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