CSG N.V. hat mit dem Bau einer neuen Munitionsfabrik in den USA begonnen – ausgerechnet in einer Phase, in der die Aktie des Rüstungskonzerns an der Börse deutlich unter Druck steht. Der Spatenstich für den sogenannten Future Artillery Complex fiel auf den 15. Juli 2026, mitten in eine Woche, die für die US-Verteidigungsindustrie ohnehin von milliardenschweren Ankündigungen geprägt war.
Spatenstich am Iowa Army Ammunition Plant
Die neue Anlage entsteht auf dem Gelände des Iowa Army Ammunition Plant nahe Middletown. CSG realisiert das Projekt über ihre Tochtergesellschaft MSM North America, der ein Auftrag mit einem Volumen von bis zu 632 Millionen US-Dollar zugrunde liegt. Die Bauzeit ist mit rund 40 Monaten veranschlagt, die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen. Am Ende sollen dort monatlich 36.000 Granaten des Kalibers 155 Millimeter vom Band laufen, verbunden mit 70 neuen Arbeitsplätzen. Zur Zeremonie reiste die Gouverneurin von Iowa, Kim Reynolds, persönlich an – ein Signal für den politischen Stellenwert des Vorhabens auf lokaler Ebene.
Pentagon-Bericht offenbart Dringlichkeit
Der Zeitpunkt des Projektstarts ist kein Zufall. Ein Prüfbericht des Pentagon zeigt, wie weit die US-Artillerieproduktion hinter den eigenen Zielen zurückliegt: Statt der bis Oktober 2025 angepeilten 100.000 Granaten monatlich kam das Land bis März 2026 lediglich auf 36.000 Stück. Ein Auftragnehmer in Mesquite, Texas, lieferte dem Bericht zufolge nach sieben Monaten kein einziges konformes Teil, weil er auf veraltete Fertigungstechnik aus der Zeit des M107-Geschützes setzte. Auch ein Werk in Scranton kämpft mit Problemen. Bis September 2026 soll die Produktion immerhin auf 71.000 Granaten pro Monat steigen. Zum Vergleich: Rheinmetall allein fertigt dem Bericht zufolge 1,1 Millionen Granaten pro Jahr. Vor diesem Hintergrund gewinnt der CSG-Neubau an strategischer Bedeutung – er soll ein Stück der Lücke schließen, die andere US-Zulieferer bislang nicht füllen konnten.
Der Ausbau reiht sich zudem in ein breiteres Investitionspaket der US-Regierung ein. Beim Pennsylvania Defense and Innovation Summit hatte Präsident Trump kurz zuvor eine Zehn-Milliarden-Dollar-Investition in Munition, Schiffbau, Raumfahrt und Künstliche Intelligenz angekündigt, eingebettet in ein für das Haushaltsjahr 2027 angestrebtes Verteidigungsbudget von 1,5 Billionen US-Dollar.
Kurs bleibt trotz Auftragsschub unter Druck
An der Börse honoriert der Markt die Fortschritte bislang nicht. Die CSG-Aktie schloss am Donnerstag bei 13,78 Euro und liegt damit binnen 30 Tagen 7,38 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch von 36,05 Euro, erreicht am 26. Januar 2026, trennen das Papier inzwischen 61,78 Prozent. Der massive Kursverfall der vergangenen Monate steht damit in deutlichem Kontrast zur operativen Nachrichtenlage, die mit dem Milliardenauftrag in Iowa auf Wachstum ausgerichtet ist.
Fundamental steht CSG dabei nicht schlecht da: Der 1995 gegründete, in Prag ansässige Hersteller von Verteidigungsprodukten wies zuletzt einen Umsatz von 6,93 Milliarden Euro auf Zwölfmonatsbasis aus, bei einem Nettogewinn von 822,29 Millionen Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 40,67, während Analysten ein Kursziel von 31,55 Euro veranschlagen – deutlich über dem aktuellen Niveau. Ob der Iowa-Auftrag ausreicht, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, dürfte sich erst zeigen, wenn sich die anhaltende Skepsis gegenüber der Bewertung des Sektors insgesamt legt.
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