CoreWeave springt an einem Tag um 6,38 Prozent nach oben, auf 68,56 Euro. Der Auslöser: eine Partnerschaft mit dem Rüstungs- und IT-Dienstleister Leidos. Die beiden Firmen wollen sichere KI-Cloud-Dienste für US-Geheimdienste und das Verteidigungsministerium bereitstellen.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Erst zwei Tage zuvor markierte die Aktie mit 52,89 Euro ihr 52-Wochen-Tief. Der Sprung nach oben wirkt wie eine Erleichterung nach schwierigen Wochen — auf Monatssicht steht CoreWeave noch immer fast neun Prozent im Minus.
Der Vorstoß in den Geheimdienst-Sektor
Der Deal mit Leidos markiert für CoreWeave den Einstieg in einen hochregulierten, aber zahlungskräftigen Markt. Das Unternehmen nutzt dafür SCIF-zertifizierte Rechenzentren, die für klassifizierte KI-Workloads freigegeben sind. Die im Herbst 2025 gegründete Bundessparte von CoreWeave bekommt damit einen ersten großen Auftrag.
Leidos bringt Sicherheitsarchitektur und Erfahrung in der Integration militärischer Systeme mit. CoreWeave liefert die KI-native Infrastruktur. Zusammen wollen beide Firmen ein Stück vom wachsenden KI-Budget der US-Regierung sichern.
Das Timing passt zum größeren Bild. Amazon hat gerade seine Investitionspläne für 2026 auf 220 Milliarden US-Dollar angehoben. Die großen Cloud-Anbieter bauen ihre KI-Kapazitäten weiter aggressiv aus, und die Nachfrage nach leistungsstarken GPU-Clustern übersteigt weiterhin das Angebot. CoreWeave profitiert außerdem vom Rückhalt durch Nvidia, das rund elf Prozent der Aktien hält.
Die entscheidende Frage: Wird aus Wachstum auch Gewinn?
CoreWeave sitzt auf einem Auftragsbestand von 99,4 Milliarden Euro. Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere: Kann das Unternehmen diesen Berg an Aufträgen in echten Gewinn verwandeln, bevor die Schuldenlast das Vertrauen der Investoren untergräbt?
Im ersten Quartal 2026 stand unterm Strich ein Nettoverlust von 740 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig wächst der Schuldenberg. CoreWeave trägt inzwischen Verbindlichkeiten von schätzungsweise 21 Milliarden Euro.
Wie teuer diese Schulden werden, zeigte sich Ende Juli. Für einen Kredit über 2,6 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung von Anthropics Expansion musste CoreWeave die Konditionen nachbessern. Berichten zufolge verlangten die Kreditgeber einen erhöhten Zins von rund 9,1 Prozent sowie einen sogenannten Cash-Lockbox-Mechanismus, der ihnen zusätzliche Kontrolle über die Zahlungsströme sichert. Für Fremdkapital wird es für CoreWeave spürbar teurer.
Hinzu kommt eine gewisse Nervosität im eigenen Haus. In den vergangenen drei Monaten haben Insider Aktien im Wert von 1,76 Milliarden Euro verkauft. Darunter auch CEO Michael Intrator, der über einen automatisierten 10b5-1-Plan rund 20,5 Millionen US-Dollar realisierte. Solche Verkäufe laufen zwar planmäßig ab, nähren aber Zweifel daran, wie sehr das Management selbst an die kurzfristige Kursentwicklung glaubt.
Was für die Bullen spricht
Der Analystenkonsens bleibt trotz allem optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 119,77 Euro — ein Aufschlag von fast 75 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Diese Einschätzung setzt darauf, dass CoreWeave seinen technologischen Vorsprung hält und den riesigen Auftragsbestand Stück für Stück abarbeitet.
Die Konkurrenz durch Oracle und Amazons AWS bleibt zwar real. Solange der große KI-Investitionszyklus bei den Tech-Konzernen weiterläuft, dürfte CoreWeave aber seine Rolle als spezialisierter Infrastruktur-Anbieter behaupten können.
Ausblick: Die Zweitquartalszahlen als nächster Test
Der nächste konkrete Prüfstein folgt im August 2026, wenn CoreWeave die Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt. Entscheidend wird dabei weniger der Umsatz sein als die operative Marge — und die Frage, ob das Unternehmen erste Rechenzentrums-Tranchen erfolgreich an Kunden wie Galaxy Digital ausliefert.
Stabilisieren sich die operativen Verluste und laufen die ersten Auslieferungen planmäßig, könnte sich die Aktie wieder ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 81,65 Euro annähern. Weiten sich dagegen die Kreditspreads aus oder verzögert sich die Integration der Bundesaufträge, bleibt der Titel angesichts seiner extrem hohen Volatilität von knapp 106 Prozent anfällig für einen erneuten Test der Tiefststände.
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