Starke Quartalszahlen, angehobene Jahresprognose, erster Aktiensplit der Unternehmensgeschichte — und trotzdem brach die CrowdStrike-Aktie zweistellig ein. Nun meldet sich Morgan Stanley mit einem neuen Kursziel zu Wort und liefert Kontext, warum der Ausverkauf das Gesamtbild nicht trübt.
Was die Quartalszahlen zeigten
Der Cybersicherheitskonzern meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 1,39 Milliarden Dollar — ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr und über dem Konsens von 1,36 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte auf 1,10 Dollar, nach 0,73 Dollar ein Jahr zuvor. Der Free-Cashflow-Margin erreichte 33,8 Prozent, rund 160 Basispunkte über den Erwartungen.
Die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) stiegen auf 5,51 Milliarden Dollar, wobei im Quartal ein Rekordwert von 255,8 Millionen Dollar an Net New ARR hinzukam. Besonders auffällig: Der AIDR-Bereich verzeichnete ein sequenzielles ARR-Wachstum von über 250 Prozent, mit einer bereits aufgebauten Pipeline für das zweite Quartal jenseits der 50-Millionen-Dollar-Marke.
Obendrein drehte das GAAP-Nettoergebnis erstmals in den positiven Bereich — 27,8 Millionen Dollar nach einem Verlust von 104,3 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Ein echtes Zeichen operativer Reife.
Warum der Kurs dennoch fiel
Der Markt strafte die Aktie ab, weil die Gesamtbetriebskosten auf 1,07 Milliarden Dollar stiegen — von 934,3 Millionen Dollar im Vorjahr. Hinzu kommt: Die Aktie war vor den Zahlen bereits rund 65 Prozent im laufenden Jahr gestiegen und notierte weit über dem durchschnittlichen Analystenziel. Ein Quartal, das die Erwartungen übertrifft, reicht nicht, wenn die Bewertung bereits aggressives Wachstum vorwegnimmt.
Bank of America fasste das Dilemma präzise zusammen: AI-Wachstum beschleunige die Nachfrage — die entscheidende Frage sei aber, ob der Aufschwung dauerhaft sei oder vorab konzentriert. Das Analysehaus hob sein Kursziel auf 750 Dollar, Bernstein verwies darauf, dass allein der Aktienkurs eine Empfehlung verhindere.
Morgan Stanley sieht Aufholpotenzial
Morgan Stanley erhöhte sein Kursziel von 610 auf 690 Dollar und behält das Übergewichten-Rating. Den Schlüssel sieht das Analysehaus in der Jahreszielanhebung: Die Guidance für Net New ARR im Geschäftsjahr 2027 stieg um 52 Millionen Dollar, obwohl das erste Quartal nur 7 Millionen Dollar über Plan lag. Das signalisiert, dass das Management im zweiten Halbjahr 2027 deutlich stärker wachsendes Geschäft erwartet.
Für das Gesamtjahr erwartet CrowdStrike nun einen Umsatz zwischen 5,91 und 5,96 Milliarden Dollar sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 4,88 bis 4,96 Dollar. Als Wachstumstreiber nennt CEO George Kurtz die Konvergenz von KI und Cybersicherheit — konkret Projekte wie QuiltWorks mit OpenAI und Anthropic sowie die Charlotte-AI-Plattform, entwickelt mit AWS, NVIDIA und OpenAI.
Der angekündigte Vier-für-eins-Aktiensplit tritt mit Stichtag 25. Juni in Kraft; der splitbereinigte Handel soll ab dem 2. Juli beginnen. Ob der niedrigere nominale Kurs neue Käuferschichten anzieht, entscheidet sich wohl spätestens dann, wenn die ARR-Zahlen für das zweite Quartal vorliegen und zeigen, ob die ambitionierte Pipeline tatsächlich in Umsatz mündet.
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